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Milliardenklage gegen Bayer in Deutschland

Im Zuge der Monsanto-Übernahme droht Bayer nun auch Ärger vor einem deutschen Gericht. Foto: Bayer AG

Der Bayer-Konzern könnte sich wegen der Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto wohl bald auch in Deutschland vor Gericht verantworten müssen. Wegen der Kursverluste, die der Konzern in Folge der im Juni 2018 vollzogenen Übernahme des amerikanischen Glyphosat-Herstellers hinnehmen musste, fordern deutsche Anleger insgesamt 2,2 Milliarden Euro von dem Dax-Konzern.

Eine dementsprechende Klage habe man am 30. Dezember vor dem Landgericht Köln eingereicht, wie die Tübinger Kanzlei TILP am Dienstag bestätigte. Die Kanzlei vertritt mit der Klage nach eigenen Angaben 320 Investoren, darunter Privatanleger, Banken, Kapitalverwaltungsgesellschaften, Versicherungen und Fonds aus Deutschland und weiteren EU-Staaten sowie Nordamerika, Asien und Australien.

US-Klagen kosteten Bayer bereits Millionen

Sie werfen dem Bayer-Konzern die Verletzung kapitalmarktrechtlicher Pflichten im Zusammenhang mit der Monsanto-Übernahme vor. Bayer habe den Kapitalmarkt über die wirtschaftlichen Risiken getäuscht, die dem Konzern durch die US-Verbraucherklagen im Zusammenhang mit dem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup drohten, so der Vorwurf. Bei der Klage gehe es um Käufe der Bayer-Aktie im Zeitraum zwischen 14. September 2016 und 19. März 2019, so die Kanzlei.

Bayer hatte den geplanten M&A-Deal im Mai 2016 bekannt gegeben und bei dessen Abschluss im Juni 2018 für Monsanto einen Kaufpreis von 63 Milliarden US-Dollar (55,84 Milliarden Euro) bezahlt – die bis dato größte Unternehmensakquisition in der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands. Dabei habe Bayer aus Sicht der Kläger seinen Anlegern die Risiken durch die drohenden Klagen im Zusammenhang mit dem Herbizid „Roundup“ verschwiegen. In deren Folge war der Wert der Bayer-Aktie etwa um die Hälfte eingebrochen.

So wurde der Konzern allein zwischen August 2018 und Mai 2019 in drei Verfahren vor US-Gerichten zu immensen Schadensersatzzahlungen verurteilt. Um auf die dortige Klagewelle vorbereitet zu sein, hat Bayer inzwischen insgesamt 15,5 Milliarden Dollar (13 Milliarden Euro) an Rückstellungen gebildet.

Bayer soll Informationspflicht verletzt haben

„Ein Emittent börsennotierter Wertpapiere muss den Kapitalmarkt über Insiderinformationen unverzüglich und vollumfänglich in Kenntnis setzen“, erläutert TILP-Rechtsanwalt Axel Wegner. Dies habe Bayer nach Auffassung seiner Kanzlei weder in seinen Finanzberichten noch in Ad-hoc-Mitteilungen getan. „Die Kläger haben deshalb die Bayer-Aktien zu teuer erworben, weshalb Bayer nach unserem Dafürhalten auf Schadensersatz haftet“, erklärt Wegner.

Der Konzern weist die Vorwürfe indes zurück. „Wir halten die Klagen wegen angeblich fehlerhafter Kapitalmarkt-Kommunikation im Zusammenhang mit der Monsanto-Akquisition für unbegründet“, hat Bayer gegenüber der „Wirtschaftswoche“ betont. Man habe sich an die Gesetze gehalten und sei allen Veröffentlichungspflichten nachgekommen, hieß es von dem Dax-Konzern.

Für Bayer könnte die Klage vor einem deutschen Gericht nun einen neuen Schauplatz im teuren Glyphosat-Streit um die US-Tochter Monsanto eröffnen. Dabei hatten die Leverkusener nach mehreren Niederlagen in den USA zuletzt auch einen Erfolg verbuchen können. Im vergangenen Dezember hatte ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Kalifornien zugunsten der US-Tochter Monsanto entschieden. Demnach sei Unkrautvernichtungsmittel Roundup nicht die Ursache der Krebserkrankung einer Klägerin.

Hoffnung besteht für die Leverkusener auch in Bezug auf den jüngsten Beschluss des Obersten Gerichtshofs in den USA. Dieser hatte im Dezember in der Frage über Annahme einer Berufung nicht selbst entschieden, sondern diese an den Generalstaatsanwalt weitergereicht – ein mögliches Zeichen, dass sich der Supreme Court dieser nicht annehmen wird. In dem Fall aus dem Jahr 2019 geht es unter anderem um die Frage, ob es einen Warnhinweis auf dem Produkt gebraucht hätte.

Die Bayer-Aktie blieb nach dem Bekanntwerden der deutschen Klage am Dienstagmorgen zunächst weitgehend unbeeindruckt.    

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.