Was ist los bei Beate Uhse? Währungsverluste, Chefwechsel, ein verkaufender Großaktionär und jetzt auch noch eine Achterbahnfahrt der Anleihe beunruhigen die Investoren.

Beate Uhse

21.10.15
Finanzierungen

Beate-Uhse-Anleihe wird zum Spielball von Spekulanten

Ein Kursrutsch um 20 Prozent hat die Anleihe von Beate Uhse erschüttert. Seitdem treiben mutige Bondinvestoren den Kurs zwar wieder nach oben. Trotzdem drängt sich die Frage auf, wie solide das Unternehmen noch dasteht.

Neben dem anhaltenden Verfall des Aktienkurses – allein in den vergangenen drei Monaten ging es um rund 40 Prozent nach unten – ist nun auch die im Sommer 2014 platzierte Mittelstandsanleihe von Beate Uhse zum Spielball von Spekulanten geworden. Am Montag Nachmittag geriet das Papier, das bis dato meist oberhalb seines Nennwerts notiert hatte, schwer unter Druck.

Innerhalb weniger Minuten brach der Anleihekurs von 100 auf 80 Prozent des Nennwerts ein. Zwei größere Verkaufsorder waren für den Kurssturz verantwortlich. Unmittelbar danach setzte jedoch eine Erholung ein, die bis zum gestrigen Abend anhielt. Inzwischen notiert die Anleihe wieder bei 96 Prozent und damit nicht mehr nennenswert schwächer als vor dem Kurzzeit-Crash.

Die Beate-Uhse-Anleihe hat ein Volumen von 30 Millionen Euro, eine Laufzeit von fünf Jahren und wird mit 7,75 Prozent verzinst. Dank der erfolgreichen Neuausrichtung des Geschäftsmodells weg von der Schmuddel-Erotik hin zum gehobenen Einzel- und Großhandel mit Wäsche und Soft Toys gilt das börsennotierte Unternehmen als einer der solideren Emittenten am Mini-Bond-Markt.

Unicredit baut Beteiligung an Beate Uhse ab

Für die nun aufkommende Nervosität der Gläubiger dürfte die Kombination aus gleich mehreren negativen Nachrichten aus dem Unternehmen verantwortlich sein. Vor wenigen Wochen kündigte der langjährige CEO Serge van der Hooft seinen Rückzug von der Unternehmensspitze an. Zu den Gründen hielten sich die Flensburger bedeckt und verwiesen lediglich auf „persönliche Gründe“.

Aktuell leitet Finanzchef Kees Vlasblom übergangsweise den Konzern. Ende vergangener Woche gab Beate Uhse dann auch noch bekannt, dass der frühere Großaktionär Unicredit durch Aktienverkäufe seinen Anteil auf unter 3 Prozent reduziert hat.

Auch geschäftlich ist Beate Uhse von dem Kurs der steten Ergebnisverbesserung abgekommen, den das Unternehmen bei der Bondemission noch versprochen hatte. Nach einem schwachen ersten Halbjahr musste Vlasblom bei den Jahreszielen zurückrudern. Zwar hält das Management an dem ursprünglichen Prognosekorridor von 134 bis 139 Millionen Euro Umsatz und 2 bis 5 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) fest – aber nur noch am unteren Rand der Spanne. Vergangenes Jahr hatte Beate Uhse noch ein Ebit von 5 Millionen Euro erzielt, Im Jahr 2013 waren es 3,4 Millionen Euro.  

Beate-Uhse-CFO Kees Vlaslom kämpft an der Währungsfront

Im Lichte der schwachen Halbjahreszahlen erscheint das Festhalten an der Prognose in den Augen mancher Investoren recht optimistisch. Wegen des Rückzugs aus Norwegen und Italien ging der Umsatz nach sechs Monaten von 70 auf 65,5 Millionen Euro zurück. Im fortgeführten Geschäft erzielte Beate Uhse hingegen einen Umsatzanstieg von 1,6 Prozent. Die leichten Zuwächse wurden vor allem von der guten Performance der eigenen Einzelhandelsgeschäfte getrieben, die auf vergleichbarer Fläche ihren Umsatz um 5,3 Prozent ausbauten und damit den Großteil des deutschen Textilmarkts hinter sich ließen.

Trotzdem rutschte Beate Uhse in die roten Zahlen: Das Ebit ging von 1,5 auf minus 2,7 Millionen Euro zurück. Finanzchef Vlasblom begründete dies auch mit erhöhten Marketing- und Vertriebskosten, in erster Linie aber mit der Schwäche des Euros zum Dollar, die das Ergebnis mit 3,3 Millionen Euro belastet habe. Ein Maßnahmenpaket soll das FX-Problem lindern: Endverkaufspreise wurden erhöht, Lieferantenverträge nachverhandelt und das Hedging ausgeweitet.

Beate Uhse hat alle langfristigen Bankschulden getilgt

Zum Zeitpunkt der Bondemission bewertete die Ratingagentur Euler Hermes die Bonität von Beate Uhse mit BB-. Das Rating datiert allerdings aus dem Juni vergangenen Jahres, es wurden keine Folgeratings vereinbart. Die aktuelle Nettoverschuldung beträgt 24,6 Millionen Euro, die ausstehenden Bankkredite hat CFO Vlasblom mit Hilfe der Anleiheerlöse abgelöst.

Doch die Finanzlage droht sich zu verschlechtern. Im ersten Halbjahr sackte der operative Cashflow von 2,9 auf minus 3,1 Millionen Euro ab. 2014 schrieb Beate Uhse beim operativen Cashflow eine rote Null, 2013 lag er noch bei 7,4 Millionen Euro. Der Investitionsbedarf liegt bei rund 5 bis 7 Millionen Euro pro Jahr.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de