Das Biotech Evotec bekommt einen neuen Großaktionär: Der Staatsfonds von Abu Dhabi hält künftig 5,6 Prozent der Aktien.

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13.10.20
Finanzierungen

Abu Dhabi steigt bei Evotec ein

Das Biotech Evotec bekommt durch eine Kapitalerhöhung einen neuen Großaktionär aus Abu Dhabi. Die Kassen von CFO Enno Spillner sind durch die Transaktion nun prall gefüllt.

Das Biotech- und Forschungsunternehmen Evotec hat einen neuen Großaktionär: Wie die Hamburger mitteilen, beteiligt sich die Mubadala Investment Company im Rahmen einer Kapitalerhöhung an dem MDax-Konzern. Bei der Firma handelt es sich um den Staatsfonds von Abu Dhabi.

Via Privatplatzierung sichert sich Mubadala rund 9,2 Millionen Evotec-Aktien für 200 Millionen Euro. Das Interesse der Araber an einem Investment war offenbar so groß, dass Evotec die neuen Aktien nur minimal unter dem aktuellen Aktienkurs platzieren konnte, was viele Analysten heute loben. Platziert wurde zu einem 2,5-prozentigen Abschlag auf den volumengewichteten Xetra-Durchschnittskurs der zurückliegenden fünf Börsentage. 

Abu Dhabi hält jetzt 5,6 Prozent an Evotec

Mit einem Anteil von 5,6 Prozent steigt Abu Dhabi mit einem Schlag zu einem der größten Aktionäre des Medikamentenentwicklers auf. Ebenfalls mit rund 5 Prozent beteiligt sind die Fonds der DWS sowie der Allianz. Die T. Rowe Price Group hält 7 Prozent der Evotec-Aktien, Roland Oetker gut 9 Prozent.

Größter Aktionär von Evotec, das auf einen Börsenwert von 3,5 Milliarden Euro kommt, ist Novo Holdings, eine riesige Investment-Firma aus Skandinavien, die auch große Anteile an dem Insulinhersteller Novo Nordisk und dem Enzymspezialisten Novozymes hält. Novo beteiligt sich ebenfalls an der Kapitalerhöhung, um eine Verwässerung ihrer Anteile zu verhindern. Um ihren Anteil bei 11 Prozent zu halten, investieren die Skandinavier weitere 50 Millionen Euro, so dass Evotec alles in allem rund 250 Millionen Euro zufließen.

Stabil trotz Corona: Die Evotec-Aktie seit Jahresbeginn

Mit den Erlösen aus der Kapitalerhöhung will Evotec laut eigenen Angaben seine Präsenz in den Vereinigten Staaten und Europa stärken und die Forschung an neuartigen Gentherapien beschleunigen. Evotec bezeichnet sich als Plattformunternehmen für die multimodale Entwicklung innovativer Therapieansätze. Die Hamburger sind zahlreiche Forschungsallianzen mit großen Pharmakonzernen eingegangen. Evotec-CFO Enno Spillner  und seine Vorstandskollegen setzen auch immer wieder auf Übernahmen, wie etwa der Zukauf des Hightech-Unternehmens Just Bio zeigte.

Das Biotech kommt vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Pandemie: Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf 231 Millionen Euro. Lediglich der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sackte um 19 Prozent auf 47 Millionen Euro ab, da sich einige Kundenzahlungen aufgrund der Pandemie verzögerten.

Kapitalerhöhung: Evotec ist schuldenfrei

Die nun erfolgte Kapitalerhöhung spült noch einmal kräftig Geld in die Kassen. Im Halbjahresbericht wies Evotec eine Liquidität von 275 Millionen Euro aus. „Mit diesem Engagement bestehender und neuer Investoren wachsen unsere Liquiditätsreserven auf über 500 Millionen Euro“, kommentierte CFO Spillner die Kapitalerhöhung.

Die Platzierung werde eine Netto-Cash-Position von über 150 Millionen Euro generieren und damit zu einem negativen Nettoverschuldungsgrad (jeweils ohne IFRS 16) führen. Evotecs Eigenkapitalquote steigt auf über 50 Prozent. „Durch den deutlich positiven Effekt haben wir zusätzliche Flexibilität und sind für weitere globale Expansionsschritte noch besser vorbereitet”, so Spillner. „Wir können und werden noch schneller wachsen“, kündigte Unternehmenschef Werner Lanthaler an.

FINANCE-Köpfe

Enno Spillner, Evotec AG

Enno Spillner beginnt seine berufliche Laufbahn als Assistent der Geschäftsführung bei der Mediaagentur Media Plus. 1999 geht er zu BioM, einer Netzwerkagentur für Biotechnologie in München und Bayern. Dort ist er zunächst Leiter Finanzen & Controlling und übernimmt später auch wesentliche Teile des Portfoliomanagements. Zwischenzeitlich übernimmt er auch die Interimsgeschäftsführung der Biotechnologiefirmen Actipac Biosystems und Munich Innovative Biomaterials. 2001 wird Spillner Partner und Geschäftsführer des BioM VC-Fonds.

Vier Jahre später wechselt er als CFO zu dem Biotechnologieunternehmen 4SC. Von 2013 bis 2016 ist er zusätzlich Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Im Juli 2016 geht er zu dem Biotech-Unternehmen Evotec und übernimmt dort den Posten des Finanzvorstands. 

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Am Kapitalmarkt kam die Nachricht zum Einstieg von Abu Dhabi gut an. Die Evotec-Aktie legte am Dienstag kurz nach Handelsstart um rund 1 Prozent auf 22,77 Euro zu. Die Kapitalerhöhung dürfte auch die Schuldscheingläubiger des Unternehmens freuen, die Evotec im vergangenen Jahr 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hatten. Dieser Deal hatte viel Aufmerksamkeit erregt, sind Biotech-Unternehmen aufgrund ihrer riskanten Geschäftsmodelle doch Exoten am Schuldscheinmarkt, der derzeit massiv unter der Schwäche klassischer Emittenten leidet.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Über eine halbe Milliarde in der Kasse: Mehr über Karriere-Highlights und Werdegang des Evotec-CFOs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Enno Spillner.