Der Grenke-Konzern kämpft immer mehr mit seiner Governance: Giovanni Califano ist für Grenke und die CTP-Mutter Sacoma aktiv.

Grenke

FINANCE+ 22.10.20
Finanzierungen

Causa Grenke: Wer ist Giovanni Califano?

Von Baden-Baden über die Schweiz nach Dubai: Während der Shortseller Viceroy neue Fragen zum Firmengeflecht des Grenke-Konzerns aufwirft, könnte sich nach FINANCE-Recherchen ein Manager als besonderes Problem für Grenke erweisen.

Seit Wochen ist der Leasing-Dienstleister Grenke nach der Shortseller-Attacke von Viceroy um Schadensbegrenzung bemüht. Erst in dieser Woche hat das Management der Baden-Badener eine ausführliche Wasserstandsmeldung über den Stand der Aufklärungsarbeiten der Wirtschaftsprüfer von KPMG und Warth & Klein Grant Thornton veröffentlicht. Das Zwischenfazit: keine Auffälligkeiten.

Beinahe zeitgleich hat der Hedgefonds Viceroy eine weitere Attacke gefahren. Das Research-Haus von Fraser Perring nimmt vor allem Wolfgang Grenke immer stärker ins Visier. Der Grenke-Gründer und Großaktionär saß bis vor kurzem noch im Aufsichtsrat des MDax-Konzerns. Schon im ersten kritischen Grenke-Bericht hatte Perring Wolfgang Grenkes Rolle bei den Beteiligungsgesellschaften CTP und Sacoma scharf kritisiert, über die das Unternehmen Grenke einen Großteil seiner Franchise-Zukäufe abwickelt.

Welche Beziehungen hat Grenke nach Dubai?

CTP agiert wie eine Art Anschubfinanzierer für Franchisenehmer, mit denen Grenke in unterschiedlichen Märkten kooperiert – vor allem in solchen, die neu erschlossen werden. Hinter diesen stehen in vielen Fällen Ex-Mitarbeiter von Grenke, die sich selbstständig gemacht haben. Mit CTP hat der Grenke-Konzern M&A-Deals im Volumen von rund 100 Millionen Euro abgewickelt.

Bislang hat Wolfgang Grenke klar von sich gewiesen, vor Beginn dieses Jahres bei CTP involviert gewesen zu sein. Viceroy zieht diese Aussagen jetzt in Zweifel: Schon seit Anfang der 2000er sei der Unternehmer mit CTP verbandelt, behauptet Perrings Research-Vehikel. Grenkes Beratungsfirma EEC Eastern European Consulting (heute EECA Consulting) beschäftige gleiche Mitarbeiter wie CTP und Sacoma, so Viceroy. Zudem hätten EECA und CTP lange die gleiche Anschrift gehabt.

Wolfgang Grenke hatte gegenüber dem „Handelsblatt“ gesagt, er könne aufgrund einer Verschwiegenheitsvereinbarung nicht sagen, wem er Sacoma abgekauft hat. Verkäufer war allem Anschein nach aber Jörg Erich Wilhelm, ein Anwalt aus der Schweiz, der zuletzt beim Fußballverein 1. FC Kaiserslautern durch ein dubioses Investorenangebot aus Dubai verbrannte Erde hinterlassen hat. Zuvor gehörten die Sacoma-Vorgänger und somit auch CTP offenbar einem Geschäftsmann namens Friedhelm Gruber, der Chef einer Beratungsfirma namens Senat ist, die sich auf den Standort Dubai spezialisiert hat. Gruber hat Grenke auch geholfen, das Franchise-System aufzubauen, wie der Unternehmer dem „Handelsblatt“ erklärt hat.

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Viceroy rückt nun vor allem Gruber in ein zweifelhaftes Licht: Dieser sei darauf spezialisiert, Steuerschlupflöcher zu finden und die wahren Identitäten hinter Firmennetzwerken zu verschleiern. Dabei nutze er schwer durchschaubare Strukturen, die Gruber über Dubai abwickle. Überdies bringt Viceroy den Berater auch noch mit einem angeblichen 450-Millionen-Euro-Betrug in Verbindung. Der Grenke-Konzern gibt auf FINANCE-Nachfrage an, man stehe „nach unserer Kenntnis in keiner Geschäftsbeziehung zu Herrn Gruber“.

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