Deutz-Firmenzentrale in Köln: Der Motorenhersteller hat eine deftige Gewinnwarnung ausgegeben.

Deutz

16.09.15
Finanzierungen

Deutz unter Druck, Covenants in Gefahr

Deutz schockt seine Aktionäre mit einer deftigen Gewinnwarnung. Wie es ist, wenn die Finanzierung wackelt, weiß CFO Margarete Haase nur zu gut.

Der Motorenhersteller Deutz hat seine Aktionäre mit einer satten Umsatz- und Gewinnwarnung geschockt. Wie das Kölner Unternehmen mitteilte, leide Deutz unter einem schwachen Geschäft im laufenden Quartal.

Deutz erwarte demnach für das Geschäftsjahr 2015 einen Umsatzrückgang um rund ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr. Wenn diese Prognose einträfe, würde das Unternehmen 2015 auf einen Erlös in Höhe von knapp über 1,2 Milliarden Euro kommen, statt wie ursprünglich geplant 1,38 Milliarden Euro.

Die Krise sei durch die derzeitige Investitionszurückhaltung in den Endmärkten ausgelöst worden, schreibt Deutz. Dadurch hätten viele Kunden ihre Bestellungen im vergangenen Jahr vorgezogen und sitzen nun auf ihren Lagerbeständen, die langsamer als erwartet abgebaut werden.

Deutz-Ebit nur noch ausgeglichen

Diese Entwicklung setzt auch Deutz‘ Profitabilität unter Druck. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde nur noch ausgeglichen ausfallen. Daher werde Deutz unterm Strich voraussichtlich ein Minus verbuchen. Ursprünglich strebte CFO Margarete Haase eine Ebit-Marge von 3 Prozent an. Im Geschäftsjahr 2014 hatte Deutz noch ein Ebit von 12,8 Millionen Euro ausgewiesen.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hatte dieser Wert bereits bei 10 Millionen Euro gelegen. Dementsprechend dürfte in der zweiten Jahreshälfte ein saftiges Minus zu Buche stehen. Das Unternehmen prüfe daher „weitere Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung“. Wie diese konkret aussehen könnten, kommunizierte Deutz nicht. Für eine Stellungnahme gegenüber FINANCE war der Motorenhersteller zunächst nicht zu erreichen.

Die Deutz-Aktionäre schickten die Aktie auf Talfahrt. Bis zum Mittag verloren die Wertpapiere satte 28 Prozent und notieren bei 3,50 Euro.

CFO Margarete Haase muss abwarten

Jetzt muss Finanzchefin Haase abwarten, ob die Entwicklung eine kurze Wachstumsdelle ist oder ob es sich um eine langfristige Entwicklung handelt. Eine Prognose für das Jahr 2016 traut sich das Unternehmen nicht mehr zu, die Auswirkungen müssen erst weiter analysiert werden, heißt es seitens des Unternehmens. Ursprünglich war Deutz von einem sich erholenden Geschäft für das kommende Jahr ausgegangen.

Die Bilanz des Kölner Unternehmens könnte eine kurze Durststrecke durchaus verkraften. Die Eigenkapitalquote lag zuletzt bei soliden 45 Prozent. Auch die Nettofinanzposition war mit 33 Millionen Euro positiv. Freilich würde eine längere Krise in der Branche auch diese Kennzahlen massiv negativ beeinflussen.

Finanzierungsseitig könnte die Misere zu Problemen führen. Deutz verfügt über eine Betriebsmittellinie über 160 Millionen Euro, die im Mai 2020 zurückgezahlt werden muss, und ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Höhe von 75 Millionen Euro, das im Juli 2020 anfällt. Deutz muss für die Kredite bestimmte Finanzkennzahlen einhalten, die durch die Entwicklung in Gefahr sein könnten.

Deutz hat schon einmal Covenants gerissen

Deutz-CFO Margarete Haase muss also auf der Hut sein. Die Managerin hatte die Finanzen des Unternehmens 2009 kurz nach der Finanzkrise übernommen. Seinerzeit war Deutz ins Wanken geraten und hatte Covenants gerissen. Die Managerin hatte dem Unternehmen 2011 jedoch die Finanzierung durch einen Konsortialkredit langfristig gesichert.

jakob.eich[at]finance-magazin.de