Der Caravan-Hersteller Erwin Hymer Group möchte sich durch M&A-Deals Zugang zu neuen Märkten sichern.

Erwin Hymer Group

21.10.16
CFO

Erwin Hymer Group weiter hungrig auf Expansion

Der Caravan-Hersteller Erwin Hymer Group drängt nach Übersee: Nachdem die Übernahme von Roadtrek den Markteintritt in Nordamerika gebracht hat, nimmt CFO Klaus Rudolph M&A-Deals in weiteren Märkten ins Visier.

Herr Rudolph, Sie sind erst im Februar dieses Jahres als CFO zu dem Caravan-Hersteller Erwin Hymer Group gewechselt. Nahezu zeitgleich wurde bekannt, dass die Erwin Hymer Group mit der Übernahme von Roadtrek den Markteintritt in Nordamerika gewagt hat. Wie ist es, inmitten eines laufenden M&A-Deals an Bord zu kommen?
Es ist in der Tat spannend, in einer so bewegten Phase zu einem Unternehmen zu kommen. Für das Unternehmen war der Zukauf ein großer und wichtiger Schritt. Ich habe das Amt als CFO zwar offiziell erst im Februar übernommen, war aber auch zuvor schon in einer Beiratsklausur dabei, in der die Strategie der Roadtrek-Übernahme besprochen wurde. Daher kannte ich die Hintergründe des M&A-Deals und kann die Transaktion voll mittragen. Die Akquisition verlief insgesamt sehr schnell: Zwischen der Aufnahme der Verhandlungen bis zum Abschluss des Deals lagen nur sechs Monate.

In den vergangenen Jahren gab es bei der Erwin Hymer Group, einem managementgeführten Familienunternehmen, einige Wechsel in der Führungsetage. Wofür steht der neue Vorstand?

Wir wollen regional stärker expandieren. In Europa haben wir bereits einen Marktanteil von rund 29 Prozent. Unser Geschäft ist allerdings sehr konjunkturanfällig. Dieses Risiko können wir reduzieren, indem wir das Unternehmen breiter aufstellen. Wir konzentrieren unsere Investitionen auf Märkte und Einheiten, die mittel- und langfristig die besten Wachstums- und Profitabilitätschancen bieten. Ziel ist es, dass unsere Gruppe flexibel und profitabel auf Marktschwankungen reagieren kann. Die Akquisition von Roadtrek ist ein Schritt in diese Richtung.

Wie kam der Kontakt zu Roadtrek zustande?
Roadtrek war zuvor im Besitz der Private-Equity-Gesellschaft Industrial Opportunities Partners (IOP). Kollegen bei Hymer hatten auf einer Messe Kontakt zum Roadtrek-Management bekommen. Die Unternehmen ergänzen sich gut: Hymer bietet Reisemobile und Caravans an, die kleiner sind als die Modelle, die Roadtrek im Angebot hat. Und die Roadtrek-Mitarbeiter kennen das lokale Rechtssystem und den nordamerikanischen Markt. Das versuchen wir auch bei der Integration zu nutzen: Um Themen mit Marktbezug, beispielsweise den Einkauf, kümmern sich auch in unserem Integrationsteam Kollegen, die von Roadtrek zu uns kamen.

CFO Klaus Rudolph hat weitere M&A-Deals im Visier

Die Erwin Hymer Group hat bei der Roadtrek-Transaktion eine Versicherung, eine sogenannte Representations & Warranties Insurance, abgeschlossen. Was steckt dahinter?
Diese Art von Versicherung ist in Nordamerika üblich, insbesondere bei M&A-Deals mit Private-Equity-Bezug. Sie erhöht die Transaktionssicherheit. Wir hatten eine Versicherungssumme von 7,5 Millionen US-Dollar vereinbart, die Kosten von 350.000 Dollar trägt der Verkäufer. Durch die Versicherung ist sichergestellt, dass die Due Diligence in allen Bereichen angemessen vorgenommen wurde. Der Versicherungsvertrag wird zum Signing unterschrieben. Die Schadensersatzansprüche bei Garantieverletzungen greifen in der Regel über einen Zeitraum von 18 Monaten, bei bestimmten grundlegenden Gewährleistungen sogar noch länger.

Sind Sie mit der Integration von Roadtrek derzeit voll ausgelastet, oder sind weitere M&A-Deals vorstellbar?
Grundsätzlich sind wir weiter auf Expansionskurs und haben derzeit weitere M&A-Themen im Blick. Es gibt verschiedene Regionen, die für die Erwin Hymer Group interessant sind. China ist ein Markt mit einer sehr großen Freizeitindustrie, der ein riesiges Potential bietet. Auch Großbritannien ist spannend, das ist in Europa der größte Einzelmarkt nach Deutschland. M&A-Transaktionen sind für uns ein probates Mittel, um unseren Marktzugang zu erweitern.

Wie soll sich denn das Wachstum im Zahlenwerk der Erwin Hymer Group niederschlagen?

Derzeit machen wir einen Jahresumsatz von etwa 1,6 Milliarden Euro. Unser Ziel ist es, bald die 2-Milliarden-Euro-Marke zu knacken.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Mehr über die Karriere-Highlights des neuen Hymer-CFOs lesen Sie in unserem Almanach FINANCE-Köpfe auf der Seite zu Klaus Rudolph