Syndizierte Kredite: So profitieren CFOs von Amend & Extend

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Niedrigzinsumfeld und immenser Wettbewerb im deutschen Firmenkundengeschäft – selten hatten CFOs bei ihren Banken eine bessere Verhandlungsposition als jetzt. Diese Phase nutzen viele Finanzchefs, um sich die guten Konditionen langfristig zu sichern. Besonders beliebt: der Amend & Extend-Ansatz. Unternehmen verlängern dabei die Laufzeit ihrer syndizierte Kredite (extend) zu besseren Konditionen (amend), anstatt die Finanzierungen komplett neu auszuhandeln.

Der Vorteil: „Der Vertrag bleibt im Kern bestehen, sodass der Aufwand und Kosten für den Kreditnehmer geringer sind als bei regulären Refinanzierungen“, sagt Thomas Schrell, Rechtsanwalt bei Heuking Kühn Lüer Wojtek.

Im ersten Halbjahr 2015 sind in Deutschland solche Transaktionen über umgerechnet 15,7 Milliarden Euro vereinbart worden, nach 11,3 Milliarden Euro im zweiten Halbjahr 2014 und 33,1 Milliarden Euro im Gesamtjahr 2014. Das geht aus Daten des Statistikdienstleisters Dealogic hervor, die FINANCE vorliegen. Die Hoffnung einiger Bankexperten Ende vergangenen Jahres, dass sich der Boom 2015 abschwächen wird, ist damit nicht eingetreten.

CFOs machen Finanzierungen schon nach einem Jahr wieder auf

„Seit fast vier Jahren sehen wir nahezu kontinuierlich fallende Zinssätze und Margen“, sagt Martin Wagenknecht, Head of Debt Capital Market Deutschland bei Société Générale. „Da lohnt es sich aus Sicht der CFOs oft schon ein Jahr später, die Finanzierung wieder aufzumachen und nachzuverhandeln.“

So geschehen etwa bei ProSiebenSat.1: Der Medienkonzern hatte erst im April 2014 unter dem ehemaligen CFO Axel Salzmann eine umfangreiche Refinanzierung eingefädelt, zu der unter anderem eine syndizierte Kreditlinie über 2 Milliarden Euro gehört. Ein Jahr später verhandelte ProSiebenSat.1 schon nach und verlängerte die Laufzeit.

Besonders viele Amend & Extend-Anfragen bekommen die Banken laut Wagenknecht von Unternehmen, deren Bonität sich verbessert hat. Diese profitieren nämlich gleich doppelt: Sowohl das Marktumfeld als auch das eigene Risikoprofil sind besser als zum Zeitpunkt des Kreditabschlusses.

Prominentes Beispiel hier: Die Ratingagentur Standard & Poor’s stufte das Unternehmensrating von Fresenius im Januar von BB+ auf BBB- hoch. Einen Monat später konnte Fresenius-CFO Stephan Sturm eine revolvierende Kreditlinie und eine Darlehenstranche über rund 3 Milliarden Euro zu günstigeren Konditionen um zwei Jahre bis 2020 verlängern.

Amend & Extend-Fee: Marktstandard hat sich gebildet

Umsonst gibt es Amend & Extend natürlich nicht: Die Unternehmen müssen eine Einmalgebühr entrichten, zu deren Höhe sich Banken wenig überraschend ausschweigen. „Die Gebühr hängt von der individuellen Situation des Unternehmens ab, grundsätzlich gilt aber: Je länger die Laufzeit gestreckt wird und umso mehr Änderungen ein Unternehmen vornehmen will, desto höher die Gebühr“, berichtet Société-Générale-Banker Wagenknecht. CFOs, die in den kommenden Monaten mit lukrativem Geschäft für die Banken winken können – etwa einer Anleiheemission – haben aber gute Karten, die Gebühr zu drücken.

In den meisten Fällen sind die Transaktionen für die Banken deshalb kein gutes Geschäft – auch weil der Aufwand auf ihrer Seite kaum geringer ist als bei einer normalen Refinanzierung. Die Marktfolge-Gremien müssen erneut durchlaufen werden.

Dennoch ziehen Banken fast immer mit, hat Anwalt Schrell beobachtet: „Bei Amend & Extend-Transaktionen werden Entscheidungen auf der Kreditgeberseite grundsätzlich mit Zwei-Drittel-Mehrheit gefällt. Wir erleben es aber kaum, dass eine Bank nicht mitmacht.“ Der Druck, sich im umkämpften Firmenkundengeschäft zu behaupten, ist schlicht zu hoch. Falls dennoch eine Bank aussteigt, können andere den Teil der Linie übernehmen, oder das Volumen des Kredits sinkt ein wenig.

Amend & Extend-Boom greift auf Schuldschein über

Inzwischen hat der Amend & Extend-Boom bei syndizierten Krediten, der schon seit drei Jahren anhält, auch den Schuldscheinmarkt ergriffen. Der Klinikkonzern Asklepios etwa hat bei seiner Schuldschein-Emission vor rund zwei Wochen den Investoren eines bestehenden Schuldscheins aus 2013 die neuen Papiere in Form eines Amend & Extend angeboten. CFO Stephan Leonhard konnte so die alten Schuldscheine zu verbesserten Konditionen und mit längeren Laufzeiten in neue Papiere wandeln.

Banker hoffen allerdings noch, dass dies eher die Ausnahme bleiben wird: „Im Schuldschein sind in der Regel deutlich mehr Investoren als beim syndizierten Kredit, sodass der Koordinationsaufwand steigt“, glaubt Banker Wagenknecht. In einigen Fällen wird dies CFOs aber kaum aufhalten. Solange die Zinsen nicht wieder ansteigen, wird der Amend & Extend-Boom wohl nicht enden.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de