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Ströer wehrt sich gegen Hedgefonds-Attacke

Ströer wehrt sich mit einer detaillierten Stellungnahme gegen den Angriff des US-Hedgefonds Muddy Waters.
Ströer

Der gestrige Angriff der Investmentgesellschaft Muddy Waters kostete Ströer zwischenzeitlich rund ein Drittel des Börsenwerts. In einem 60-seitigen Bericht hatten die US-Amerikaner gestern schwere Vorwürfe gegen das Außenwerbeunternehmen erhoben, darunter Insidergeschäfte und falsche Bilanzausweise. Die Anschuldigungen weist Ströer heute in einer Stellungnahme entschieden zurück – und kontert mit eigenen Vorwürfen. Der Bericht sei „weit hergeholt, mindestens tendenziös und im Ergebnis vollkommen haltlos“, so der MDax-Konzern.

In den vergangenen Monaten seien viele ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens kontaktiert worden, um über Ströer zu sprechen, berichtet CEO und Hauptaktionär Udo Müller in einer Telefonkonferenz zu der Hedgefonds-Attacke. Der Hedgefonds hätte jedoch zu keine Zeitpunkt den Kontakt zum Unternehmen selbst gesucht, so Müller.

Muddy Waters habe bereits bekannte Fakten verarbeitet, „die in bewusst irreführenderweise dargestellt und mit falschen Behauptungen und Unterstellungen vermengt und damit verfälscht werden“, teilte das Unternehmen heute Mittag mit. Der Grund dafür liegt für das Unternehmen auf der Hand. Muddy Waters hält eine Short-Position an Ströer, wie der Hedgefonds auch offen einräumt. Die Aktionäre von Ströer seien daher aus eigenem wirtschaftlichen Interesse gezielt geschädigt worden, schlussfolgert das Werbeunternehmen.

Ströer betont Richtigkeit der Geschäftszahlen

Muddy Waters hatte erklärt, Ströer habe Angaben zur Performance des Unternehmens nicht korrekt dargestellt. Das organische Wachstum, der operative Cashflow und der freie Cashflow liegen nach Ansicht der US-Investoren signifikant unter den von Ströer berichteten Angaben. Ströer bezeichnet die Berechnungen von Muddy Waters als falsch. So seien zum Beispiel bei der Kalkulation des organischen Wachstums von Muddy Waters weder die Wechselkurseffekte noch die Quotenkonsolidierung der Joint-Venture-Unternehmen berücksichtigt worden.

Schwere Vorwürfe hatte Muddy Waters auch in Bezug auf Insidergeschäfte erhoben, die nicht korrekt vermeldet worden und insgesamt undurchsichtig seien. Auch diesem Vorwurf tritt Ströer entgegen. Die Anschuldigungen gegen die Hauptaktionäre Udo Müller und Dirk Ströer seien falsch. Die gesamten Aussagen im Zusammenhang mit Related-Party-M&A-Geschäften „entbehren jeder Grundlage“, seien „ehrabschneidend und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen falsch, so Ströer.

Ströer-Aktienkurs erholt sich von der Attacke von Muddy Waters

Ströer findet, dass Muddy Waters mit der Attacke rechtliche und ethische Grenzen überschritten habe – und droht mit juristischen Konsequenzen: Ströer werde verschiedene rechtliche Maßnahmen ergreifen und stehe bereits mit den zuständigen Behörden im Austausch, droht der Konzern.

Ströer betont außerdem erneut die positive Geschäftsentwicklung. Im ersten Quartal werde beim organischem Wachstum die eigene Guidance mit 11,5 Prozent klar übertroffen. In der kommenden Woche werden die Zahlen des ersten Quartals veröffentlicht. Es wird keine gewöhnliche Zahlenvorlage werden, so viel steht bereits fest.

Viel ausrichten kann Ströer mit seinem Konter bislang freilich nicht: Das Vertrauen der Investoren in das Unternehmen scheint zwar langsam zurückzukehren, doch stetig ist die Erholung nicht. Nachdem der Aktienkurs nach der Attacke von rund 53 auf 39 Euro eingebrochen war, erholte sich der Kurs zwischenzeitlich auf bis zu 47 Euro. Doch als Ströer die ausführliche Stellungnahme veröffentlichte, rutsche der Kurs erneut auf rund 44 Euro ab – die Nervosität der Investoren ist groß.

Ströer wird darauf hoffen, dass sich der Kurs mittelfristig wieder ganz erholt, doch das könnte sich als schwierig erweisen. Wirecard – ein anderes Unternehmen, das jüngst Ziel einer schweren Hedgefonds-Attacke wurde – konnte das bisher nicht erreichen. Der Aktienkurs von Wirecard dümpelt rund 30 Prozent unter dem Kursniveau, das das Technologie-Unternehmen kurz vor der Short-Attacke behauptet hatte.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Info

Ströer steckt mittendrin in der Hedgefonds-Attacke, Wirecard befindet sich schon in der Aufbereitung. Wie das Management mit der Situation umgeht und welche Folgen sie für die aktuellen Unternehmenspläne hat, lesen Sie in einem ausführlichen Interview mit Wirecard-CFO Burkhard Ley in der kommenden Ausgabe des FINANCE-Magazins am 6. Mai.

antonia.koegler@finance-magazin.de | + posts

Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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