Abacus Medicine hat seinen Börsengang an der Deutschen Börse in Frankfurt erneut verschoben. Das ist auch für die begleitende Berenberg Bank ein Rückschlag.

Deutsche Börse

31.05.19
Finanzierungen

IPO-Rückschlag für Abacus und Berenberg

Auch beim zweiten Anlauf an die Börse macht der Medikamentenhändler Abacus kurz vor dem Ziel einen Rückzieher. Das dürfte auch bei der Berenberg Bank für lange Gesichter sorgen, die beide Fehlversuche begleitete.

Der dänische Medikamentenhändler Abacus Medicine hat seinen für den heutigen Freitag geplanten Börsengang abgesagt. Man wolle den IPO „trotz des großen Interesses von Ankerinvestoren“ verschieben, teilte das Unternehmen mit. Als Grund nannte das Unternehmen, das mehrheitlich im Besitz einer Holding der Gründerfamilie Wagner unter Leitung von Abacus-CEO Flemming Wagner ist, ein aktuell ungünstiges Marktumfeld. Mit ähnlicher Begründung hatte das Unternehmen bereits im vergangenen Herbst einen IPO-Versuch abgeblasen.

Berenberg begleitete beide Fehlstarts

Der erneute Börsenfehlstart des Kunden Abacus ist auch ein Rückschlag für die Berenberg Bank. Berenberg war bei dem jüngsten Börsenanlauf als Sole Global Coordinator und Sole Bookrunner mandatiert. Auch bei dem fehlgeschlagenen IPO-Versuch im vergangenen Herbst war Berenberg beteiligt. Gemeinsam mit der Commerzbank war die Bank damals Joint Global Coordinator und Joint Bookrunner. Neben diesen beiden war auch die skandinavische Nordea mit im Boot gewesen. Als Grund für den Abbruch nannte Abacus damals ebenfalls die „Unsicherheiten an den Finanzmärkten“.


Ob es nach der erneuten Verschiebung des Börsengangs in näherer Zukunft noch zu einem dritten Anlauf kommen wird, lässt der Medikamentenhändler offen. Man wolle das Marktumfeld „weiterhin intensiv beobachten“, teilte das Unternehmen lediglich mit.

Berenberg verliert am IPO-Markt an Zugkraft

Für Berenberg setzt sich damit ein negativer Lauf der jüngeren Vergangenheit fort. Die Hamburger Privatbank hatte sich unter der Leitung des damaligen ECM-Chefs Oliver Diehl zwischenzeitlich zu einer der stärksten IPO-Banken in Deutschland gemausert – es gab kaum einen großen Deal, bei dem Berenberg nicht mit im Konsortium war. Die Platzierungskraft der Hamburger galt als legendär.

Doch im vergangenen Jahr häuften sich die Flops. Die von Berenberg begleiteten IPOs der Rocket-Internet-Beteiligungen Westwing und Home24 entwickelten sich mit Kursverlusten von weit über 50 Prozent seit dem Börsengang extrem schlecht. ECM-Banker Diehl ist inzwischen zu Jefferies gewechselt und soll dem Vernehmen nach einige wichtige Mitarbeiter mit zu der US-Investmentbank genommen haben.

IPO-Markt hängt in den Seilen

Allerdings ist Berenberg nicht die einzige Bank, die im IPO-Geschäft mit Schwierigkeiten kämpft – der ganze Markt leidet bereits seit dem vergangenen Herbst unter einem starken Einbruch der Transaktionstätigkeit. Der Abacus-Börsengang wäre der erste klassische IPO im streng regulierten Frankfurter Prime Standard in diesem Jahr gewesen. Zwar gelang im April der Immobilienfirma Gateway Real Estate mit einer Kapitalerhöhung und Umplatzierung der Wechsel in den Prime Standard, die Aktie war aber zuvor bereits an der Börse Stuttgart notiert. Die dänische Abacus, für die Deutschland der größte Markt ist, wollte mit ihrem IPO einen Streubesitz von bis zu 45 Prozent erreichen. Die Marktkapitalisierung hätte bis zu 176 Millionen Euro betragen können.

Die positiven Erwartungen der IPO-Experten für eine Erholung des Marktes haben nun einen weiteren Dämpfer erlitten. Nun ruhen die Hoffnungen auf den wiederaufgenommenen Börsenplanen der VW-Lastwagensparte Traton, die noch vor der Sommerpause auf das Parkett kommen soll. Doch auch zu dieser Transaktion kursieren gerade negative Meldungen: Wie die Agentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtet, soll VW wegen einer schwachen Nachfrage angeblich erwägen, das IPO-Volumen von 25 Prozent auf lediglich 10 bis 15 Prozent der Traton-Anteile zu reduzieren.

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