Der Übernahmeversuch der Commerzbank für die Comdirect ist im ersten Anlauf gescheitert.

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11.12.19
Finanzierungen

Comdirect-Übernahme durch Commerzbank vorerst gescheitert

Der Übernahmeversuch von Comdirect durch die Commerzbank ist im ersten Anlauf gescheitert. Anstelle von Cash sollen die Comdirect-Aktionäre jetzt Commerzbank-Aktien erhalten. Wie reagiert der Aktivist Petrus Advisers?

Der Versuch der Commerzbank, die Comdirect-Aktionäre mit einer Barzahlung abzufinden, ist gescheitert. Wie die Bank am heutigen Mittwoch mitteilte, wurde bei dem Übernahmeangebot die dafür erforderliche Mindestannahmeschwelle von 90 Prozent nicht erreicht.

Die Commerzbank hatte den Comdirect-Aktionären pro Aktie 11,44 Euro geboten. Weil der Bank zufolge jedoch nur rund 457.000 Aktien angedient wurden, kontrolliere die Commerzbank nach Ablauf der Annahmefrist nur 82,63 Prozent der Comdirect-Aktien.

Wie verhält sich nun Aktivist Petrus Advisers?

In den vergangenen Wochen war immer wieder spekuliert worden, dass die Übernahme möglicherweise nicht gelingt. Auch, weil der aktivistische Investor Petrus Advisers seinen Anteil an der Comdirect immer wieder aufgestockt und offen einen höheren Kaufpreis von der Commerzbank gefordert hatte. CEO Martin Zielke hatte aber bereits bei der Strategieverkündung Ende September deutlich gemacht, dass er das Angebot an die Comdirect-Aktionäre nicht weiter erhöhen werde. Er verwies stattdessen auf einen Plan B, der umgesetzt werden soll, sofern die Annahmefrist nicht erreicht wird – dieser greift jetzt.

Die Commerzbank plant nun eine sogenannte Direktverschmelzung, bei der die Comdirect-Aktionäre für ihre Anteile Commerzbank-Aktien erhalten sollen. Das Umtauschverhältnis ist noch nicht bekannt. Für die Verschmelzung benötigt die Commerzbank bei den Aktionären der Commerzbank und Comdirect jeweils eine Dreiviertel-Mehrheit auf den ordentlichen Hauptversammlungen. Die Hauptversammlung der Commerzbank ist am 6. Mai 2020, die der Comdirect wenige Tage darauf am 15. Mai in Hamburg.

Offen bleibt derweil, wie sich der aktivistische Investor Petrus Advisers verhalten wird. Grundsätzlich unterstützt Petrus die gewählte Strategie der Commerzbank, wie der Investor betonte, auch wenn er mit der Höhe des Übernahmeangebots unzufrieden war. Petrus ist nach eigener Aussage auch Aktionär der Commerzbank, verrät bisher aber nicht, wie hoch seine Anteile sind.

Comdirect-Integration ist Teil der neuen Strategie

Die geplante Integration der Comdirect ist Teil der neuen Strategie 5.0 der Commerzbank von CEO Martin Zielke. In deren Rahmen will die Commerzbank 1,6 Milliarden Euro investieren, um digitaler und kosteneffizienter zu werden. Das neue Sparprogramm umfasst auch den Abbau von netto 2.300 Vollzeitstellen und die Schließung von 200 Filialen. Über vier Initiativen will die Bank außerdem dem Ertragsschwund im Firmenkundengeschäft entgegenwirken, wie Noch-Firmenkundenchef Michael Reuther Mitte November im FINANCE-Interview berichtete.

Um den erneuten Umbau der Bank zu finanzieren, will die Commerzbank zudem ihre polnische Direkt-Bank-Tochter M-Bank verkaufen. Der Verkauf soll bis Ende 2020 erfolgen, wie Martin Zielke Anfang Dezember gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ankündigte. Sowohl die Commerzbank- als auch die Comdirect-Aktie stieg im Verlauf des heutigen Vormittags um knapp 1 Prozent auf 5,20 beziehungsweise 12,40 Euro an.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de