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NZWL gelingt Turbo-Platzierung der Mittelstandsanleihe

Nach nur einer Stunde hat der Getriebeproduzent Neue Zahnradwerk Leizpig (NZWL) die Zeichnungsfrist für die Mittelstandsanleihe beendet.
Thinkstock/Getty Images

Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres zapft die NZWL den Markt für Mittelstandsanleihen an – und das Papier findet reißenden Absatz. Die ursprünglich bis Freitag dieser Woche angesetzte Zeichnungsfrist hat das Unternehmen heute Vormittag vorzeitig beendet. Nach nur einer Stunde schlossen die Orderbücher für die Unternehmensanleihe im Volumen von bis zu 25 Millionen Euro vorzeitig um 10 Uhr. Aufgrund der „hohen Nachfrage“ habe man sich mit dem Financial Advisor Dicama und dem Bookrunner Steubing auf dieses Vorgehen geeinigt, teilte NZWL mit. Das Papier hat eine Laufzeit bis 2021 und wird mit 7,5 Prozent verzinst.

Das Unternehmen, das im Januar von der Creditreform von BB- auf B+ herabgestuft wurde, will rund 40 Prozent des Emissionserlöses in Form von Darlehen an eine Tochtergesellschaft in China ausreichen, wo der Produktionsstandort erweitert werden soll. Der Großteil der verbleibenden Mittel soll in Erweiterungen der europäischen Standorte fließen. Von 2016 an sollen die ersten Erträge aus den Investitionen fließen, verspricht CEO Hubertus Bartsch im heutigen Talk bei FINANCE-TV. Die Investoren scheinen die Wachstumsstory auch für ein gutes Anleiheinvestment zu halten.

NZWL mit zwei Mittelstandsanleihen am Markt

Der Getriebehersteller ist nun bereits mit zwei Mittelstandsanleihen im Markt präsent. Bereits im Februar 2014 platzierte NZWL eine Anleihe über 25 Millionen Euro vorzeitig. Bei dem neuen Papier hat sich der Automobilzulieferer auf Covenants verpflichtet: Das Verhältnis von Net Debt zu Ebitda soll in diesem Jahr unter dem Faktor 6,5x liegen, vom kommenden Jahr an soll der Verschuldungsgrad auf weniger als den Faktor 5,9x sinken. Die Ausschüttung ist auf maximal 25 Prozent des ordentlichen HGB-Jahresüberschusses begrenzt.

Trotz der angespannten Bilanzen von Emittenten wie NZWL  könnten es solche Signale sein, mit denen sich die Managementteams auf ein zügiges Deleveraging verpflichten, die die Investoren im aktuellen Umfeld zu einem Investment bewegen. Die Qualitätsdebatte um das Segment tobt seit Monaten heftig.

Die Deutsche Börse veröffentlichte im vergangenen Jahr einen Best Practice Guide für Emittenten von Mittelstandsanleihen, auch wenn die Punkte nicht verbindlich sind. Darin wird ein Verhältnis von Nettoverschuldung zu Ebitda von maximal dem Faktor 5 als „wünschenswert“ bezeichnet. NZWL liegt noch darüber, doch allein das bloße Vorhandensein von Covenants ist für manche Beobachter schon ein Schritt in die richtige Richtung. 

Qualitätsdebatte um Mittelstandsanleihen läuft

Die Zeiten, in denen sich Papiere nahezu unbesehen im Segment für Mittelstandsanleihen unterbringen lassen, scheinen allerdings vorbei zu sein: Kurz vor Weihnachten musste der österreichische Autozulieferer SAG Motion die Platzierung einer Mittelstandsanleihe abbrechen. Vor wenigen Wochen schockten dann ein Bilanzskandal und die folgende Pleite bei dem Jung-Emittenten Penell die Anleger. Mit Umstrukturierungen und neuen Standards versuchen die Börsenbetreiber, den Ruf des Segments wieder zu heben. Unter anderem kündigte die Börse Düsseldorf eine Neuordnung bei Mittelstandsanleihen an.

Zuletzt war das Angebot an neuen Mittelstandsanleihen aber so rar, dass jetzt möglicherweise schon Emittenten, die wie NZWL einen verbindlichen Verbesserungstrend ihrer Finanzkennzahlen in Aussicht stellen, bei Investoren auf Wohlwollen treffen.

NZWL-CEO Bartsch konnte die Anleger nun anscheinend mit seiner Wachstumsstory überzeugen, auch wenn das Rating mit Verweis auf die steigende Verschuldung des Unternehmens von der Ratingagentur Creditreform auf B+ gesenkt wurde. Bartsch räumt ein, dass 2015 in Bezug auf Cashflow und Bilanzqualität noch ein kritisches Jahr werden dürfte. Von 2016 an aber sollen die mit der ersten Anleihe angestoßenen Investitionen dafür sorgen, dass die Zahlen sowohl beim Umsatz als auch beim Ertrag deutlich positiver ausfallen.

Ab 2017 sollen dann auch die Neuprojekte, die jetzt mit dem neuesten Papier finanziert werden sollen, für die nötigen Rückflüsse sorgen, die das Unternehmen für die planmäßige Rückzahlung der Debütanleihe im Jahr 2019 brauchen wird.

Info

Ein ausführliches Gespräch mit NZWL-CEO Hubertus Bartsch über die Neuemission und die Finanzlage des Unternehmens sehen Sie im Talk bei FINANCE-TV. Auf unserer FINANCE-Themenseite finden Sie mehr Informationen zur aktuellen Situation am Segment für Mittelstandsanleihen

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