Kion macht den ersten Schritt um den Milliardenzukauf von Dematic zu refinanzieren.

Kion STILL

19.07.16
Finanzierungen

Kion sammelt 459 Millionen Euro ein

Um die Übernahme von Dematic zu refinanzieren, sammelt Kion fast eine halbe Milliarde Euro über eine Kapitalerhöhung ein. Doch das ist nur der erste Schritt.

Der Gabelstaplerhersteller Kion hat wie angekündigt eine Kapitalerhöhung über 10 Prozent platziert. Mit knapp 9,9 Millionen neue Aktien zu je 46,44 Euro konnte das Wiesbadener MDax-Unternehmen rund 459 Millionen Euro einsammeln. Mit dem Erlös will CFO Thomas Toepfer die Schuldenlast reduzieren, die er gerade durch die Übernahme des Logistikspezialisten Dematic angehäuft hat. Die Mittel sollen den 3 Milliarden Euro schweren Brückenkredit reduzieren, der Kaufpreis lag bei 3,25 Milliarden Euro.

Der Ankeraktionär Weichai Power zieht mit und zeichnet rund 60 Prozent der neuen Aktien. Damit steigt der Anteil der Chinesen von 38,5 auf 40 Prozent. Sie waren 2012 bei dem deutschen Konzern eingestiegen.

In einem nächsten Schritt wird CFO Thomas Toepfer erneut an den Kapitalmarkt gehen. Der Deal soll „dauerhaft durch langfristige Kapitalmarktschulden und Bankenkredite refinanziert werden“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Aktuell hat Kion keine Bonds ausstehen, nachdem Toepfer die teure Hybridanleihe vorzeitig zurückgezahlt hat. Der Finanzchef hatte die Verschuldung des Konzerns seit seinem Amtsantritt 2012 schrittweise reduziert und die Nettofinanzschulden – vor dem Dematic-Deal – auf 650 Millionen Euro gedrückt.

Kion-CFO Thomas Toepfer plant zweite Kapitalerhöhung

Auch jetzt scheint Toepfer dieser Linie treu bleiben zu wollen und möglichst wenig auf Fremdkapital zu setzen. Das Unternehmen kündigte mit der aktuellen Platzierung auch gleich an, dass es seine Aktionäre zu gegebener Zeit um eine neue Kapitalerhöhung bitten wird – auch dann wieder mit über rund 10 Prozent des Kapitals.

Der Konzern erklärt den geplanten Schritt mit seiner konservativen Finanzpolitik, die auch „auf eine gute cross-over Kreditbonität ausgerichtet ist“. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat den Ratingausblick Ende Juni auf negativ gesetzt. Das Rating liegt bei BB+. S&P würde das Unternehmen gegebenenfalls herabstufen, wenn sich die Kreditkennzahlen nicht schnell wieder verbessern, heißt es im Ratingbericht. Die Agentur geht davon aus, dass Kion dafür zwischen einem Viertel und einem Drittel des Brückenkredits durch Eigenkapital refinanzieren muss.

Closing des Dematic-Deals im vierten Quartal

S&P sieht in dem Zukauf eine Stärkung von Kions Marktposition, da die Unternehmen komplementäre Produkte anbieten und die Wiesbadener ihren globalen Marktzugang dadurch verbessern. Das Closing wird für das vierte Quartal erwartet. Auch die Aktionäre des Gabelstaplerherstellers scheinen sich langsam überzeugen zu lassen. Während der Aktienkurs bei der Verkündung des Deals am 21. Juni um rund 5 Prozent sank, liegt er jetzt wieder auf einem ähnlichen Niveau wie zuvor. Heute stieg er noch einmal um rund 4 Prozent und liegt bei 48,30 Euro.

Ein Grund dafür könnten auch die stabilen Quartalszahlen sein, die der Konzern gestern veröffentlicht hat. Der Umsatz wuchs im ersten Halbjahr um 5,9 Prozent auf 2,565 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Konzernergebnis stieg um 2,9 Prozent auf 97,1 Millionen Euro.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de