Nur 30 Millionen Euro will Beate Uhse am Mini-Bondmarkt einsammeln, dort aber dennoch „neue Maßstäbe“ setzen.

Beate Uhse

25.06.14
Finanzierungen

Beate Uhse tritt mit hohem Anspruch an

Nur 30 Millionen Euro will Beate Uhse am Mini-Bondmarkt einsammeln, dort aber dennoch „neue Maßstäbe“ setzen. Offenbar hat der neue Best Practice Guide der Deutschen Börse eine wichtige Rolle beim Design der Mittelstandsanleihe gespielt.

Mit einem hohen Anspruch tritt der Erotikkonzern Beate Uhse am Mini-Bondmarkt an. Mit der Mittelstandsanleihe, für die am nächsten Montag die Zeichnungsfrist beginnt, will das Unternehmen dort „neue Maßstäbe“ setzen. „Wir haben den Best Practice Guide der Deutschen Börse als Richtschnur genommen“, erklärte Beate-Uhse-CEO Serge van der Hooft gegenüber FINANCE. „Das halten wir für wichtig, damit wir den Bond erfolgreich platzieren können.“

Dass sich ein Emittent wie Beate Uhse mit einer starken Marke und hoher Bekanntheit im Retailmarkt so stark nach den Empfehlungen der Deutschen Börse richtet, hat in zweierlei Hinsicht Signalwirkung: Einerseits deutet es darauf hin, dass mehr und mehr Marktteilnehmer die Empfehlungen der Deutschen Börse, die anfangs nicht als großer Wurf angesehen wurden, mittlerweile ernst nehmen. Es lässt aber auch den Schluss zu, dass Beate Uhse nicht allein auf eine Platzierung im Retailmarkt setzt.

Die börsennotierte Beate Uhse AG erfülle die wichtigsten Vorgaben des Börse-Papiers, sagt CEO van der Hooft: Ein etabliertes, profitables Geschäftsmodell, ein hohes Geschäfts- und Bondvolumen sowie die Bereitschaft zur intensiven Kapitalmarktkommunikation. Dennoch muss Beate Uhse den potentiellen Investoren für die unbesicherte Anleihe mit fünfjähriger Laufzeit, die im Entry Standard der Frankfurter Börse gelistet werden soll, 7,75 Prozent Zinsen anbieten. Das Emissionsvolumen soll bis zu 30 Millionen Euro betragen. Begleitet wird die Bondplatzierung von dem Corporate-Finance-Haus Youmex.

Beate Uhse wuchert mit hohem Zinsdeckungsgrad

An den aktuellen Kennzahlen liegt der vergleichsweise hohe Kupon wohl nicht. Beate Uhse ist nach langen Jahren der Sanierung und Stabilisierung wieder auf einen Wachstumskurs eingeschwenkt, 2014 sollen Umsatz und Ebit gegenüber dem Vorjahr spürbar wachsen: Der Umsatz von 142 auf 145 bis 150 Millionen Euro, das Ebit von 3,4 auf 5 bis 7 Millionen Euro. Zudem wirft auch das neue Geschäftsmodell mit Fokus auf dem E-Commerce-Vertrieb von Wäsche und „Soft Toys“ gute Cashflows ab. Den aktuellen Zinsdeckungsgrad auf Basis des Ebitda gibt Beate Uhse mit 4,2 an. Auch nachdem die zusätzlichen Fremdmittel in der Bilanz eingebucht sind („post money“) soll der Wert nur unwesentlich tiefer liegen, wie es aus Emissionskreisen heißt. Die Nettoverschuldung des Unternehmens liegt aktuell bei 1,2x Ebitda.

Nichtsdestotrotz bewertet die Ratingagentur Euler Hermes die Kreditwürdigkeit des Unternehmens lediglich mit BB-. Der Grund laut van der Hooft: „Das liegt daran, dass Beate Uhse aus einer Restrukturierung kommt und diese Phase entscheidend für die Ratingeinstufung ist. Positive Zukunftsaussichten berücksichtigt Euler Hermes weniger.“ Ein Anleiherating liegt nicht vor.

Der prekäre ING-Kredit soll abgelöst werden

Das Traditionsunternehmen will mit der Emission vor allem seiner prekären Finanzierungssituation entkommen, die seit einem Covenantbruch im Jahr 2010 besteht. Rund ein Drittel des Emissionserlöses würde laut CEO van der Hooft reichen, um den Altkredit bei der ING zurückzuzahlen, der von der Bank täglich gekündigt werden könnte. Der Rest des frischen Geldes soll in die Modernisierung von Shops, Werbemaßnahmen und den Aufbau von Working Capital fließen.

Große Sprunginvestitionen seien hingegen nicht geplant, betont van der Hooft. Mit den noch in der Zeit vor der großen Unternehmenskrise aufgebauten Logistik- und Lagerkapazitäten des Unternehmens könne man nach Angaben des Beate-Uhse-Chefs sogar „fast den doppelten Umsatz abwickeln“.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de