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Erneuter Glyphosat-Rückschlag für Bayer

Glyphosat und kein Ende: Im Streit um angebliche Krebsrisiken durch den Unkrautvernichter hat Bayer nun ein weiteres Berufungsverfahren verloren.
Bayer

Der Leverkusener Bayer-Konzern kann mit der Monsanto-Übernahme einfach nicht abschließen: In einem Berufungsverfahren wegen angeblicher Krebsrisiken durch den Unkrautvernichter Glyphosat hat der Pharmariese nun eine Niederlage einstecken müssen. Das Gericht in San Francisco bestätigte, dass Bayer für die Krebserkrankungen zweier Kläger haften müsse.

Immerhin wurde die Höhe der Strafzahlungen zwischenzeitlich angepasst: Eine Geschworenenjury hatte dem klagenden Ehepaar 2019 zunächst Schadenersatz- und Strafzahlungen von rund 2 Milliarden US-Dollar zugesprochen, die Summe wurde später deutlich herabgesenkt auf knapp 87 Millionen Dollar. Das entspricht nach aktuellem Wechselkurs rund 73,7 Millionen Euro.

Glyphosat-Rückstellungen belasten Bayer

Die Niederlage vor dem Berufungsgericht kommt für Marktbeobachter zwar nicht überraschend, sie ist aber ein weiterer Hinweis darauf, dass Bayer beim Thema Glyphosat so schnell wohl nicht zur Ruhe kommen wird. 

Erst vor wenigen Wochen hatten die Leverkusener weitere Rückstellungen über 4,5 Milliarden US-Dollar als Vorsorge für Einigungen mit künftigen Glyphosat-Klägern gebildet. Der Konzern hatte Ende Mai laufende Vergleichsverhandlungen abgebrochen und setzt nun stattdessen auf eine gerichtliche Klärung des Rechtsstreits.

Die zusätzlichen Rückstellungen sind für den Fall, dass der US Supreme Court die Klage nicht zur Verhandlung annimmt oder gegen Bayer urteilt – dann müssten die Leverkusener sich darauf einstellen, weitere Ansprüche von Geschädigten zu begleichen. Bayer hat damit insgesamt bereits 15,5 Milliarden Dollar für Glyphosat-Risiken zurückgestellt – das entspricht in etwa dem Free Cashflow von drei soliden Geschäftsjahren. 

Bayer-Aktie bleibt im Tief

Für Bayer ist die Niederlage vor dem Gericht in San Francisco das dritte verlorene Glyphosat-Berufungsverfahren in den USA. Der Konzern sondiere nun seine Optionen für eine neuerliche Überprüfung des Falls, zitierte das „Handelsblatt“ einen Sprecher. Ein viertes Gerichtsverfahren läuft derzeit. Mit einer endgültigen Klärung eines Falls durch den US Supreme Court wird frühestens 2022 gerechnet. 

Schlechte Quartalszahlen belasten Bayer-Aktie

Nach Bekanntwerden des Urteils nach Börsenschluss am Montagabend ging die Bayer-Aktie am heutigen Dienstagmorgen zunächst unter dem Wert von 47 Euro in den Handel, erholte sich dann aber schnell wieder auf das Niveau des Vortages und notierte am Vormittag um 47,20 Euro.

Erst in der vergangenen Woche hatte die Aktie deutlich verloren, nachdem die Quartalszahlen von Bayer sowie der Ausblick für Enttäuschung am Markt gesorgt hatten. Das Papier rutschte von rund 50 auf 46 Euro ab. Bayer hat sein durch die Glyphosat-Rückstellungen belastetes zweites Quartal mit einem Konzernverlust von 2,3 Milliarden Euro beendet.

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.