Uniper

22.05.19
CFO

Fortum und Uniper weiter auf Konfrontationskurs

Schon wieder fliegen die Fetzen: Die Hauptversammlung von Uniper steht ganz im Zeichen des Konflikts mit dem Großaktionär Fortum. Der scheidende CFO Christopher Delbrück findet klare Worte.

Einen noch dramatischeren Vorspann einer Hauptversammlung gab es wohl nur selten. Der Energiekonzern Uniper und sein Großaktionär Fortum sind weiter auf Konfrontationskurs, dabei hatte es kurzzeitig nach einer Entspannung ausgesehen: Die aktivistischen Investoren Elliott und Knight Vinke hatten am gestrigen Dienstag ihre Anträge für die Hauptversammlung zurückgezogen, die in den vergangenen Tagen und Wochen für so viel Unruhe sorgten.

So hatte der Hedgefonds Elliott gefordert, dass Uniper einen Beherrschungsvertrag mit dem Großaktionär Fortum schließt, der bereits knapp 50 Prozent der Anteile an dem deutschen Konzern hält. Der Investor Knight Vinke wollte außerdem über eine Zerschlagung des Konzerns abstimmen lassen – durch Abspaltung entweder des russischen oder des schwedischen Geschäfts. Ziel der Anträge war es, Fortum nach einem monatelangen Streit mit dem Uniper-Management den Weg freizuräumen. Ein Veto der russischen Kartellbehörden verhindert derzeit eine Mehrheitsübernahme durch die Finnen.

Wie der Großaktionär Fortum selbst zu diesen Anträgen voller Sprengkraft steht, war lange nicht klar. In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ stellte Fortum-Chef Pekka Lundmark erst gestern, also einen Tag vor der Hauptversammlung, klar: Fortum wolle keine Zerschlagung des Uniper-Konzerns. Auch den Antrag auf einen Beherrschungsvertrag hätte der Großaktionär abgelehnt.

Fortum will Entlastung des Vorstands verschieben

Da die Zerschlagung vom Tisch ist, hätte man erwarten können, dass der große Showdown auf der Hauptversammlung ausbleibt. Doch weit gefehlt – Fortum-Chef Lundmark sorgte selbst für den Paukenschlag: Er kündigte an, die Entlastung des Uniper-Managements vertagen zu wollen. „Dazu sind wir noch nicht bereit. Dazu fehlt es noch an Transparenz“, erklärt er im Handelsblatt-Interview (ein Update von 17:00 Uhr hierzu finden Sie am Ende des Artikels).

FINANCE-Köpfe

Christopher Delbrück, Uniper SE

Christopher Delbrück beginnt seine Karriere 1995 als Berater und Projektleiter bei der Boston Consulting Group in Hamburg. Nach einer Zeit als Managing Director bei Decision Warehouse Softwareunternehmen wechselt er 2002 zu E.on nach Düsseldorf. Dort ist er zunächst als Vice President Corporate Development für Zentraleuropa und European Gas tätig.

Von 2005 bis 2010 ist Delbrück als Managing Director, CFO und stellvertretender CEO bei E.on Sverige in Malmö tätig. 2010 kommt er als CFO von E.on Energy Trading zurück nach Deutschland. 2011 wird er in Personalunion auch CFO von E.on Ruhrgas und begleitet die Fusion der E.on Energy Trading mit E.on Ruhrgas zur E.on Global Commodities, wo er bis Oktober 2013 als CFO fungiert und 2013 zum CEO befördert wird.

Seit Anfang  2016 ist Delbrück CFO von Uniper. In dieser von E.on abgespaltenen Gesellschaft hat E.on die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel gebündelt. Uniper ist seit September 2016 als unabhängiges Energie-Unternehmen an der Börse gelistet. Im Sommer 2018 übernimmt Delbrück wegen einer Krebserkrankung von Uniper-CEO Klaus Schäfer übergangsweise auch die Ressorts Kommunikation und Politik. Im Februar 2019 wird bekannt, dass er das Unternehmen zum August verlässt. Im September 2019 heuert er als Finanzchef bei dem Start-up Lilium an, das Flugtaxis entwickelt.

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Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass Fortum noch mehr darüber erfahren will, wie es dazu kam, dass die russischen Kartellbehörden zwar den Einstieg des Aktionärs bei Uniper genehmigt haben, aber nur bis zu einer Schwelle von 50 Prozent. Dieser Vorgang sei nicht transparent, sagt Lundmark. Eine Sonderprüfung wolle man Uniper deshalb aber nicht aufbürden, stelle er klar. Über einen entsprechenden Antrag wird heute abgestimmt.

Aufsichtsratsvorsitzender weist Vorwürfe zurück

Bernhard Reutersberg, Aufsichtsratsvorsitzender von Uniper, reagierte prompt mit harten Worten auf die Vorwürfe gegen den Uniper-Vorstand. „Ich weise die erneut erhobenen Vorwürfe gegen das Uniper-Management in Bezug auf die regulatorischen Beschränkungen in Russland entschieden zurück“, teilt er mit. „Abgesehen davon, dass Fortum diese Vorwürfe niemals begründet oder konkretisiert hat, haben wir seit über einem Jahr alles unternommen, um jeglichen Zweifel an einem möglichen Fehlverhalten des Uniper-Vorstands auszuräumen.“ Aufsichtsrat und externe Gutachter hätten das Vorgehen geprüft.

Reutersberg fordert von Fortum auf der heutigen HV, „ein klares Zeichen für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit zu setzen“. Uniper selbst hatte ein Zeichen für den Neuanfang schon vor einiger Zeit gesetzt: CEO Klaus Schäfer und CFO Christopher Delbrück, die beide gegen die Übernahme durch Fortum sind, werden ihre Posten bei Uniper räumen.

CFO Christopher Delbrück zieht rote Linie

Der scheidende CFO Christopher Delbrück nutzt denn seine in Vertretung für Klaus Schäfer gehaltene Rede zum Beginn der Hauptversammlung, um noch einmal seine Sicht der Dinge darzulegen. Die Sicherstellung eines stabilen Investmentgrades sei die „rote Linie“ für jegliche Form der Kooperation, erklärt er. Das Uniper-Rating könne herabgesetzt werden, wenn Fortum eine Mehrheitsbeteiligung an Uniper erwirbt und die Unabhängigkeit von Uniper verringert würde, so der Finanzchef.

Ob auch der neue Vorstand die Lage so einschätzt oder in der Zusammenarbeit mit Fortum einen anderen Weg sucht, ist noch völlig offen. Klar ist, dass die heutige Hauptversammlung das Verhältnis der beiden Parteien nicht verbessern wird.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Update 22.05., 17:00 Uhr: Fortum hat sich mit seinem Antrag durchgesetzt, die Entscheidung über eine Entlastung des Vorstands für die Jahre 2017 und 2018 zu vertagen. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Alles rund um den Streit zwischen Fortum und dem Unternehmen finden Sie auf unserer Themenseite zu Uniper.