Moody’s stuft ThyssenKrupp weiter herab. Wird der Verkauf der Elevator-Sparte die Situation endlich entspannen?

Quelle/ThyssenKrupp

18.02.20
Finanzierungen

Moody’s stuft ThyssenKrupp auf hochspekulativ ab

Moody’s hat ThyssenKrupp abermals mit einer Ratingabstufung abgestraft, nun gilt die Anlage als hochspekulativ. Alle Hoffnung ruht auf dem Verkauf der Aufzugsparte – und hier ist Kone nun raus.

Schlechte Nachrichten für ThyssenKrupp: Die US-Ratingagentur Moody’s hat die Bonitätsbewertung für den Stahlkonzern von Ba3 auf B1 gesenkt. Auch die Bewertung für die Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalls fiel von Ba3-PD auf B1-PD.

Hintergrund des Downgrades, dass das Fremdkapital bei ThyssenKrupp nun als hochspekulativ ausweist, sind die weiterhin schwache operative Leistung des Konzerns und der negative Cashflow im ersten Quartal 2019/20. Damit sei die Wahrscheinlichkeit gesunken, dass sich Profitabilität und Cash-Zufluss in naher Zukunft wesentlich erholen, glaubt die Ratingagentur nun. Moody’s hatte das Rating des Konzerns erst im August 2018 auf Ba3 gesenkt, damals war der Ausblick aber noch stabil. Doch die Erwartungen der US-Agentur haben sich offenbar in mehreren Bereichen nicht erfüllt.

„Gewinnrückgang schwerwiegender als erwartet“

ThyssenKrupp hatte vergangene Woche die Zahlen für das erste Quartal veröffentlicht. Vor allem die Stahlsparte hatte sich negativ entwickelt, so ist der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 38 Millionen Euro im Vorjahr auf einen Verlust von 164 Millionen Euro abgestürzt. Auf Konzernebene ging das bereinigte Ebit im gleichen Zeitraum um 77 Prozent auf 50 Millionen Euro zurück. Der Free Cashflow blieb mit einem Minus von 2,5 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau.

Obwohl Moody’s erwartet habe, dass ungünstige Marktbedingungen die operative Leistung von ThyssenKrupp belasten würden, sei etwa das Ausmaß des Gewinnrückgangs und des Cash-Drains im ersten Geschäftsquartal noch schwerwiegender ausgefallen als erwartet, heißt es. Die vom Stahlkonzern ausgegebenen Prognosen für das laufende Jahr für das Ebit sowie den Free Cash Flow erscheinen den Ratingspezialisten angesichts dieser aktuellen Entwicklungen „zunehmend ehrgeizig“. Der betriebliche Mittelabfluss droht aus ihrer Sicht deutlich höher ausfallen.

Kone ist bei Aufzugssparte raus

Den Ausblick für das Rating hat Moody’s aber auf „developing“ gesetzt – es hängt unter anderem wesentlich davon ab, wie viel Geld der Verkauf der profitablen Aufzugssparte in die klammen Kassen spülen wird. Und hierzu veröffentlichte ThyssenKrupp kurz nach dem Downgrade von Moody’s eine Wasserstandsmeldung: Die Verhandlungen bezüglich der Aufzugssparte befänden sich nun auf der Zielgeraden, teilte der Konzern mit.

Es seien nur noch zwei Bieterkonsortien aus dem Private-Equity-Bereich im Verkaufsrennen. Dabei handelt es sich einerseits um ein Konsortium aus den Finanzinvestoren Blackstone, Carlyle und Canadian Pension Plan Investment Board und anderseits um das PE-Duo Advent und Cinven. 

Ziel sei es, „kurzfristig eine Einigung über einen Mehrheits- oder Vollverkauf zu erzielen“. Sollte keine Einigung zwischen den Parteien zustande kommen, strebe ThyssenKrupp unverändert als weitere Option einen Börsengang an, der ab dem Frühsommer möglich wäre. Auf das Angebot des finnischen Aufzugskonzerns Kone geht der Konzern in seiner Mitteilung nicht mehr ein. Dieser erklärte kurz danach selbst, dass er nun aus den Verhandlungen aussteigt.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Mehr über die Krise der einstigen Essener Industrieikone lesen Sie unserer Themenseite zu ThyssenKrupp.