SGL Carbon will Schulden abbauen. Dazu verkauft CFO Michael Majerus das Kerngeschäft und erhöht das Kapital. Mit dem Geld soll eine Wandelschuldverschreibung und eine Unternehmensanleihe zurückgekauft werden.

SGL Carbon

29.11.16
Finanzierungen

SGL Carbon will die Nettoverschuldung auf 300 Millionen Euro drücken

SGL Carbon muss seinen Schuldenberg abtragen. Eine Kapitalerhöhung soll 180 Millionen Euro in die Kassen von CFO Michael Majerus spülen. Zusammen mit den Verkaufserlösen des Kerngeschäfts will das SDax-Unternehmen eine Anleihe und einen Wandler zurückkaufen.

SGL Carbon treibt die Entschuldung voran. Wie das krisengebeutelte SDax-Unternehmen heute mitteilte, werde das Grundkapital um 76,8 Millionen Euro auf 313,2 Millionen Euro erhöht. CFO Michael Majerus hatte diesen Schritt bereits vor rund einem Monat angedeutet.

Mit der Ausgabe von 30 Millionen neuen Aktien wird der SGL-Finanzchef das auf der Hauptversammlung genehmigte bedingte Kapital komplett ausreizen. Die Unterstützung der beiden Hauptaktionäre ist Michael Majerus sicher: Nach Angaben der Wiesbadener werden Skion und BMW bei der Kapitalerhöhung voll mitziehen. VW und Voith zeigten dagegen kein Interesse. Ihre Bezugsrechte sollen durch ein Bankenkonsortium "zeitnah und marktschonend umplatziert" werden.

SGL Carbon will Wandelanleihe und Bond zurückkaufen

SGL verspricht sich einen Bruttoemissionserlös von 180 Millionen Euro. Zusammen mit dem rund 200 Millionen Euro schweren Verkauf des Geschäfts mit Graphitelektroden an den japanischen Chemiekonzern Showa Denko sowie dem noch ausstehenden Verkauf des Geschäfts mit Kathoden, Hochofenauskleidungen und Kohlenstoffelektroden will SGL seinen Schuldenberg abtragen. Das Unternehmen kündigte deshalb am heutigen Dienstag ebenfalls an, die im Januar 2018 fällige 240 Millionen Euro schwere Wandelschuldverschreibung mit diesen Mitteln vollständig tilgen oder vorzeitig zurückkaufen zu wollen.

Parallel soll auch die 200 Millionen Euro schwere und mit 4,875 Prozent verzinste Unternehmensanleihe vorzeitig vollständig getilgt werden. Die genauen Rückkaufkonditionen für beide Papiere wollte SGL auf FINANCE-Nachfrage nicht kommentieren. Laut dem Finanzportal „Finanzen.net“ verfügt SGL für die Unternehmensanleihe über ein Kündigungsrecht zum 15. Januar 2017. Die Anleihe notiert derzeit bei rund 102 Prozent.

SGL Carbon nähert sich seinen avancierten Finanzkennzahlen

In der Investorenpräsentation der Zahlen für das dritte Quartal vom 10. November wies SGL bei einem Eigenkapital von rund 100 Millionen Euro eine Nettofinanzverschuldung von 623,1 Millionen Euro aus, was zu einem Verschuldungsgrad (definiert als Nettofinanzschulden/Eigenkapital) von 6,12 geführt hatte. 

Mit der nun angestrebten Entschuldung will CFO Majerus den Verschuldungsgrad drastisch senken: Addiert man zu den 623,1 Millionen Euro die bis zum Verkauf des Graphitelektrodengeschäfts anfallenden Wertberichtigungen von rund 50 Millionen und zieht die 180 Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung (der Nettoemissionserlös dürfte nach Abzug der Emissionskosten noch etwas geringer ausfallen) sowie die 200 Millionen Euro aus dem Verkauf des Graphitelektrodengeschäfts ab, stünde unter dem Strich eine Nettofinanzverschuldung von rund 300 Millionen Euro.

Darin noch nicht enthalten ist ein möglicher Verkaufserlös des Geschäfts mit Kathoden, Hochofenauskleidungen und Kohlenstoffelektroden. Im kommenden Jahr 2017 will SGL Carbon diesen lukrativeren Geschäftszweig des ehemaligen Kerngeschäfts verkaufen und die Nettofinanzverschuldung so nochmals reduzieren.

Der Verschuldungsgrad läge dann nach der Kapitalerhöhung bei fast 1 und damit deutlich näher an dem von SGL ausgerufenen Zielwert von rund 0,5. Das wiederum täte auch dem zuletzt arg unter Druck geratenen Rating von SGL gut. Moody’s und S&P bewerten das SDax-Unternehmen derzeit mit CAA1 beziehungsweise CCC+ tief im spekulativen Bereich. Die Aktie gab heute zwischenzeitlich um rund 4 Prozent auf 9,60 Euro nach und notiert aktuell wieder bei rund 10 Euro.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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