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Zweite Zahlung für Gläubiger der MS Deutschland

Die Gläubiger der MS Deutschland erhalten 5 Prozent der Forderungen zurück. Ob und wann es einen Nachschlag gibt, hängt von laufenden Rechtsstreitigkeiten ab.
MS Deutschland/Reederei Peter Deilmann

Für die Gläubiger der MS Deutschland, einem der prominentesten Pleitefälle am Markt für Mittelstandsanleihen, startet das Jahr mit einer guten Nachricht: Sie erhalten eine zweite Abschlagszahlung in Höhe von 5 Prozent der ausstehenden Forderungen ausbezahlt. Insgesamt schüttet der Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber von der Kanzlei Reimer Rechtsanwälte dafür rund 3,1 Millionen Euro aus.

Die Auszahlungen an die Gläubiger steigen damit auf insgesamt 9,3 Millionen Euro, das entspricht einer Erstattung von rund 15 Prozent der ausstehenden Forderungen. Insgesamt hat die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft vor ihrer Insolvenz im Oktober 2014 Verbindlichkeiten von rund 62 Millionen Euro angehäuft. Mit knapp 54 Millionen Euro entfällt der größte Teil auf Forderungen von Anleihegläubigern.

Das Unternehmen hatte im Dezember 2012 eine Mittelstandsanleihe im Volumen von 50 Millionen Euro emittiert und den Investoren einen Zinssatz von 6,875 Prozent zugesagt. Keine zwei Jahre später folgte die Insolvenz.

Laufende Rechtsstreits um MS Deutschland

Unklar sind derzeit die Aussichten der Gläubiger auf weitere Auszahlungen. Zwar hat Insolvenzverwalter Schmid-Sperber weitere Zahlungen angekündigt, allerdings erst „für einen späteren Zeitpunkt nach Abschluss derzeit noch laufender Rechtsstreitigkeiten“. Ein genauer Zeitplan steht noch nicht fest. Auch bei weiteren Auszahlungen an die früheren Bondholder dürften diese am Ende einen großen Teil ihres Einsatzes verloren haben, obwohl das frühere Traumschiff zum Zeitpunkt der Emission als werthaltige Sicherheit für die Anleihe vermarktet worden war.  

Ärger brachte die Insolvenz der MS Deutschland auch den Vorbesitzern: Unter anderem klagte vor mehr als einem Jahr die Kanzlei Nieding+Barth, die einen Teil der Gläubiger vertritt, gegen den Private-Equity-Investor Aurelius. Die Kläger warfen dem ehemaligen Mehrheitsgesellschafter vor, fehlerhafte Angaben im Wertpapierprospekt zu der 2012 emittierten Anleihe gemacht zu haben. Nach Aurelius übernahm der Turnaroundinvestor Callista das Kommando, konnte das Ruder aber auch nicht mehr herum reißen.

Nach einem langwierigen M&A-Prozess hatte die MS Deutschland schließlich vor knapp zwei Jahren einen neuen Besitzer gefunden. Im Mai 2015 ging das ehemalige Traumschiff an einen namentlich nicht genannten US-Investor. Inzwischen bietet die deutsche Reederei Phoenix Reisen mit der MS Deutschland an.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Besitzerwechsel, Ärger mit Ratingagenturen und eine abgesagte Weltreise: Alles über die wechselvolle Geschichte des einstigen Traumschiffs lesen Sie auf unserer Themenseite über die MS Deutschland

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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