Tom Tailor

13.12.18
Finanzierungen

Tom Tailor ist zurück im Krisenmodus

Tom Tailor kassiert bereits zum zweiten Mal die Jahresziele. Massive Abschreibungen bei der Krisentochter Bonita belasten auch das Eigenkapital. Gespräche mit den Banken und dem Großaktionär Fosun laufen.

Tom Tailor kommt nicht zur Ruhe: Der Modekonzern um CFO Thomas Dressendörfer muss bereits die zweite Gewinnwarnung des Jahres aussprechen. Als Grund nannte Tom Tailor Abschreibungen in Höhe von 120 bis 130 Millionen Euro auf die bereits seit Jahren kriselnde Tochtergesellschaft Bonita. Der Markenwert von Bonita werde sich somit zum Jahresende von derzeit rund 185 Millionen auf dann 55 bis 65 Millionen Euro reduzieren.

Die Hamburger intensivieren jetzt die Restrukturierungsmaßnahmen von Bonita. In diesem Zuge etabliert Tom Tailor unter anderem ein eigenes Vorstandsressort für die Tochtergesellschaft. Karsten Oberheide wird ab dem 1. Januar 2019 die Verantwortung für das neu geschaffene Ressort übernehmen. Zugleich prüft Tom Tailor den Verkauf der Krisentochter. Das sei mittelfristig eine Option, hieß es. Die Aktie des Konzerns brach heute Vormittag um 13 Prozent auf 2,36 Euro ein.

Ebitda-Marge von Tom Tailor geht seit Monaten zurück

Denn die schlechte Geschäftsentwicklung bei der Marke Bonita, die Tom Tailor 2012 gekauft hatte, drückt massiv auf das Ergebnis des Mutterkonzerns. Anfang des Jahres prognostizierten die Hamburger noch eine Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) von 10 Prozent.

Im September musste Tom Tailor diese Zahl auf 7,5 bis 8,5 Prozent nach unten korrigieren. Mit der aktuellen Gewinnwarnung senkte Tom Tailor den Wert erneut und geht nun für das Gesamtjahr nur noch von einer Ebitda-Marge von 6 bis 6,5 Prozent aus. Der Jahresumsatz soll – wie im September in Aussicht gestellt – weiterhin zwischen 840 Millionen und 860 Millionen Euros liegen und damit ebenfalls unter Vorjahresniveau.

Braucht Tom Tailor frisches Eigenkapital?

Mit der massiven Abschreibung auf den Bonita-Markenwert ziehen die Hamburger die Reißleine – allerdings nicht ohne sich zuvor die Rückendeckung der finanzierenden Banken und des Großaktionärs Fosun zu sichern. Die Chinesen, die mit rund 29 Prozent an Tom Tailor beteiligt sind, würden die Restrukturierung unterstützen, teilten die Hamburger mit. Die Belastung des Eigenkapitals und des Ebitda nehme man daher in Kauf, so CFO Dressendörfer: „Wir stellen uns damit stabiler für die Zukunft auf.“

Wie genau der Restrukturierungsprozess dabei aussehen soll, ist jedoch offen. Tom Tailor werde in den kommenden Wochen und Monaten in den Austausch mit den Banken und seinem Großaktionär gehen, erklärte eine Sprecherin gegenüber FINANCE. Ob dabei auch eine weitere Eigenkapitalspritze diskutiert werde, wollte sie nicht kommentieren.

Klar ist allerdings: Die Belastung ist hoch. Zwar werde die Wertberichtigung durch die Auflösung latenter Steuerverbindlichkeiten abgemildert, so die Sprecherin. Allerdings werde die Eigenkapitalquote von zuletzt 32 auf 22 bis 23 Prozent sinken. Tom Tailor hatte erst im Juni 2017 den Kapitalmarkt angezapft. An der 61-Millionen-Euro Kapitalerhöhung beteiligte sich damals auch Fosun.

Gewinnwarnung schockt Tom-Tailor-Aktionäre

Tom Tailor Holding Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Tom Tailor sieht Covenants nicht gefährdet

In der Folge schien sich der Konzern, der seit Jahren ein hartes Sparprogramm fährt und Filialen schließt, zu stabilisieren: Im April hatte CFO Dressendörfer dank der besseren Bilanzkennzahlen auch eine Kreditlinie über 400 Millionen Euro deutlich günstiger refinanzieren können. Das Bankkonsortium wurde damals von zwölf auf acht Banken deutlich reduziert. Die Führung liegt bei BNP Paribas, LBBW sowie Unicredit. Bis Ende 2020 will CFO Dressendörfer den Konzern entschulden.

Die Restrukturierungsbemühungen erleiden durch die massiven Abschreibungen nun einen herben Dämpfer. Die Kreditbedingungen wird das Unternehmen nach eigener Aussage aber weiterhin einhalten. „Wir haben keine Probleme mit den Covenants", erklärte die Sprecherin.

An den mittelfristigen Zielen hält Tom Tailor derweil fest: Bis 2021 strebt der Modekonzern ein durchschnittlich moderates einstelliges Umsatzwachstum an, bei einer Ebitda-Marge von 11 bis 13 Prozent. Weitere Details wird das Unternehmen auf einem Capital Markets Day im Mai 2019 vorstellen.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

Mehr über die Entwicklung des Hamburger Modehauses erfahren Sie auf unserer Themenseite zu Tom Tailor.

Bonita ist nicht das einzige Unternehmen in Schieflage. Mehr spannende Fälle finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Restrukturierung.