Home 24

19.01.18
Finanzierungen

Rocket Internet plant offenbar IPO für Home 24

Die Start-up-Schmiede Rocket Internet plant offenbar den Börsengang ihres Online-Möbelhändlers Home 24. Damit kommen auch wieder M&A-Spekulation um Home 24 und eine andere Rocket-Beteiligung auf.

Rocket Internet will offenbar den Online-Möbelversand Home 24 an die Börse bringen. Das berichtet das „Manager Magazin“ unter Berufung auf Insiderinformationen. Demnach soll der IPO noch in diesem Frühjahr erfolgen. Es würden aktuell bereits Gespräche mit potenziellen Investoren geführt, heißt es weiter. 

Der bevorstehende IPO soll von der Privatbank Berenberg begleitet werden. Das Finanzinstitut hatte bereits die vorangegangenen Börsengänge von Hello Fresh und Delivery Hero vorbereitet. Beide Unternehmen sind ebenfalls Teil des Rocket-Internet-Portfolios.

Home 24 braucht wohl bald wieder frisches Geld

Die neuesten Eckdaten von Home 24 lassen offen, ob das E-Commerce-Unternehmen schon börsenreif ist. Demnach hat das Berliner Start-up in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres rund 18 Millionen Euro operativen Verlust (bereinigtes Ebitda) eingefahren – nur noch halb so viel wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wuchs auch der Umsatz – mit 10 Prozent auf 195 Millionen Euro allerdings bei weitem nicht so stark wie bei anderen Unternehmen aus dem Rocket-Umfeld.

Die Liquiditätslage deutet jedoch darauf hin, dass Home 24 bald wieder eine Finanzspritze brauchen könnte – ob über die Börse oder eine weitere Finanzierungsrunde. Per Ende September befanden sich nur noch 15,9 Millionen Euro in der Kasse. Angesichts der deutlichen Verluste, die Home 24 einfährt, dürfte dieses Polster nicht mehr lange reichen, auch wenn Rocket Internet den Rückgang der Cashposition in erster Linie mit „Investitionen in die Infrastruktur“ erklärte und nicht mit dem Auflaufen anhaltend negativer Cashflows.

Vorzeichen für IPO von Home 24 stehen gut

Trotzdem stehen die Vorzeichen für einen erfolgreichen IPO gut. Die beiden Börsengänge von Hello Fresh und Delivery Hero haben der Start-up-Schmiede Rocket Internet rund 2 Milliarden Euro eingebracht, vor allem aber bewiesen, dass der Kapitalmarkt aufnahmefähig für derartige Geschäftsmodelle ist. Seit der Erstnotiz haben beide Aktienkurse deutlich zugelegt.

Den aktuellen Anteil an  Home 24 beziffert Rocket Internet mit 41 Prozent. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde im Mai 2017 wurde das Berliner Unternehmen mit 440 Millionen Euro bewertet. Dies war ein Rückschlag für Home 24 und Rocket Internet, denn im Jahr davor wurde der Wert des Möbelhändlers noch auf 981 Millionen Euro taxiert.  

Fusionieren Home 24 und Westwing?

Mit dem offenbar näher rückenden Börsengang bekommen auch Fusionsgerüchte um Home 24 neue Nahrung. Mit Westwing hat Rocket Internet nicht nur ein Unternehmen im Portfolio, dessen Geschäftsmodell sich nur in Nuancen von dem von Home 24 unterscheidet. Beide E-Commerce-Häuser sind außerdem fast gleich groß und haben auch ein sehr ähnliches Margenprofil. Die Ebitda-Marge war bei Westwing zuletzt allerdings nur noch halb so negativ wie bei Home 24. Dafür wächst Home 24 stärker.

Eine Zusammenführung der beiden Unternehmen könnte Synergiepotentiale vor allem in den Bereichen Vertrieb und technische Infrastruktur eröffnen. Mit frischem Kapital von der Börse wäre Home 24 auch in der Lage, eine Übernahme von Westwing zu finanzieren. An Westwing hält Rocket Internet 32 Prozent.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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