Vapiano will seine Expansion über einen Börsengang forcieren. Wie viele Anteile die Altgesellschafter dabei abgeben, steht aber noch nicht fest.

Vapiano

31.05.17
Finanzierungen

Vapiano will Börsengang für Expansion nutzen

Für Vapiano waren die vergangenen Monate nach negativer Presse und Personalrochaden nicht einfach. Nun will die Restaurantkette mit einem IPO Geld für weiteres Wachstum einsammeln.

Die Restaurantkette Vapiano plant den IPO. Das Unternehmen will möglichst noch in diesem Jahr sowohl neue als auch bestehende Aktien im Prime Standard der Frankfurter Börse platzieren. Vapiano gilt in Marktkreisen seit Längerem als Börsenaspirant.

Der Börsengang soll die ehrgeizigen Wachstumspläne der Restaurantkette beflügeln: Das Emissionsvolumen an neuen Aktien soll bei 85 Millionen Euro liegen. Zudem wollen die bestehenden Eigentümer Aktien im Rahmen einer Zweitplatzierung abgeben, deren Volumen steht aber noch nicht fest.

Vapiano zahlt mit Börsengang Gesellschafterdarlehen zurück

Seit 2011 ist der Tchibo-Erbe Günter Herz über seine Vermögensverwaltung Mayfair an Vapiano beteiligt, mit rund 44 Prozent der Anteile ist er derzeit größter Aktionär. Er will im Rahmen des IPOs keine Aktien verkaufen. Bis zu 1 Prozent der Aktien liegen beim Management, das seine Anteile ebenfalls behalten wird. Als Verkäufer bleiben damit die Wella-Erben Hans-Joachim und Gisa Sander, die über ihre Holding Exchange Bio 25 Prozent der Anteile halten, sowie der mit 30 Prozent beteiligte Mitgründer Gregor Gerlach.  

Den Börsengang will Vapiano für eine ehrgeizige Expansion nutzen: Das Unternehmen plant, den Großteil der Erlöse aus dem Angebot der neuen Aktien in das weitere Wachstum sowohl in neuen als auch in bestehenden Märkten zu investieren. Zudem will Vapiano ein nachrangiges Gesellschafterdarlehen über 10 Millionen Euro zurückzahlen.

Bis Ende 2020 will Vapiano die Anzahl der Restaurants deutlich auf 330 erweitern. Zu Vapiano gehören derzeit 185 Restaurants in 30 Ländern, die teilweise dem Unternehmen gehören und teilweise als Franchise-Restaurants geführt werden. Im Geschäftsjahr 2015, dem jüngsten, für das ein Konzernbericht im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde, war rund die Hälfte der damals 166 Restaurants im Franchise-Betrieb, etwa ein Drittel gehörte dem Unternehmen, der Rest wurde über Joint Ventures betrieben.

Vapiano kämpfte gegen Imageschaden

Für die Vapiano-Eigner wäre ein erfolgreicher IPO eine lang ersehnte Erfolgsmeldung, denn die Kette hatte in den vergangenen Monaten mit reichlich Gegenwind zu kämpfen: Von Ende 2015 an häuften sich kritische Presseberichte über lange Wartezeiten, hohe Mitarbeiterfluktuation und manipulierte Stundenzettel bei den Arbeitszeiten. Außerdem wurden Vorwürfe laut, die Hygienestandards und die Qualität der Speisen seien mangelhaft.

Zwar widersprach Vapiano dem zumindest teilweise. Doch der Schaden war angerichtet: Die Gesellschaft habe sich 2015 insgesamt „nicht ganz so“ entwickelt, wie geplant, räumt Vapiano im Geschäftsbericht 2015 ein, und führt dies auf die „negativen Pressemitteilungen“ im vierten Quartal zurück.

Zum Jahresanfang 2016 stellte Vapiano schließlich sein Top-Management neu auf: Lutz Scharpe übernahm die CFO-Position von Sven Steinkuhl, kurz zuvor hatte Jochen Halfmann den CEO-Posten von Gregor Gerlach übernommen. Auch der Aufsichtsratsvorsitz wechselte. 

Vapiano kann bei Börsengang auf hohe Bewertung hoffen

Vapiano selbst attestiert sich in seiner IPO-Ankündigung eine „beeindruckende finanzielle Erfolgsbilanz“. Der Gesamtumsatzerlös, der sowohl die die Umsatzerlöse der Restaurants in Eigenbesitz und der Joint Ventures als auch die von den Franchise-Restaurants gemeldeten Umsatzerlöse erfasst, stieg zwischen 2014 und 2016 jährlich um rund 8,7 Prozent auf 460,4 Millionen Euro.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag 2014 bei 23,4 Millionen Euro und 2016 bei rund 28,6 Millionen Euro. Rechnet man die im Jahresverlauf getätigten Zukäufe auf das Gesamtjahr hoch, hätte das bereinigte Ebitda bei 32,7 Millionen Euro gelegen.

Reuters hatte im November 2016 unter Berufung auf Insider berichtet, Vapiano könne mit der Emission einen Erlös von 200 Millionen Euro erzielen und inklusive Schulden mit 600 Millionen Euro bewertet werden. Das wäre mit einem Multiple auf das bereinigte Ebitda von etwa 20x eine stattliche Bewertung. Für ein Unternehmen mit Wachstumsgeschichte könnte dies im aktuellen Marktumfeld dennoch möglich sein. Das finale Emissionsvolumen wird davon abhängen, wie viele Aktien die Alteigner am Markt platzieren wollen und können.

Für den Börsengang sind die Barclays Bank, Berenberg und Jefferies als Joint Global Coordinators sowie gemeinsam mit der Unicredit als Joint Bookrunners mandatiert. Lazard ist Vapianos Finanzberater.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de