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Spac zurrt Hometogo-Übernahme fest

Ferienhäuser haben in der Coronazeit an Popularität gewonnen. Mit Hometogo kommt nun ein Vermittlungsportal für Ferienhäuser an die Börse – über eine Fusion mit dem Lakestar-Spac von Klaus Hommels.
ArtushFoto/stock.adobe.com

Die erste deutsche Spac-Transaktion seit mehr als zehn Jahren steht kurz vor dem Sprung über die Ziellinie: Der von dem Wagniskapitalgeber Klaus Hommels beratene „Lakestar“-Spac will noch vor Ende September mit der Ferienhaus-Suchmaschine Hometogo fusionieren. Spacs sind leere, aber mit reichlich Cash gefüllte Börsenhüllen, die mit nicht börsennotierten Unternehmen fusionieren und diesen so einen Börsengang ermöglichen.

Bei dem anstehenden Deal soll das kombinierte Unternehmen mit 861 Millionen Euro bewertet werden. Der Eigenkapitalwert vor Abzug der Nettofinanzschulden liegt laut Angaben von Lakestar bei 1,2 Milliarden Euro.

Unternehmenswert von Hometogo wächst trotz Corona

Das wäre deutlich mehr als bei der bislang letzten privaten Finanzierungsrunde von Hometogo aus dem Jahr 2018: Damals lag der Unternehmenswert bei umgerechnet rund 530 Millionen Euro. Doch seitdem haben die Corona-bedingten Reisebeschränkungen Ferienwohnungen einen Boom beschert. Im ersten Halbjahr 2021 stieg das über Hometogo abgewickelte Buchungsvolumen nach Unternehmensangaben um 27 Prozent auf 904 Millionen Euro. 

Die Profitabilität ist allerdings noch nicht erreicht: 2020 schrieb das 2014 gegründete Start-up noch einen operativen Verlust von 2 Millionen Euro. Hommels selbst ist bereits seit 2018 in Hometogo investiert und hält Presseberichten zufolge rund 5 Prozent an der Online-Plattform.

Spacs boomen, performen aber nicht.

Nach der Verschmelzung sollen die bisherigen Eigentümer von Hometogo 69 Prozent an der börsennotierten Firma halten, die beim Börsengang Ende Februar an Bord gekommenen Lakestar-Aktionäre 25 Prozent. Sie hatten den Lakestar-Spac mit 275 Millionen Euro befüllt. Später akquirierte Hommels noch weitere Investoren, die zusätzliche 75 Millionen Euro zur Verfügung stellten. Sie bekommen 6 Prozent der neuen Firma. Hommels hat nach eigenen Angaben mehr als 20 Millionen Euro in seinen Spac investiert.

Lakestar wird bei der Fusion von der Deutschen Bank und der Kanzlei Sullivan & Cromwell beraten, Hometogo von Morgan Stanley, Clifford Chance und der Kanzlei V14 Vogel Heerma Waitz.

Spacs boomen, performen aber nicht

Weil ihre Initiatoren und die beteiligten Investmentbanken hohe Gebühreneinnahmen einzustreichen pflegen, sind Spacs am Kapitalmarkt umstritten. Auch ihre Historie ist nicht gerade ruhmreich – viele Spacs bescherten ihren Aktionären hohe Verluste, auch in Deutschland. Trotzdem erleben die Börsenhüllen seit zwei Jahren einen Boom, vor allem in den USA. 

Ihre Kurs-Performance ist in Summe jedoch schwach. Wie Bloomberg im Juni analysierte, haben zwei Drittel der seit Anfang 2019 an eine US-Börse gegangenen Spacs empfindliche Kursverluste erlitten: Diese 24 Spacs lagen zum Zeitpunkt der Analyse im Schnitt mit 26 Prozent im Minus. Eine Analyse der Investmentbank Barclays zeigt, dass Spacs, die (ähnlich wie Lakestar) bereits konkrete Übernahmeziele identifiziert haben, von Januar bis Juni im Mittel 7,7 Prozent an Wert eingebüßt haben. Der S&P 500-Index hat im gleichen Zeitraum um 18 Prozent zugelegt. 

Lakestar hat den Erstzeichnern bislang weder Kursgewinne noch -verluste beschert. Die Aktie wurde zu 10 Euro ausgegeben, und dort notiert sie heute noch. Auch die Aktie des Ende April gestarteten zweiten deutschen Spacs „468 Spac I“ liegt aktuell fast genau auf dem Ausgabepreis von 10 Euro. Dieser 300 Millionen Euro große Spac hat ebenfalls schon einen Fusionspartner gefunden, den Kinder-Hörspielanbieter Boxine. Dieser soll bei dem Merger mit 1 Milliarde Euro bewertet werden.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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