Der US-amerikanische Shortseller Gotham City prognostiziert den Aurelius-Aktionären eine düstere Zukunft. Im Bild: Eine Brücke in New York.

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05.04.17
Finanzierungen

Gotham City greift Aurelius erneut an

Der Shortseller Gotham City ist zurück und erhebt neue Vorwürfe gegen Aurelius. Diese haben es in sich: Ist das Aurelius-Kronjuwel Secop in Wahrheit wertlos? Und existiert CFO Steffen Schiefer überhaupt?

Neue Runde im Schlagabtausch zwischen Aurelius und dem Shortseller Gotham City: Nachdem Aurelius am Sonntagabend die Vorwürfe des Investors ausführlich beantwortet hat und der Aktienkurs seitdem auf Erholungskurs einschwenkte, schlägt Gotham nun in einem 54-seitigen neuen Pamphlet erneut zu. Der Investor zweifelt die Aussagen von Aurelius-Chef Dirk Markus massiv an – und erhebt sogar neue Vorwürfe.

Gotham City kann Aurelius-CFO Steffen Schieffer nicht finden

Dabei zielt Gotham auch auf den Schwachpunkt, den viele Beobachter in Markus‘ Ausführungen ausgemacht haben: Der CEO erklärte weder in einer Telefonkonferenz in der vorigen Woche noch in seinen schriftlichen Ausführungen vom Sonntag, wie viele Aktien er aktuell überhaupt noch an Aurelius hält. Markus begründete dies mit steuerlichen Gründen und der so genannten Quiet Period, während der er keine derartigen Aussagen treffen dürfe. Gotham zitiert einen Anwalt, der behauptet haben soll, dass eine diesbezügliche Vorschrift im deutschen Recht nicht existiere. Namentlich aufgeführt wird dieser Anwalt in dem neuen Gotham-Papier aber nicht.

Der Shortseller zweifelt außerdem an, dass der von Markus als CFO bezeichnete Steffen Schiefer tatsächlich Finanzchef von Aurelius ist. Gotham behauptet, dass Schiefer bislang noch nie im Geschäftsbericht erwähnt worden sei. Sein Vorgänger Ulrich Radlmayr sei dagegen durchaus erwähnt worden.

Gotham formuliert erneut Zweifel am inneren Wert von Aurelius

Auch das neue Gotham-Papier enthält wie schon das Vorgängerexemplar schwerwiegende Behauptungen, wonach Aurelius nur ein Bruchteil dessen wert sei, was der Turnaround-Investor angibt. So zweifelt Gotham nun an, dass drei schwedische Tochtergesellschaften von Aurelius überhaupt existieren. In den einschlägigen Unternehmensregistern habe man diese Unternehmen nicht finden können, so der Investor.

Gravierender aber wiegt Gothams Angriff auf Aurelius‘ Kronjuwel, den Flensburger Elektronik-Zulieferer Secop, bei dem Aurelius einen Exit anstrebt. Während Aurelius den aktuellen Wert Secops im vergangenen Jahr auf über 250 Millionen Euro bezifferte, rechnet Gotham vor, dass Secop unter Berücksichtigung der dort bilanzierten Nettoverschuldung möglicherweise sogar wertlos sei.

Die Aurelius-Aktionäre reagieren auf die neue Attacke wesentlich entspannter als auf die erste, die in der vergangenen Woche einen Kursrutsch von rund 40 Prozent ausgelöst hatte. Heute brach die Aurelius-Aktie nur für wenige Minuten in stärkerem Ausmaß ein, arbeitete sich bis zum späten Nachmittag aber wieder bis fast an den vorherig verzeichneten Kurs heran.

Aurelius kündigte auf FINANCE-Anfrage für den späteren Tagesverlauf eine Stellungnahme zu den neuen Vorwürfen an. Unklar ist, ob Gotham wieder eine neue Short-Position auf Aurelius aufgebaut hat. Nach der erfolgreichen Attacke hatte Gotham seine erste Short-Position vor wenigen Tagen geschlossen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Hintergründe zu der Attacke auf Aurelius und zu anderen Kampagnen der Leerverkäufer in Deutschland gibt es auf unserer FINANCE-Themenseite zu Shortseller-Attacken.