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Staatshilfe: Was ist los beim 1. FC Köln?

Laut Berichten des „Handelsblatt“ interessiert sich der 1. FC Köln für Staatshilfen des Bundes.
dpa/picture alliance/Sebastian El Saqqa

Der 1. FC Köln soll Medienberichten zufolge wegen einer Finanzspritze beim Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes angeklopft haben. Der „Effzeh“ wäre der erste Bundesligaklub, der in der Coronavirus-Krise auf diese Art der Eigenkapitalbeteiligung zurückgreifen müsste. Der Fußballverein dementiert das hart, das „Handelsblatt“ beharrt auf seiner Darstellung.

Wo die Darstellungen beider Seiten näher beieinander liegen, ist das, was nach der kolportierten Ansprache des WSF geschehen sein soll. Offenbar liegt das Thema nun beim Land Nordrhein-Westfalen, das als Bürge für einen neuen Kredit an den FC einspringen könnte – so wie schon bei Schalke 04. Im Raum steht eine Summe von 10 Millionen Euro. Diese erscheint klein, sollte es zutreffen, dass die Kölner tatsächlich beim WSF, dem mächtigsten Coronahilfstopf des Bundes, angeklopft haben. Zwar dürfen sich beim WSF schon Unternehmen ab 50 Millionen Euro Jahresumsatz bewerben. In der Realität flossen die ersten WSF-Hilfen aber in erster Linie an Großkonzerne wie Lufthansa und Tui. Beträge von 10 Millionen Euro sind eigentlich nicht das primäre Betätigungsfeld des WSF.

Der 1. FC Köln und sein Finanzierungsberater

„Weder der 1. FC Köln noch eine von ihm bevollmächtigte Person hat mit der Bundesregierung oder einem Vertreter des Wirtschaftsstabilisierungsfonds über eine eventuelle Staatshilfe gesprochen", kommentierte der Verein den Medienbericht – um dann aber eine mögliche andere Spur zu legen. Es habe lediglich einen Termin mit einem selbständigen Finanzdienstleister gegeben, der das Modell vorgestellt haben soll, so der FC.  

Dass die Handelsblatt-Quellen eine interne WSF-Liste gesehen haben wollen, auf der sich auch der Name des 1. FC Köln befand, muss im Lichte dieser Aussage kein Widerspruch sein. Nicht ausgeschlossen, dass der Finanzierungsberater des Traditionsklubs einen möglichen Deal eruierte, ohne dafür explizit einen Auftrag aus der Führungsspitze erhalten zu haben.

Der 1. FC Köln verspielte viele Millionen

Unstrittig ist, dass es dem 1. FC Köln wirtschaftlich schlecht geht und die Coronapandemie tiefe Löcher in die Kassen gerissen hat, Stichwort Geisterspiele. Schon zu Saisonbeginn fürchtete CFO Alexander Wehrle, dass am Ende dieser Saison das komplette Eigenkapital aufgebraucht sein könnte.

Doch Corona ist nicht allein schuld an den finanziellen Schwierigkeiten. Vor vier Jahren hatte es der Klub geschafft, nahezu alle finanziellen Altlasten zu beseitigen. Das viele Jahre negative Eigenkapital des Klubs drehte ins Plus, die Mannschaft stürmte überraschend bis in den Europapokal, der Verkauf von Leistungsträgern spülte immense Einnahmen aus Ablösesummen in die Kasse. Die Klubführung träumte sogar vom Bau eines eigenen neuen Stadions vor den Toren der Stadt zum Preis von mehreren hundert Millionen Euro.

Danach allerdings reihte sich Transferflop an Transferflop. Im Jahr darauf stieg der FC überraschend in die Zweite Liga ab. Obwohl der direkte Wiederaufstieg gelang, kostete allein das eine Jahr in der Zweiten Liga den Klub einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Hinzu kamen hohe Wertverluste im Kader und Abschreibungen auf die gezahlten viel zu hohen Ablösesummen. Und dieses Schicksal droht den Kölnern erneut: Der FC steht gegenwärtig auf dem Relegationsplatz 16, zwei Punkte hinter Arminia Bielefeld.

gesine.wagner[at]finance-magazin.de

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