Dem Private-Equity-Investor Permira gelingt mit dem Börsengang Teamviewers die Vereineinhalbfachung seines Einsatzes: Für 870 Millionen eingestiegen, für 2,2 Milliarden Euro zu 42 Prozent ausgestiegen.

Deutsche Börse

25.09.19
Finanzierungen

Teamviewer-IPO beschert Permira Milliardengewinn

Permira erlöst beim Teamviewer-Börsengang rund 2,2 Milliarden Euro. Damit holt der Finanzinvestor das rund 1,5-fache seines Einsatzes wieder rein – und bleibt dabei immer noch größter Aktionär der Schwaben.

Dem Finanzinvestor Permira ist mit dem heutigen Börsengang in Frankfurt des Softwarehauses Teamviewer ein Husarenstück gelungen: Der Börsengang spielt rund 2,2 Milliarden Euro in die Taschen des britischen Private-Equity-Hauses, das vor fünf Jahren nur 870 Millionen Euro für Teamviewer bezahlte.
 
Unter dem Strich verdient Permira mit diesem Teil-Exit bereits jetzt das rund 1,5-fache seines Einsatzes und bleibt dabei mit 58 Prozent weiterhin größter Anteilseigner des Unternehmens aus Göppingen. Seine Anteile dürfte der Investor künftig nach und nach abgeben. Der Streubesitz liegt demnach bei 42 Prozent.

Nach Ausübung der Erweiterungsoptionen (Greenshoe Option) platzierten die Schwaben 84 Millionen Aktien im Prime Standard. Diese stammen komplett aus dem Portfolio der Gesellschaft TigerLuxOne, hinter der mehrheitlich der britische Finanzinvestor steht.

Teamviewers Emissionsvolumen fast am Maximum

Teamviewer hat die erwartete Preisspanne aber nicht ganz ausgenutzt: Die rund 84 Millionen Aktien wurden zu je 26,25 Euro ausgegeben, die Spanne lag zwischen 23,40 und 27,25 Euro. Insgesamt wird Teamviewer mit 5,25 Milliarden Euro an der Börse bewertet und kann damit mit vielen MDax-Unternehmen mithalten. Zum Börsenstart notiert das neue Papier noch leicht negativ bei aktuell um die 26 Euro.

Der Börsengang wurde von Goldman Sachs und Morgan Stanley als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners sowie der Bank of America Merrill Lynch und Barclays als Joint Bookrunners und RBC Capital Markets als Co-Lead Manager begleitet. Das Beratungshaus Lilja & Co. agierte als IPO-Berater.

Teamviewer feiert Börsengang und Umsatzwachstum

Mit der Software des Unternehmens lassen sich Computer verbinden, beispielsweise zur Fernwartung, zur Fernsteuerung von Maschinen oder für Online-Konferenzen. Teamviewer war im vergangenen Jahr dazu übergegangen, die Nutzung seiner Software auf ein Abo-Modell umzustellen und adressiert seitdem verstärkt Großkunden.

Permira-Deutschland-Chef Jörg Rockenhäuser zeigt sich ob des gelungenen Börsengangs hocherfreut: „Das gesamte Teamviewer-Team kann sehr stolz darauf sein, was es erreicht hat. Solch ein Erfolg fällt nicht vom Himmel.“ Rund 300 Mitarbeiter sollen laut Unternehmensangaben auf dem Parkett live dabei sein – bei rund 800 Mitarbeitern also über ein Drittel der gesamten Belegschaft.

Grund zur Freude hat das Softwareunternehmen mit Sitz im schwäbischen Göppingen auch bei seinem erwartetem Umsatzwachstum: Im laufenden Jahr sollen abgerechnete Umsätze („Billings“) über 310 bis 320 Millionen Euro erreicht werden. Das wäre eine Steigerung um gut ein Drittel gegenüber 2018. Dieses Wachstumstempo solle „mittelfristig“ anhalten, erklärte das Unternehmen. Allerdings ist das Unternehmen mit über 754 Millionen Euro auch hoch verschuldet. Da die Erlöse aus dem IPO komplett an Permira gehen, kann Teamviewer damit auch keine Schulden tilgen.

Ist die IPO-Flaute zu Ende?

In einem Börsengang-armen Jahr ist Teamviewers IPO der bisher größte – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa: Laut der Nachrichtenagentur  Reuters hatte der italienische Zahlungsanbieter Nexi im April zwei Milliarden Euro eingesammelt, in Deutschland steht mit dem Börsengang der VW-Tochter Traton lediglich ein großer Börsengang zu Buche. Allerdings blieb die Lastwagensparte der Wolfsburger mit rund 1,5 Milliarden Euro hinter den Erwartungen zurück.

Zum Vergleich: Im Vorjahr zeigten sich die Unternehmen deutlich börsenfreudiger. Mit der Siemens -Gesundheitssparte Siemens Healthineers mit 4,2 Milliarden Euro und dem Bremsenhersteller Knorr-Bremse mit 3,85 Milliarden Euro fielen diese beiden Börsengänge deutlich größer aus.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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