Holtzbrinck und BC Partners bringen Springer Nature an diese Börse. Über eine Kapitalerhöhung sollen dem Wissenschaftsverlag 1,2 Milliarden Euro zufließen.

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12.04.18
Finanzierungen

BC Partners bringt Springer Nature an die Börse

Springer Nature wird voraussichtlich der nächste milliardenschwere Börsengang in Frankfurt. Überraschend ist, dass der Wissenschaftsverlag bei der Erstnotierung nicht auf deutsche Bankenexpertise setzt.

Die seit Monaten anhaltenden Gerüchte sind bestätigt: Der Wissenschaftsverlag Springer Nature strebt an die Börse. Wie die Berliner am heutigen Donnerstag bekanntgaben, soll im Rahmen einer Kapitalerhöhung ein Emissionserlös von etwa 1,2 Milliarden Euro erzielt werden. Die Aktien von Springer Nature werden am Frankfurter Prime Standard notiert sein.

Mit dem Gang aufs Parkett wäre Springer Nature nach Siemens Healthineers und der Deutsche-Bank-Tochter DWS der dritte Milliarden-IPO binnen weniger Wochen in Deutschland. Beide Konzerne hatten im März den Gang auf das Parkett gewagt.

BC Partners könnte sich von Anteilen trennen

Springer Nature, das 2017 auf einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro kam, gehört der Verlagsgruppe Holtzbrinck, die 53 Prozent der Anteile hält, sowie dem Finanzinvestor BC Partners. Das Private-Equity-Haus hatte das Vorgängerunternehmen mit dem Namen Springer Science 2013 für 3,3 Milliarden Euro vom damaligen Eigner EQT übernommen.

Während sich Holtzbrinck im Zuge des IPO nicht von Anteilen trennen wolle, könnte BC Partners Aktien aus dem eigenen Bestand auf den Markt werfen und so seine Beteiligung an Springer Nature reduzieren, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens. Dies sei abhängig vom Marktumfeld.

Springer Nature will Schulden reduzieren

Mit dem IPO-Erlös will Springer Nature laut eigener Aussage finanziell flexibler werden und sich die Option über eine Finanzierung über den Eigenkapitalmarkt eröffnen. Zudem will der Verlag die Nettoverschuldungsquote auf das 3,5-Fache des um hohe wiederkehrende und fortgesetzte Investitionen bereinigten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) aus dem Jahr 2017 senken.

Unternehmensangaben zufolge betrug die Nettofinanzverschuldung zuletzt 3 Milliarden Euro, das bereinigte Ebitda lag 2017 bei 551 Millionen Euro. Durch den IPO würde die Schuldenlast auf 2 Milliarden Euro sinken, teilte eine Sprecherin gegenüber FINANCE mit.

„Die akademischen Ausgaben sind weitgehend konjunkturunabhängig."

Ulrich Vest, CFO von Springer Nature

„Da die akademischen Ausgaben weitgehend konjunkturunabhängig sind, können wir ein stabiles Umsatzwachstum mit starken Margen und steigenden Cashflows verbinden“, lässt sich Ulrich Vest, CFO von Springer Nature, zitieren. Speziell über den Free Cashflow will Springer Nature die Schulden reduzieren.

Springer Nature wirbt bei Investoren zudem mit einer Dividendenzahlung für das laufende Geschäftsjahr 2018. Diese soll im Mai 2019 ausgezahlt werden und auf ein Volumen von 110 Millionen Euro kommen. In Zukunft will der Verlag 50 Prozent des bereinigten Jahresergebnisses an seine Aktionäre ausschütten.

Simone Menne sitzt im Aufsichtsrat von Springer Nature

Der Aufsichtsrat von Springer Nature wird prominent besetzt sein. Chef des Kontrollgremiums wird Stefan von Holtzbrinck, CEO der Holtzbrinck-Gruppe. Auch Holtzbrinck-CFO Jens Schwanewedel zieht in den Aufsichtsrat ein.

Weitere prominente Namen sind die Ex-Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne sowie Merck-CEO Stefan Oschmann, Heidelbergcement-Chef Bernd Scheifele und Obi Felten, Manager bei der Alphabet-Tochter Moonshots. Mit Ewald Walgenbach erhält auch ein Manager von BC Partners einen Sitz in dem Gremium.

Springer Nature soll künftig als eine deutsche Kommanditgesellschaft auf Aktien (AG & Co. KGaA) firmieren. Diese Struktur ist nicht unumstritten, biete höhere Flexibilität bei der Kapitalbeschaffung, schreiben die Berliner. Die Umwandlung soll am morgigen Freitag stattfinden. 

Simone Menne, Boehringer Ingelheim GmbH & Co. KG

Menne startet 1987 in der Revisionsabteilung von ITT und wechselt 1989 als Revisorin zur Deutschen Lufthansa. Seitdem ist sie in diversen Positionen dort tätig gewesen. Ab 1992 leitet sie das Rechnungswesen für die Region Westafrika. Drei Jahre später wechselt Menne nach Deutschland zur Lufthansa Revenue Services und leitet bis 1999 die EDV, die Nutzerservices sowie ein Projekt zur Neuausrichtung der Erlös- und Leistungsrechnung des Geschäftsbereichs Lufthansa Passage. Darüber hinaus ist sie die Geschäftsführerin der Lufthansa Revenue Services.

Von 1999 bis 2004 verantwortet sie die kaufmännische Verwaltung sowie den Personalbereich, bis 2001 zunächst für die Region Südwesteuropa, später dann für Europa insgesamt. Von 2004 bis 2010 übernimmt Menne die Leitung des Finanz- und Rechnungswesens der Lufthansa Technik.

2010 wechselt Menne als CFO zur Fluggesellschaft British Midland, an der die Lufthansa beteiligt ist, bis sie 2012 zur Finanzchefin der Deutschen Lufthansa berufen wird. Neben ihrem CFO-Job beim Lufthansa-Konzern ist Menne Aufsichtsratsvorsitzende der Lufthansa Cargo AG, LSG Lufthansa Service Holding AG, Lufthansa Systems AG, sowie der Delvag Luftfahrtversicherungs AG. Außerdem ist sie Aufsichtsratsmitglied der Lufthansa Technik AG.

Im August 2016 verlässt sie auf eigenen Wunsch die Lufthansa, um sich "persönlich weterzuentwickeln". Sie geht als Finanzchefin zu dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim. Im Dezember 2017 verlässt Simone Menne das Unternehmen wieder.

zum Profil

Internationale Banken begleiten Springer Nature

Bei den begleitenden Banken setzt Springer Nature auf internationale Expertise, deutsche Geldhäuser sucht man vergeblich. JP Morgan und Morgan Stanley fungieren bei dem Börsengang als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners.

BofA Merrill Lynch, BNP Paribas, Credit Suisse, Goldman Sachs und Société Générale wurden als Joint Bookrunners mandatiert. Die Eigenkapitalexperten von Lilja & Co. agieren als unabhängiger Berater der Gesellschafter und von Springer Nature.

Springer Nature ist nicht der einzige Börsengang, der in den kommenden Wochen über die Bühne geht. Auch der Telefonkonzern Nfon hat den Gang aufs Parkett am Donnerstag angekündigt. Dieser ist im Volumen allerdings deutlich kleiner: Das Unternehmen will einen Bruttoerlös von 50 Millionen Euro generieren.

jakob.eich[at]finance-magazin.de