Bayer steht unter Druck: Der Hedgefonds Elliott bestätigt, dass er 2 Prozent der Anteile hält. Könnte eine Aufspaltung drohen?

Bayer

27.06.19
Finanzierungen

Hedgefonds Elliott erhöht Druck auf Bayer

Der aktivistische Hedgefonds Elliott hat seine Beteiligung an Bayer offengelegt – und gleichzeitig zu verstehen gegeben, dass er mit dem Börsenwert sehr unzufrieden ist. Die gebeutelte Aktie schießt nach oben.

Dem Bayer-Management dürften ungemütliche Zeiten bevorstehen: Der aktivistische Investor Elliott bestätigte am Mittwochabend, dass er sich mit 1,1 Milliarden Euro, also rund 2 Prozent, bei dem Dax-Konzern eingekauft hat – und sendete im gleichen Atemzug brisante Botschaften an das Management.

Dass der Hedgefonds von Paul Singer, der dafür bekannt ist, mit aggressiven Methoden seinen Willen durchzusetzen, bei Bayer eingestiegen ist, hatten Insider bereits Ende 2018 berichtet. Die Höhe war unklar, erst ab 3 Prozent sind Beteiligungen meldepflichtig.

Öffentlich gemacht hat Elliott seine Beteiligung nun, nachdem Bayer gestern Abend über Maßnahmen im Umgang mit den Glyphosat-Klagen informierte. Bayer hat schon drei Prozesse verloren, weil das Unkrautvernichtungsmittel der Bayer-Tochter Monsanto krebserregend sein soll. In den USA ist Bayer noch mit 13.400 Klägern konfrontiert.

„Der Aufsichtsrat sieht die negativen Auswirkungen, die von der Unsicherheit in Zusammenhang mit den Gerichtsverfahren auf den Aktienkurs und die Wahrnehmung der Stakeholder ausgehen, und wird das Unternehmen dabei unterstützen, den Themenkomplex entschlossen und mit Umsicht voranzubringen“, so die Erklärung von Bayer. Geplant ist ein neuer achtköpfiger Aufsichtsratsausschuss, der sich des Themas annimmt. Zudem wird der US-Anwalt John. H. Beisner den Aufsichtsrat beraten, außerdem wurde Ken Feinberg als Mediator benannt. Beide sind bekannte Köpfe in der US-Litigation-Szene.

Fordert Elliott eine Aufspaltung von Bayer?

Elliott begrüßt diese Maßnahmen und zeigt sich zuversichtlich, dass sie ein „grundlegender Wechsel in Bayers bisherigem Ansatz zur Bewältigung der rechtlichen Herausforderungen“ seien. Auch die Berufung von Beisner und Feinberg sieht Elliott positiv. All dies biete Bayer „eine Plattform, um die mit dem Glyphosat-Rechtsstreit verbundenen Unsicherheiten zu lösen und einen zeitnahen Vergleich mit begrenztem finanziellen Aufwand herbeizuführen“.

Damit hören die positiven Botschaften aber auch schon auf. Im letzten Absatz der Mitteilung steckt eine Formulierung, die Dynamit enthalten könnte: „Bayer könnte mehr für die langfristige Wertschöpfung zum Vorteil aller Stakeholder machen. Elliott ist der Ansicht, dass der aktuell niedrige Aktienkurs von Bayer den signifikanten Wert der einzelnen Geschäftseinheiten beziehungsweise die bestehende Wertschaffungsmöglichkeit von mehr als 30 Milliarden Euro nicht widerspiegelt.“

Diese Formulierung deutet darauf hin, dass Elliott eine Aufspaltung des Leverkusener Konzerns fordern könnte. „Aufbauend auf der heutigen Erklärung sieht Elliott einem glaubwürdigen Bekenntnis der Gesellschaft entgegen, über unmittelbare Verbesserungen bei Prozessführung und Governance hinaus auch langfristige Wertschöpfungsmaßnahmen im Sinne aller Stakeholder zu prüfen“, heißt es weiter.

Bayer lehnte eine mögliche Aufspaltung bisher ab

Eine solche Forderung käme nicht überraschend: Schon als Bayer einen weiteren Glyphosat-Prozess im März verlor und der Aktienkurs weiter abstürzte, kamen erste Vermutungen auf, dass ein aktivistischer Investor sich die Misslage zunutze machen könnte, um einzusteigen – und in Konsequenz eine Aufspaltung zu fordern. Es kursierten Szenarien, wonach die Pharmasparte in zwei Bereiche aufgeteilt werden könnte: einen forschenden und einen für rezeptfreie Medikamente.

Das Thema Aufspaltung steht bei Bayer schon seit 20 Jahren immer wieder mal zur Diskussion – bisher konnte sich der Konzern dazu aber nicht durchringen. Im Dezember erst erteilte Bayer-Chef Werner Baumann möglichen Aufspaltungsplänen eine Absage: „An diesen Einwürfen beteiligen wir uns nicht.“ Mit dem Einstieg von Elliott könnte der Druck auf Baumann steigen, sein harte Haltung zu revidieren.

Bayer-Aktionäre freuen sich

Paul Singer gehört zu den gefürchteststen Aktivsten und setzte in der Vergangenheit beispielsweise auch schon das Management von Uniper, Thyssenkrupp oder Gea schwer unter Druck. Die Aktionäre jedenfalls nehmen Elliotts Einstieg und Bayers neue Initiative im Glyphosat-Kontext deutlich positiv auf: Der gebeutelte Aktienkurs stieg im Laufe des heutigen Vormittags um über 6 Prozent auf 60 Euro an und ließ damit den zu Anfang Juni verzeichneten niedrigsten Wert seit 2012 von 52 Euro etwas hinter sich. Im März 2015 hatte die Aktie ihren Höhepunkt bei über 140 Euro erreicht.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Aktivisten wie Cevian oder Elliott werden auch in Deutschland immer stärker. Wen sie im Visier haben, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite aktivistische Investoren.