Thomas Toepfer ist seit 2012 CFO des MDax-Konzerns Kion. Durch die massive Entschuldung konnten die Wiesbadener im Juni die Dematic-Übernahme einfädeln.

Kion

07.07.16
CFO

CFO des Monats: Thomas Toepfer

Kion ist in den Übernahme-Modus übergangen und hat den milliardenschweren Zukauf von Dematic angekündigt. Dass eine solche Transaktion überhaupt möglich ist, verdanken die Wiesbadener Finanzchef Thomas Toepfer.

Für Kion-Finanzchef Thomas Toepfer steht eine Zeitenwende an: Der Wiesbadener Gabelstaplerhersteller will für 3,25 Milliarden US-Dollar den Automatisierungsspezialisten Dematic übernehmen. Es ist der erste milliardenschwere Zukauf des MDax-Konzerns nach Jahren der Entschuldung.

Dass Kion jetzt in der Lage ist, einen solchen Mega-Deal zu stemmen, hat der Konzern maßgeblich dem seit September 2012 amtierenden CFO Toepfer zu verdanken. Toepfer hatte die Finanzen seinerzeit vom Finanzchef Harald Pinger übernommen, nachdem er zuvor als Arbeitsdirektor für die Kion-Tochtergesellschaft Still gearbeitet hatte.

Finanzchef Thomas Toepfer hat die Kion-Verschuldung reduziert

Bei Kion fand der frühere McKinsey-Manager ein herausforderndes finanzielles Umfeld vor: Die Netto-Finanzschulden summierten sich seinerzeit auf 2,6 Milliarden Euro bei einem Vorjahresgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 570 Millionen Euro. Die hohe Verschuldung war eine Folge des Buy-outs durch die Finanzinvestoren  KKR und Goldman Sachs Capital Partners. Wegen des Einbruchs während der Weltwirtschaftskrise schleppte die ehemalige Linde-Tochter wesentlich länger als geplant einen hohen Schuldenberg mit sich herum.

Bis Ende des Jahres 2012 gelang es Toepfer, die Netto-Verbindlichkeiten auf 1,8 Milliarden Euro drastisch zu reduzieren. Toepfer begleitete im Juni 2013 auch Kions Börsengang, durch den die Hessen 730 Millionen Euro einnehmen konnten und die Schulden nochmals signifikant drücken konnten.

In den folgenden Jahren stand die Entschuldung und die Lösung von der Leveraged-Buy-out-Finanzierung (LBO-Finanzierung) im Fokus des CFO. Die letzte Hürde nahm Toepfer zu Beginn des Jahres: Der Finanzchef sicherte Kion einen neuen Konsortialkredit über 1,5 Milliarden Euro, durch den der MDax-Konzern eine teure Hochzinsanleihe ablösen konnte.

Kion hat wieder Spielraum für große M&A-Deals

Das Ergebnis der Schlankheitskur: Ende des ersten Quartals lagen die Netto-Finanzschulden bei 650 Millionen Euro, was nicht einmal dem 0,8-fachen des Vorjahres-Ebitda entspricht. Die liquiden Mittel lagen zuletzt bei 930 Millionen Euro. Der finanzielle Spielraum für einen signifikanten Zukauf war wieder gegeben.

Durch die Dematic-Übernahme wird CFO Toepfer den Leverage in den kommenden Monaten wieder hochfahren. Einen Brückenkredit über 3 Milliarden Euro hat er Kion bereits gesichert. Langfristig soll der M&A-Deal über eine Kapitalerhöhung finanziert werden, außerdem plant Toepfer eine langfristige Kapitalmarktfinanzierung, was auf die Ausgabe von Bonds oder Hybridanleihen hindeutet. CFO Toepfer wird auch in den kommenden Monaten viel zu tun haben.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Für herausragende Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen zeichnet FINANCE jeden Monat einen Finanzvorstand aus. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats.

Wo Thomas Toepfer seine Karriere begann und was er bei Kion noch erreicht hat, erfahren Sie auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.