Steilmann

24.03.16
Finanzierungen

Steilmann-Pleite: Mini-Bonds über 90 Millionen Euro im Feuer

Erst ein schwacher Börsengang, dann eine Gewinnwarnung und jetzt völlig überraschend die Insolvenz: Innerhalb weniger Monate ist der Modekonzern Steilmann abgestürzt. Für die Investoren am Markt für Mittelstandsanleihen ist das ein neuerlicher Tiefschlag.

Im November erst war Steilmann an die Börse gegangen – jetzt meldet der Modekonzern überraschend seine Zahlungsunfähigkeit. „Der Vorstand der Steilmann SE ist nach umfassender Prüfung heute zu der Überzeugung gelangt, dass im Zuge des aktuellen Geschäftsverlaufs die Steilmann SE zahlungsunfähig ist“, gab Steilmann in einer Ad-hoc-Mitteilung bekannt. Zwischenzeitlich geführte und angeblich „bislang erfolgversprechende Sanierungsverhandlungen“ hätten nicht zum Ziel geführt. „Der Vorstand wird vor diesem Hintergrund nunmehr unverzüglich den Insolvenzantrag stellen“, kündigt der Vorstand an.

Damit rückt nun auch CFO Jens Brüggemann in den Blickpunkt, der erst im August vergangenen Jahres vom Controlling-Chef zum CFO aufstieg. Er hatte Steilmann Ende Oktober an die Börse geführt. Der Börsengang verlief enttäuschend: Das Volumen musste mehrfach verkleinert werden, anstatt der angepeilten knapp 100 Millionen Euro konnte Steilmann schließlich gerade einmal 9 Millionen Euro frisches Kapital einsammeln.

Von einem akuten Liquiditätsbedarf war damals nicht die Rede – im Gegenteil: Mit dem IPO-Erlös wollte Steilmann eigenen Angaben zufolge eigentlich neue Verkaufsstellen eröffnen und seine Beteiligung an der Modekette Adler aufstocken, kündigte Unternehmenschef Michael Puller damals an. Es war geplant, den PE-Investor Equinox aus der gemeinsamen Beteiligungsholding, die die Mehrheit an Adler hält, herauszukaufen – daraus wurde nach dem enttäuschenden Börsengang nichts.  

Im Dezember kassierte Steilmann die Gewinnprognose

Die Zahlen, mit denen Steilmann die Investoren überzeugen wollte, machten einen stabilen Eindruck: 2014 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 896 Millionen Euro, verglichen mit 737 Millionen Euro im Vorjahr. Der bereinigte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 53,3 Millionen Euro, im Jahr 2013 waren es 43,7 Millionen Euro. Zum Wachstum hatte auch der Mehrheitserwerb von Adler beigetragen.

Nur wenige Wochen nach dem ernüchternden Verlauf des Börsengangs kam die zweite schlechte Nachricht: Der Konzern musste seine Prognosen kassieren. Aufgrund des „milden Wetters“ konnte Steilmann seine im IPO-Prospekt versprochenen Wachstumsraten nicht erreichen. Steilmann stand mit einer solchen Hiobsbotschaft freilich nicht allein, auch andere Modehäuser mussten wegen der schwachen Entwicklung im Modehandel ihre Prognosen kappen: Adler, Tom Tailor, Gerry Weber und sogar die Edelmarke Hugo Boss.

Mittelstandsanleihen im Volumen von 90 Millionen Euro wackeln

Trotz dieser Vorzeichen werden die Steilmann-Investoren von der Pleite überrascht sein. Der Aktienkurs Steilmanns ist seit gestern Abend um fast 80 Prozent eingebrochen und notiert jetzt bei 0,25 Euro. Stark gefährdet sind jetzt auch die drei in den Jahren 2017 und 2018 auslaufenden Mittelstandsanleihen des Modekonzerns. Sie haben ein Gesamtvolumen von knapp 90 Millionen Euro, im August erst wurde eine der Anleihen um 15 Millionen Euro aufgestockt. Die Bonds wurden heute vom Handel ausgesetzt.

Für den ohnehin schon schwer angeschlagenen Mini-Bond-Markt ist das ein weiterer Tiefschlag, war Steilmann doch einer der wenigen noch verbliebenen größeren Emittenten, der noch nicht die Segel streichen musste. Allein in diesem Jahr mussten die Bonds von Ekosem Agrar und Singulus restrukturiert werden, German Pellets ging sogar pleite.

Steilmann-Tochter Adler versucht die Investoren zu beruhigen

Mittelbar betroffen von der Steilmann-Pleite ist auch die fränkische Modekette Adler, die es immerhin auf einem Umsatz von 566 Millionen Euro bringt. Deren Hauptaktionär mit einem Anteil von 53 Prozent ist die Beteiligungsgesellschaft S&E Kapital, hinter der mehrheitlich Steilmann und minderheitlich der PE-Investor Equinox stehen. Equinox gilt schon seit längerem als verkaufswillig, Steilmann wollte den Anteil des Finanzinvestors eigentlich übernehmen. Nun droht auch Adler in den Strudel der Steilmann-Pleite zu geraten, gilt das Unternehmen doch faktisch als nachgeordnetes Unternehmen von Steilmann. 

Doch Adler ist schon heute Morgen mit einem Statement in die Offensive gegangen, das die Investoren beruhigen soll: Das Unternehmen erwartet durch die Steilmann-Pleite „keine nennenswerten Auswirkungen auf das operative Geschäft und die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von Adler“, erklärte das Management um den erfahrenen Adler-CFO Karsten Odemann. Es gebe keine wechselseitigen Darlehensvergaben zwischen Adler und Steilmann, auch die Bedeutung von Steilmann-Konzernstrukturen für den Einkauf und den Absatz von Adler seien „sehr gering“. Odemann bekräftigt, dass Adler über eine „mehr als ausreichende Liquidität“ verfüge und keine Abstriche an seinen Geschäftsprognosen machen müsse.

Trotzdem steht auch die Adler-Aktie unter Druck und verliert heute rund 8 Prozent. Die Sachlage ist pikant, denn auch dann, wenn sich die zuversichtlichen Erklärungen des Managements bewahrheiten sollten, ist Adler nun mit einem gefallenen Großaktionär und einem massiven Aktienüberhang konfrontiert. Andererseits könnte sich daraus mittelfristig auch neue Übernahmefantasie entwickeln, denn mit einem Erwerb des Aktienpakets von S&E Kapital könnte sich ein interessierter Käufer auf einen Schlag die Mehrheit an der auf „Best Ager“ fokussierten Haibacher Modekette sichern.  

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Scholz, German Pellets, Rickmers und Co.: Die Panik am Mini-Bond-Markt greift um sich. Mit der FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen bleiben sie auf dem Laufenden.