Berentzen-CFO Ralf Brühöfner schwankt bei der Refinanzierung der Mittelstandsanleihe noch zwischen einem Konsortialkredit und einem Schuldschein.

Berentzen

26.10.16
Finanzierungen

Berentzen-CFO: „Wollen uns von der Anleihe befreien“

Nach dem Ausstieg des PE-Investors Aurelius arbeitet Berentzen-CFO Ralf Brühöfner an der Refinanzierung der Anleihe. Zwei Varianten sind noch im Rennen.

Vor wenigen Wochen hat der Finanzinvestor und Turnaround-Spezialist Aurelius sein letztes Aktienpaket an dem Getränkehersteller Berentzen verkauft. Neuer größter Aktionär ist mit 10 Prozent das niederländische Investmenthaus Monolith.

Mit dem Ausstieg von Aurelius endete auch für CFO Ralf Brühöfner die achtjährige Zusammenarbeit mit dem PE-Haus. „Mit dem Ausstieg von Aurelius ist der Turnaround für uns endgültig abgeschlossen“, sagte der Finanzchef gegenüber FINANCE. „Wir sind längst nicht mehr das Krisenunternehmen aus 2008.“

Berentzen kehrt Mini-Bond-Segment wohl den Rücken

Seinerzeit stand das vor allem für seine Liköre bekannte Berentzen kurz vor der Pleite. Nach einem harten Sparkurs steigen die Umsätze seit einigen Jahren nun kontinuierlich wieder an – zuletzt auf knapp 160 Millionen Euro. Berentzen setzt mittlerweile auch auf nicht-alkoholische Getränke und industriell verwendete Saftpressen. 2015 erwirtschaftete Berentzen einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 7,8 Millionen Euro. Die jährlichen Zinszahlungen für die mit 6,5 Prozente verzinste, 50 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe deckt dieser Betrag locker ab.

Viel Zeit zum Resümieren hat Finanzchef Brühöfner nicht: Denn im Oktober 2017 läuft die Mittelstandsanleihe aus dem Jahr 2012 aus. Die vorletzte Zinszahlung erfolgte vergangene Woche. „Wir befinden uns mitten im Projekt der Refinanzierung“, erzählt Brühöfner.

Dem durch diverse Pleiten in Verruf geratenen Mini-Bond-Segment wird der CFO mit aller Wahrscheinlichkeit den Rücken kehren: „Grundsätzlich halte ich die Anleihe für ein gutes Finanzierungsinstrument“, sagt er. „Doch der Markt ist sehr schwierig. Als solides Unternehmen will man mit der Mittelstandsanleihe heute nicht mehr unbedingt in Verbindung gebracht werden. Wir wollen uns von dieser Konnotation befreien.“ Unterschriftsreif sei noch nichts, in der engeren Auswahl für die Refinanzierung sind noch ein Konsortialkredit und ein Schuldscheindarlehen. Ende dieses Jahres oder Anfang 2017 will sich Brühöfner entscheiden.

Berentzen-CFO Ralf Brühöfner will Zinskosten vierteln

Berentzen wird die Anleihe nicht komplett refinanzieren, sondern lediglich zu 25 Millionen Euro. Das Geld aus dem Mini-Bond hatten die Emsländer nur zu etwa einem Drittel genutzt. Berentzen wollte mit den Mitteln M&A-Deals finanzieren, doch man fand nicht genug attraktive Targets. Am Ende kaufte Berentzen nur den österreichischen Saftpressenspezialist TMP für knapp 17 Millionen Euro.

Durch das Niedrigzinsumfeld erhofft sich der Finanzchef eine enorme Ersparnis bei den Finanzierungskosten: „Wir werden ab 2018 nicht einmal mehr die Hälfte an Zinsen zahlen.“ Dadurch, dass das Volumen halbiert wird und die Zinsen ebenfalls, dürften die jährlichen Finanzierungskosten für diesen Teil der Gesamtfinanzierung von derzeit 3,3 auf unter 1 Million Euro fallen.

Beim Thema M&A hält sich Ralf Brühöfner indes bedeckt: „Wir haben eine Strategie, sind bei der Umsetzung aber eher opportunistisch. Ein Zukauf muss kaufmännisch Sinn ergeben“, sagt der Finanzchef. Angesichts der stark gestiegenen Kaufpreise eine hohe Hürde, vor der Berentzen bislang meist zurückschreckte. Ob Berentzen tendenziell eher im Bereich Likör oder bei Säften zukaufen möchte? „Alle unsere Segmente haben unsere Aufmerksamkeit. Einen Schwerpunkt gibt es nicht“, sagt CFO Brühöfner.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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