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So will Tui die Corona-Staatshilfen zurückzahlen

Tui will Staatshilfen bis Ende 2023 zurückzahlen. Foto: Tui
Tui will Staatshilfen bis Ende 2023 zurückzahlen. Foto: Tui

Tui will die Staatshilfen aus der Coronakrise vollständig zurückzahlen. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen die noch ausstehende Stille Einlage I des Staates in Höhe von 420 Millionen Euro und eine Optionsanleihe im Wert von 59 Millionen Euro bis Ende 2023 zurückgezahlt werden. Die Hannoveraner kaufen dazu dem staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) das Recht auf eine Wandlung in Tui-Aktien ab. Einschließlich eines Ausgleichs für das Wandlungsrecht und zuzüglich Zinsen wird Tui für den finanziellen Befreiungsschlag von über 730 Millionen Euro auf den Tisch legen müssen. Außerdem will Tui die dann noch verbleibenden Kreditlinien von der KfW von 2,1 Milliarden Euro weiter deutlich reduzieren.

Tui muss Grundkapital herabsetzen

Das Geld für Tilgung soll in Form einer Kapitalerhöhung eingenommen werden. Dafür muss Tui zunächst das Grundkapital auf ein Zehntel herabsetzen, da es bereits die vierte Kapitalerhöhung innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahre werden soll. Durch die drei vorangegangenen Kapitalerhöhungen wurde der Aktienkurs stark verwässert. 

Demnach werden aus zehn Aktien eine Aktie, was das Grundkapital von 1,79 Milliarden Euro auf dann 179 Millionen Euro reduziert. Das mache Kapitalerhöhungen „zu marktüblichen Konditionen“ möglich, betont Tui. Denn die Aktien dürfen nicht unter dem rechnerischen Nennwert von 1,00 Euro ausgegeben werden. Der Staat verzichtet dabei bis Ende 2023 auf das Wandlungsrecht für seine Stille Einlage.

Für die Kapitalherabsetzung muss sich Tui noch die Zustimmung der Aktionäre einholen, der Vorschlag soll auf der Hauptversammlung im Februar 2023 beschlossen werden. Der Vereinbarung zur Refinanzierung der Maßnahmen muss noch die EU-Kommission zustimmen.

Tui-CEO Sebastian Ebel gibt sich optimistisch

„Das Engagement des Staates reduzieren wir sukzessive – die Einigung mit dem WSF und die im Anschluss an die Hauptversammlung durchzuführende geplante Kapitalerhöhung sind weitere konsequente Schritte zurück zur Normalität und vollständigen finanziellen Unabhängigkeit. Ohne die staatlichen Rettungspakete hätte die Tui die Pandemie als Jahrhundertkrise für den gesamten Sektor kaum überlebt. Für diese Unterstützung sind wir dankbar“, kommentiert Sebastian Ebel CEO die geplante Rückzahlung.

Im Juni 2022 hatte Tui bereits mit Hilfe einer Kapitalerhöhung 671 Millionen Euro getilgt. Während der Corona-Pandemie hat Tui sich gut 4 Milliarden Euro an Corona-Notfinanzierungen vom Staat gesichert, um durch die Krisenzeit zu kommen.

Das Reisegeschäft hat sich im Sommer 2022 erstmals seit der Pandemie wieder erholt. So kann der Konzern für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr wieder einen Gewinn verzeichnen. Das bereinigte Ebit belief sich auf 409 Millionen Euro nach etwas mehr als 2 Milliarden Euro Verlust im Vorjahr. Auch der Umsatz des Unternehmen hat sich kräftig erholt und mit 16,55 Milliarden Euro fast vervierfacht zum Vorjahr (2021: 4,73 Milliarden Euro). Der Nettoverlust sank auf 3,4 Milliarden Euro, nachdem im Vorjahr noch 5 Milliarden Euro Verlust in den Büchern standen.

Tui blickt auch optimistisch in die Zukunft

Im vierten Quartal kam die Zahl der Reisenden mit 7,6 Millionen knapp an das Vor-Coronaniveau im Jahr 2019 ran. „Der Tourismus bleibt ein langfristiger und attraktiver Wachstumssektor“, sagt Tui-Chef Ebel. „Wir erwarten auch ein solides und gutes Jahr 2023, sind uns der externen Marktfaktoren aber sehr bewusst“, gibt er weiter in Ausblick.

So wie es aktuell aussieht, kann der Konzern aber auch in naher Zukunft von der wiedergefundenen Reiselust der Kunden profitieren, denn auch die Buchungszahlen für die kommende Saison sind gut. Aktuell liegen 2,7 Millionen Buchungen für die Wintersaison 2022/23 vor. Damit seien 52 Prozent des Programms bereits verkauft, betont Tui. Das bekräftigt Ebel auch dazu, die operative Entwicklung des Konzerns weiter optimistisch zu sehen und für das laufende Geschäftsjahr 2023 einen „starken Anstieg des Umsatzes und eine signifikante Erhöhung des bereinigten Ebit“ zu prognostizieren.

Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Controlling und Personal. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.

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