Michael Rudolf führte PharmaSGP an die Börse. Der IPO fiel allerdings kleiner aus als anfangs erhofft.

PharmaSGP

03.07.20
Finanzierungen

PharmaSGP-IPO: „Deutlicher Anstieg der Volatilität“

Der Arzneimittelhersteller PharmaSGP hat den Sprung an die Börse geschafft – aber mit Abstrichen. CFO Michael Rudolf spricht über den herausfordernden Weg, virtuelle Roadshows und die Zukunftspläne des Börsenneulings.

Kleiner als geplant und am unteren Ende der Preisspanne: Der Arzneimittelhersteller PharmaSGP aus Gräfeling bei München hatte beim Gang an die Börse mit viel Gegenwind zu kämpfen. Letztlich wurden rund 4 Millionen Aktien zu einem Preis von 31,50 Euro platziert. Eigentlich sollten es über 9 Millionen sein. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens, das chemie- und rezeptfreie Medikamente herstellt, beläuft sich im Zuge des Börsengangs auf 378 Millionen Euro. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei rund 62 Millionen Euro.

Trostpflaster für CFO Michael Rudolf: Mit dem IPO sollten ohnehin keine neuen Aktien platziert werden, dem Unternehmen sind durch den verkleinerten Börsengang also keine finanziellen Mittel entgangen. Lediglich die Gründungsaktionäre, Clemens Fischer und Madlena Hohlefelder, haben Aktien verkauft. Die beiden führen gemeinsam den Pharma-Inkubator Futrue.

PharmaSGP-IPO in schwierigem Umfeld

„Gerade in der Phase kurz vor unserem Börsengang kamen aus dem US-Markt durch die Coronakrise Signale, die zu einem deutlichen Anstieg der Volatilität im Markt führten,“ berichtet Finanzchef Michael Rudolf von der teils herausfordernden Vorbereitung des IPOs in den vergangenen Wochen.

Das Geschäftsmodell der Bayern selbst sei von der Coronavirus-Krise kaum betroffen: Die OTC-Medikamente werden über Online-Apotheken und stationäre Apotheken vertrieben. „Auch in der Herstellung und der Logistik, die wir ausgelagert haben, hat die Pandemie keine größeren Schwierigkeiten verursacht“, beschreibt Rudolf. „Entsprechend sind wir im Vorfeld auch auf großes Interesse bei Investoren gestoßen und haben an unserem Termin festgehalten,“ resümiert er. Seiner Beobachtung nach hätten Investoren aufgrund der hohen Volatilität letztlich weniger große Volumina gezeichnet als zuvor erwartet. Vollständig abgesprungen seien nur wenige.

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Michael Rudolf, PharmaSGP Holding SE

Nach seinem Studium beginnt Michael Rudolf seine Karriere im Jahr 2000 bei der Beratungsgesellschaft McKinsey & Company. Er berät nationale Kunden aus der Automobilindustrie, der verarbeitenden Industrie, der Konsumgüterindustrie und dem Einzelhandel.

2010 wechselt Rudolf zu der Verlagsgruppe Weltbild GmbH und übernimmt dort die Position als Leiter der Bereiche Mergers & Acquisitions, Portfoliomanagement und Unternehmensprojekte. Von 2014 bis 2015 ist er auch Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung.

Mitte 2015 geht Rudolf zur Media-Saturn-Gruppe, wo er das Investment- und Portfoliomanagement der digitalen Beteiligungen verantwortet.

Ende 2016 stößt Rudolf zu dem Pharma-Inkubator Futrue und übernimmt im August 2017 die Position als Chief Financial Officer bei dem Arzneimittelhersteller PharmaSGP, den er 2020 an die Börse führt.

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Virtuelle Roadshow: Bis zu zehn Gespräche pro Tag

Über die Investorenansprache per Online-Meeting während der Coronazeit hat Rudolf vor allem Positives zu berichten. Bis zu zehn Gespräche mit Investoren seien pro Tag möglich gewesen. „Zudem behält man dabei auch eine gewisse Frische, weil man immer wieder abends zuhause Pause machen kann, und nicht noch zusätzlich durch die Reise angestrengt wird“, meint der CFO – eine Einschätzung, mit der er nicht alleine steht.

Auch Rückfragen könnten bei virtuellen Roadshows im Nachgang viel leichter geklärt werden, als wenn man bereits auf dem Weg zum nächsten Treffen in der nächsten Stadt sei. „Der direkte Kontakt fehlt natürlich, aber wir hatten viele Gespräche schon vor der Corona-Zeit persönlich geführt und dann quasi virtuell fortgesetzt.“ Für die Zukunft kann Rudolf sich einen Mix aus beiden Modellen gut vorstellen. 

Erster IPO für Michael Rudolf

Trotz des schwierigen Auftakts: CFO Rudolf ist stolz, dass sein Unternehmen den Schritt gegangen ist und nun börsennotiert ein neues Kapitel aufschlagen kann. „Es war eine extrem spannende Zeit, unser Unternehmen fit für die Börse zu machen, und wir freuen uns jetzt sehr darauf, diese neue Chance nutzen zu können“, so der 46-Jährige. Für ihn selbst war es ebenfalls eine Premiere. Bislang hatte er einen Börsengang nur in den Anfängen seiner Karriere aus Beraterperspektive verfolgt.

PharmaSGP will weiter wachsen – mittelfristig mit zweistelligen Wachstumsraten und bei einer Ebit-Marge von mehr als 30 Prozent. „Wir werden unseren Fokus auf natürliche Produkte ohne Chemie beibehalten, damit treffen wir den Nerv der Zeit“, beschreibt er. Auch Kosmetika mit dem Cannabis-Bestandteil CBD gehörten seit neuestem zum Portfolio.

Wachstum auch durch Akquisitionen

Das Unternehmen will auch international, vor allem im europäischen Markt, weiter wachsen. Das soll sowohl organisch als auch über Übernahmen, Zulassungs- oder Markenkäufe erfolgen. „Bislang sind wir rein innenfinanziert. Wir haben eine Cash Conversion Rate von rund 85 Prozent und brauchten bislang keine externe Finanzierung“, erklärt der CFO. „Für größere Zukäufe würden wir sowohl Fremdkapitaloptionen als auch unseren Zugang zur Börse für die Finanzierung prüfen.“

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Mehr über den Finanzchef des Börsenneulings PharmaSGP erfahren sie in dem neuen Profil von Michael Rudolf bei FINANCE-Köpfe.