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08.10.18
Finanzierungen

Exyte bläst Milliarden-IPO vorerst ab

Der Anlagenbauer Exyte legt seine Börsenpläne nur zwei Wochen nach der IPO-Ankündigung auf Eis. Der österreichische Eigentümer und Selfmade-Milliardär Georg Stumpf hat sich offenbar verspekuliert.

Während Knorr-Bremse seinen IPO schneller vorantreibt als geplant, verschiebt der Stuttgarter Anlagenbauer Exyte seinen Börsengang. Die aktuelle Stimmungslage an den Aktienmärkten sei nicht ideal für eine Emission, hieß es aus dem Unternehmen. Man werde sich deshalb mehr Zeit für den Börsengang nehmen. „Wir halten an unseren Plänen fest, aber wir haben keinen Zeitdruck und werden auf die richtigen Marktbedingungen warten“, sagt Exyte-Chef Wolfgang Büchele.

Das plötzliche Zurückrudern erstaunt. Schließlich hatten die Stuttgarter erst vor zwei Wochen erste Details zum geplanten IPO genannt. Demnach wollte der österreichische Eigentümer Georg Stumpf noch im vierten Quartal dieses Jahres einen „bedeutenden Minderheitsanteil“ an die Börse bringen. Medienberichten zufolge ging es um ein Paket von 25 bis 30 Prozent der Exyte-Aktien.

Georg Stumpf wollte bei Exyte-IPO zu viel

Doch Selfmade-Milliardär Stumpf, der 2009 bei dem damals noch unter M+W Gruppe firmierenden Unternehmen eingestiegen war, hat sich offenbar verkalkuliert: Finanzkreisen zufolge strebte der inzwischen in Exyte umbenannte Anlagenbauer beim Gang an die Frankfurter Börse einen Börsenwert von 2,5 bis 3 Milliarden Euro an. Exyte selbst hätte im Zuge des IPO kein frisches Geld erhalten. Offenbar konnte sich Stumpf mit diesen Preisvorstellungen aber nicht durchsetzen.

Dabei hatte Exyte zuletzt mit Rekordzahlen um die Gunst potentieller Investoren gebuhlt: Für das laufende Geschäftsjahr stellt CFO Wolfgang Homey dem Kapitalmarkt einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro bei einem bereinigten Ebit von über 160 Millionen Euro in Aussicht. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte die frühere Jenoptik-Tochter 2,4 Milliarden Euro um. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 108 Millionen Euro.

Investoren trotz guter Zahlen zurückhaltend

Durch organisches Wachstum und Zukäufe sollen diese Zahlen in den kommenden Jahren weiter steigen. Denn die Stuttgarter, die vor allem staub- und partikelfreie Reinräume für die Chip-Produktion herstellen, profitiert nach eigener Aussage vom wachsenden Bedarf an Halbleitern etwa für Datencenter, Internet-Medien und das autonome Fahren. Dennoch war das Investoreninteresse offenbar geringer als erwartet.

Auch für die mit dem Börsengang mandatierten Banken ist die Ankündigung eine vorläufige Niederlage: Exyte hatte sich von der Bank of America Merrill Lynch und der Schweizer UBS als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners unterstützen lassen. Die Commerzbank und die französische Crédit Agricole sollten als weitere Joint Bookrunner fungieren.

Knorr-Bremse und Westwing beschleunigen IPOs

Die Begründung des Unternehmens, wonach das Marktumfeld nicht ideal für einen IPO sei, klingt wenig überzeugend. Denn während Exyte seinen Börsengang auf Eis legt, treiben zahlreiche andere Firmen ihre Pläne voran. Der Bremsenhersteller Knorr-Bremse beschleunigte wegen der hohen Investorennachfrage sogar den Zeitplan. Die Angebotsfrist für die Aktien der Münchener wird nun bereits am Mittwoch dieser Woche und nicht wie ursprünglich geplant am Donnerstag enden. Mit einem Erlös von bis 4,2 Milliarden Euro könnte dies der größte Börsengang dieses Jahres in Deutschland werden, noch vor dem IPO der Siemens-Medizintechnik-Tochter Healthineers im Frühjahr.

Auch der Online-Möbelhändler Westwing will nun schon am morgigen Dienstag sein Debüt an der Frankfurter Börse feiern, wenn auch mit einem deutlich kleineren IPO. Die Westwing-Aktien dürften in der oberen Hälfte der Preisspanne zugeteilt werden, hieß es in Medienberichten. Damit winkt dem Online-Möbelhändler ein Erlös von bis zu 147 Millionen Euro.

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