Der Düsseldorfer Energieversorger E.on treibt die Entschuldung voran.

E.on

17.03.17
Finanzierungen

E.on holt sich 1,35 Milliarden mit Kapitalerhöhung

Der Energieversorger E.on hat 200 Millionen neue Aktien begeben. Der zukünftige CFO Marc Spieker zeigt sich zufrieden – und kündigt weitere Maßnahmen an.

E.on hat sich am Kapitalmarkt 1,35 Milliarden Euro beschafft. 200 Millionen neue Aktien hat Deutschlands größter Stromkonzern für platziert. Das gab E.on am gestrigen Donnerstag kurz vor Mitternacht bekannt und schaffte damit Klarheit bei rätselnden Investoren.

Schon vorher stand fest, dass E.on sich Geld beschaffen muss, um angesichts der Zahlungen an den Atomfonds von insgesamt 10 Milliarden Euro das Eigenkapital nicht noch weiter absacken zu lassen. CEO Johannes Teyssen hatte aber nie genau gesagt, wie er an das Kapital kommen will. Neben einer Kapitalerhöhung stand sowohl die Begabe von Hybridanleihen im Raum, als auch die Emission von  Wandelanleihen auf Uniper-Aktien.

E.on hat sich nun für den direkten Weg entschieden und mit der Kapitalerhöhung die frischen Mittel ohne Verzögerung ins Unternehmen geholt. Die neuen Aktien wurden in einem beschleunigten Platzierungsverfahren ausschließlich institutionellen Investoren angeboten. Konsortialführer bei der Kapitalmaßnahme waren die US-Banken Bank of America Merrill Lynch und Citigroup. Das E.on-Kapital erhöht sich dadurch um 10 Prozent.

Zukünftiger E.on-CFO Spieker will Verschuldung weiter senken

Der künftige E.on-CFO Marc Spieker kündigte an, dass weitere Maßnahmen zur Entschuldung folgen werden: „Die Kapitalerhöhung bildet den ersten Schritt zur Umsetzung unseres 7-Milliarden-Euro-Pakets, mit dem wir unsere Verschuldung zügig und konsequent auf rund 20 Milliarden Euro reduzieren werden“, sagte Spieker, der am 1. April Michael Sen als Finanzchef ersetzen wird.

Um die Schuldenlast um 7 Milliarden Euro zu drücken, plant E.on ein Bündel von Maßnahmen: Da der Konzern 2 Milliarden Euro durch Kapitalmaßnahmen einspielen will, muss Spieker noch für gut 600 Millionen Euro Hybrid-Bonds platzieren oder kleinere Beteiligungen verkaufen. Den verbliebenen Uniper-Anteil kann E.on aus steuerlichen Gründen frühestens Anfang 2018 abstoßen.  Nach dem jetzigen Aktienkurs würde dies weitere 2,4 Milliarden Euro bringen.

1 Milliarde will E.on durch einen Bilanztrick freisetzen, und zwar durch die Übertragung des Anteils an der Gas-Pipeline Nordstream 1 in den eigenen Pensionsfonds. Außerdem will E.on in seiner Sparte für Kernkraftwerks-Rückbau die Kosten senken und die Minderheitsbeteiligung an dem Uranaufbereiter Urenco verkaufen. Urenco ist hoch profitabel und für E.on nicht mehr strategisch wichtig. Das Unternehmen ist aber in einem sicherheitspolitisch hoch sensiblen Geschäftsfeld unterwegs, und die niederländische Regierung, die ebenfalls an Urenco beteiligt ist, steht einem Verkauf sehr zurückhaltend gegenüber.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de 

Das konventionelle Energiegeschäft hat E.on an Uniper ausgelagert, doch das Leiden ist damit noch längst nicht vorbei. Die Hintergründe erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zu E.on.