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Retter lassen Laurèl und René Lezard im Regen stehen

Neue Pleite bei Mittelstandsanleihen: Laurèl muss Insolvenzantrag stellen. Auch René Lezard steht ohne Retter da.
moodboard/moodboard/Thinkstock/Getty Images

Für Laurèl sind alle Rettungsversuche zunächst gescheitert: „Insolvenzantrag wird unverzüglich gestellt“, teilte das Unternehmen heute Vormittag unmissverständlich mit. Ein strategischer Investor, auf dem lange Zeit die Hoffnungen der Unternehmensführung ruhten, hat den Restrukturierungsplänen in der Nacht zum Montag eine Absage erteilt: Die Shenzhen Oriental Fashion Asset Management stehe für ein Investment außerhalb der Insolvenz nicht mehr zur Verfügung, teilte Laurèl mit.

Das Unternehmen muss nun einen Insolvenzantrag wegen Überschuldung stellen. Ob die Gespräche mit dem Investor danach weitergeführt werden, ließ Laurèl offen. Das Unternehmen war unter anderem durch die Russlandkrise und den schwindenden Absatz im dortigen Modemarkt unter Druck geraten. Bitter ist die Insolvenz für die Gläubiger der Mittelstandsanleihe im Volumen von 20 Millionen Euro. Bereits im vergangenen Jahr hatte Laurèl mit den Anleihegläubigern über eine Restrukturierung des bis November 2017 laufenden Papiers verhandelt. Seit Ende September war das Papier bereits deutlich von 25 auf zuletzt nur noch knapp 15 Prozent gefallen.

Der Markt für Mittelstandsanleihen muss mit Laurèl nun die Insolvenz eines weiteren Emittenten aus der Modebranche verkraften. Im Frühjahr dieses Jahres hatte bereits der Modekonzern Steilmann kurz nach seinem Börsengang unerwartet Insolvenz anmelden müssen. Auch die Modefirma Strenesse rutschte nach gescheiterten Verkaufsgesprächen in die Insolvenz. Das Modehaus Wöhrl kämpft derweil unter einem Schutzschirm um seine Zukunft

Auch René Lezard kämpft ums Überleben

Auch ein weiterer Emittent aus der Modebranche steht stark unter Druck: Der Überlebenskampf von René Lezard zeigt ein ganz ähnliches Bild wie  der des Wettbewerbers Laurèl. Noch vor wenigen Wochen hatte René Lezard verkündet, bei der finanziellen Restrukturierung Unterstützung durch einen Private-Equity-Investor zu erhalten. Dieser würde die Bankkredite des Unternehmens über 8,8 Millionen Euro übernehmen, sofern die Anleihegläubiger einer Restrukturierung der Mittelstandsanleihe zustimmen. 

Die Gläubiger sollten auf 40 Prozent des ausstehenden Nominalbetrags verzichten, die Laufzeit der Anleihe bis 2050 verlängern und einer Absenkung der Zinszahlungen zustimmen. Im Gegenzug wollte René Lezard im Januar 2017 eine Teilrückzahlung über 35 Prozent des Bonds leisten.

Investoren springen bei René Lezard ab

Doch aus den Plänen wird nun nichts: In der vergangenen Woche musste auch René Lezard mitteilen, dass die „fortgeschrittenen Verhandlungen“ zu keinem Ergebnis geführt haben. Der Finanzinvestor habe die Gespräche „überraschend abgebrochen“. Die Hoffnungen von René Lezard ruhen nun auf alternativen Finanzinvestoren, erste Interessensbekundungen will das Modeunternehmen bereits erhalten haben.

Noch ist die Aussicht auf einen neuen Retter wenig konkret. Zumindest an den Gläubigern der Mittelstandsanleihe würde die Restrukturierung des Unternehmens nicht scheitern. Sie haben dem Vorschlag des Unternehmens zur Anleiherestrukturierung zugestimmt,  obwohl zu diesem Zeitpunkt schon bekannt war, dass der Investor abgesprungen ist. Mit einer Teilrückzahlung von 35 Prozent wären sie tatsächlich noch gut bedient.

Doch die Vertreterin der Anleihegläubiger, die Juristin Susanne Schmidt-Morsbach, macht den Gläubigern Medienberichten zufolge wenig Hoffnung: Würden die Gespräche mit anderen Investoren scheitern, käme es am Ende womöglich doch zu einer Insolvenz, wird sie zitiert. Momentan verzichteten die Anleihegläubiger aber auf nichts, sie stundeten lediglich die Zinsen, die Ende November fällig würden, so Schmidt-Morsbach.

Der Kapitalmarkt glaubt offensichtlich nicht mehr an eine Rettung von René Lezard: Der Anleihekurs, der Anfang November noch bei Werten über 25 Prozent notierte, fiel nach dem Absprung der Investoren auf weniger als 10 Prozent.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Info

Welche Emittenten ebenfalls wackeln, lesen Sie auf der FINANCE-Themenseite zum Markt für Mittelstandsanleihen

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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