Knorr-Bremse Eigentümer Heinz Hermann Thiele will das Familienunternehmen wohl an die Börse bringen. Der IPO könnten schon im nächsten Jahr erfolgen.

Knorr-Bremse

20.09.17
Finanzierungen

Knorr-Bremse-Eigner Thiele will Börsengang

Unmittelbar nach dem Scheitern der Haldex-Übernahme kündigt Knorr-Bremse einen massiven Strategiewechsel an: Das Familienunternehmen könnte 2018 an die Börse gehen – auch, um auf das Haldex-Debakel reagieren zu können.

Bei Knorr-Bremse jagt eine Schlagzeile die nächste. Gerade erst hat das Familienunternehmen nach langem Kampf die geplante Übernahme des schwedischen Wettbewerbers Haldex aufgegeben, da sorgt Eigentümer Heinz Hermann Thiele für die nächste Überraschung: Er will Knorr-Bremse an die Börse bringen. Ein IPO sei „die vorrangige Option“ für die Zukunft des Bremsenherstellers und werde derzeit intensiv geprüft, sagt Thiele gegenüber dem „Handelsblatt“.

Die notwendigen Vorbereitungen dafür sind bereits in vollem Gange, der Bremsenhersteller stellt gerade die Rechnungslegung von HGB auf IFRS um. Der Startschuss für die heiße Phase des IPO-Prozesses könnten schon in den kommenden Monaten gegeben werden. Der Schritt aufs Parkett wäre dann im kommenden Jahr möglich, vielleicht sogar noch vor der Sommerpause.

Ein Börsengang des Familienunternehmens dürfte am deutschen IPO-Markt für Furore sorgen, vor allem wegen seiner Größe. Das Handelsblatt zitiert einen Investmentbanker, der den möglichen Erlös des Börsengangs auf mindestens 4 Milliarden Euro taxiert – und zwar ohne dass Thiele die Mehrheit aufgeben müsste. Diese soll laut Thiele auch weiterhin in der Familie bleiben. Neben Thiele ist noch seine Tochter Julia Thiele-Schürfhof an Knorr-Bremse beteiligt.

Knorr-Bremse könnte mit IPO Spielraum für M&A erhöhen

Dass Thiele den Börsengang forciert, hat nicht nur den Grund, eine Nachfolgeregelung für sein Unternehmen zu finden – Thiele ist 76 Jahre alt. Es geht auch um die Handlungsfähigkeit des LKW- und Bahnzulieferers am M&A-Markt. Zum einen verfolgen Thiele und Unternehmenschef Klaus Deller ein ehrgeiziges Ziel: In fünf Jahren wollen sie den Umsatz auf 10 Milliarden Euro nahezu verdoppeln. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielten die Münchener 5,5 Milliarden Euro.

Zum anderen tobt in den Kerngeschäften von Knorr-Bremse ein rasanter technologischer Wandel, der die Anbieter zu M&A-Manövern praktisch zwingt. Auch der Übernahmeangriff auf Haldex hatte vor allem das Ziel, sich die Technologiekompetenz der Schweden zu sichern.  Parallel zu der gescheiterten Haldex-Übernahme hat der Konzern sechs weitere – kleinere – Zukaufsprojekte angestoßen. Eine Börsennotierung gäbe dem Management auch die eigene Aktie als Akquisitionswährung an die Hand.

Ex-Dürr-CFO Ralph Heuwing würde Knorr-Bremse an die Börse führen

Marktexperten räumen einem Börsengang von Knorr-Bremse gute Erfolgschancen ein.  Das Unternehmen sei gut aufgestellt, der Zeitpunkt ebenfalls günstig, weil die Aktien börsennotiertet Wettbewerber nahe ihren Höchstständen notieren, zitiert das Handelsblatt Branchenkenner.

Thiele ist seit mehr als dreißig Jahren Eigentümer und die prägende Figur von Knorr-Bremse. Das Unternehmen hatte Thiele Mitte der Achtzigerjahre als Sanierungsfall übernommen und später an die Weltmarktspitze für Zug- und LKW-Bremsen geführt. Das Management hat Thiele erst unlängst parketttauglich aufgestellt. Als Nachfolger des langjährigen Finanzchefs Lorenz Zwingmann holte Thiele den Ex-Dürr-CFO Ralph Heuwing, der am Kapitalmarkt großes Ansehen genießt. Heuwing wird im Januar sein CFO-Mandat bei Knorr-Bremse antreten.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Mehr über den bisherigen und den zukünftigen CFO von Knorr-Bremse erfahren Sie auf den Profilen von Ralph Heuwing und Lorenz Zwingmann bei FINANCE-Köpfe.