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Compleo füllt M&A-Kasse auf

Compleo, ein Hersteller für E-Auto Ladesäulen, hat sich neues Geld geholt.
Compleo

Compleo hat sich an der Börse neues Geld geholt. Der Hersteller von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge platzierte rund 340.000 neue Aktien zum Preis von 82 Euro und nahm so 28 Millionen Euro ein. Das Unternehmen ist erst vergangenen Herbst erfolgeich an die Börse gegangen und hatte damals schon 44 Millionen Euro erhalten. Wie Compleo-CFO Georg Griesemann damals im FINANCE-Interview mitteilte, sollte das Geld aus dem Börsengang eigentlich zwei bis drei Jahre reichen. Doch im März 2021 steckte Compleo fast den kompletten IPO-Erlös in einen M&A-Deal.

Compleo kaufte Wallbe

Für 35 Millionen Euro übernahm Compleo seinen Konkurrenten Wallbe. Dieser Zukauf soll vor allen Dingen die Softwarekompetenz des Konzerns stärken und steht kurz vor dem Abschluss. Compleo bezahlte 23 Millionen Euro des Kaufpreises in Cash, die restlichen 12 Millionen Euro mit Aktien. Ein Blick in den Jahresabschluss zeigt, dass Compleo damit im März einen Großteil seines Kassenbestands eingesetzt hat: Dieser lag Ende 2020 bei 36 Millionen Euro, bei Finanzschulden von knapp 4 Millionen Euro. Die jetzt platzierte Kapitalerhöhung entspricht fast genau der Cash-Komponente des Wallbe-Deals und bringt die Kassenposition damit in etwa wieder dorthin, wo sie vor der Übernahme lag.

Compleo operiert mit stark negativem Cashflow

Unterdessen boomt das Geschäft von Compleo mit Ladensäulen. Das Dortmunder Unternehmen baut unterschiedliche Typen von Ladensäulen für Elektrofahrzeuge – für Wechsel (AC)- wie auch für Gleichstrom (DC). Compleo stellt auch die dazugehörige Software her und übernimmt außerdem den Aufbau der Ladesäulen an den jeweiligen Standorten. Es ist klar, dass sich überall in Europa die Anzahl der Ladesäulen in den kommenden Jahren vervielfachen wird. Andererseits ist der Wettbewerb aber auch hart, und der Mittelständler Compleo sieht sich deutlich größeren und kapitalstärkeren Konkurrenten gegenüber.

Das starke Marktwachstum kommt aber auch bei Compleo an: Im vergangenen Jahr konnte der Konzern seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr auf 33 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Rechnet man den Umsatz von Wallbe hinzu, wäre Compleo sogar auf einen Jahresumsatz von 44 Millionen Euro gekommen. In diesem Jahr sollen es 75 bis 90 Millionen Euro werden.

Allerdings steckt Compleo noch tief in den roten Zahlen. Selbst auf der Ebene des bereinigten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) hätten Compleo und Wallbe 2020 zusammen ein Minus von 4,5 Millionen Euro eingefahren. Hier peilt das Management für dieses Jahr den Breakeven an. Noch größere Minuszeichen gab es beim Cashflow, Compleo verbrennt viel Geld. Das Minus beim operativen Cashflow hat sich 2020 im Vorjahresvergleich von 2,2 Millionen auf 11,2 Millionen Euro vergrößert. Zusätzlich wurden 1 Millionen Euro für Investitionen ausgegeben. Die Cash-Burn-Rate lag damit 2020 bei über 12 Millionen Euro.

Benötigt Compleo weitere Kapitalerhöhungen?

Damit zeichnet sich ab, dass die aktuelle Kapitalerhöhung nicht die letzte gewesen sein dürfte. Selbst wenn sich der Cash-Burn deutlich reduzieren würde, käme Compleo mit der jetzt erreichten Kassenposition wohl nur wenige Jahre weit. Dabei zählen M&A-Deals zum Kern der Unternehmensstrategie, wie das Management nicht müde wird zu betonen. Weitere Zukäufe seien bereits in Planung. 

„Wir verstehen uns als Marktkonsolidierer“, verkündete Griesemann, der mit Peter Gabriel inzwischen einen eigenständigen CFO an seiner Seite hat und nur noch als CEO fungiert, heute anlässlich der Kapitalerhöhung. Mit Blick auf die Bilanzstruktur ist jedoch davon auszugehen, dass wohl auch die künftigen Akquisitionen wieder zu einem guten Teil mit Aktien bezahlt werden müssen – entweder direkt als Teil der Kaufpreiszahlung oder anschließend per Kapitalerhöhung zum Wiederauffüllen der Unternehmenskasse.

eva.brendel[at]finance-magazin.de

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