Thomas Gutschlag (rechts) bei FINANCE-TV: Weniger Risiko als bei der ersten Mittelstandsanleihe.

FINANCE-TV

29.06.16
Finanzierungen

Deutsche Rohstoff AG verändert Bondstruktur

Mutiger Schritt der Deutschen Rohstoff AG: Inmitten des Brexit-Blues wollen die Heidelberger frische Millionen vom Bondmarkt. Den Investoren kommt CEO Thomas Gutschlag dafür weit entgegen.

Trotz der Turbulenzen, die der Brexit an den Kapitalmärkten ausgelöst hat, will die Deutsche Rohstoff AG die seit dem Frühjahr geplante Bondemission durchziehen. Bis zu 75 Millionen Euro will CEO und CFO Thomas Gutschlag am Mini-Bond-Markt einsammeln, zu einem Kupon von 5,625 Prozent. Diese Details gab das Unternehmen gestern Nachmittag bekannt. Emissionsbegleiter ist die ICF Bank.

Den vom Brexit und den diversen Mini-Bond-Skandalen ernüchterten Investoren muss Gutschlag bei den Anleihebedingungen im Vergleich zu seiner Anleiheemission von 2013 jedoch weit entgegenkommen. „Wir haben deutlich mehr Covenants als beim ersten Bond“, erklärte Gutschlag gegenüber FINANCE-TV. Dies sei auch den Vorkommnissen bei anderen Mini-Bond-Emittenten geschuldet. „Die Investoren wollen einfach, dass Sicherheitsnetze eingebaut werden.“ Aktuell wackelt mit KTG Agrar einer der größten Emittenten des Segments, und die Hintergründe der Schieflage sind dubios. Die Ausfallrate des gesamten Mini-Bond-Markts liegt inzwischen bei besorgniserregenden 20 Prozent und droht weiter zu wachsen.
     
Die Deutsche Rohstoff AG gehört freilich nicht zu den Sorgenkindern des Segments. Im Gegenteil: Mit den frischen Geldern will Gutschlag die noch ausstehenden 51 Millionen Euro des 2013 begebenen Bonds vorzeitig zurückzahlen – zu einem Kurs von 103 Prozent. Nach dem sehr lukrativen Verkauf des US-Ölgeschäfts im April 2014 hatte sich dieses Vorhaben schon länger angedeutet. Wird die Emission ein Erfolg, bekäme Gutschlag außerdem die Möglichkeit, die Neuauflage des Erfolgsprojekts in den USA schneller voranzutreiben. Aktuell bohren zwei Töchter der Deutschen Rohstoff AG dort erneut nach Öl, die Förderung soll im August beginnen.   

CEO Thomas Gutschlag will Öl und Dollar diesmal absichern

Echten High-Yield-Standard erreichen die Covenants der neuen Anleihe zwar auch dieses Mal nicht. Aber für Mini-Bond-Verhältnisse sind sie durchaus substantiell: So wird in den Anleihebedingungen nicht nur eine Mindesteigenkapitalquote von 25 Prozent vorgeschrieben. Darüber hinaus muss der Wert der Öl- und Gasreserven zuzüglich der liquiden Mittel das Anleihevolumen stets übersteigen. „Sonst erhöht sich der Zinssatz“, sagte Gutschlag. Auch was den Cashflow angeht, kommt der langjährige CFO, der im vergangenen Jahr zum CEO aufstieg, den Investoren entgegen: „Es gibt eine Verpflichtung, dass unsere Töchter immer so viel ausschütten müssen, dass die Konzernmutter Zins und Tilgung leisten kann“, ergänzte Gutschlag.

Nicht nur finanziell, sondern auch operativ will Gutschlag das Risiko senken. Profitierte die Deutsche Rohstoff AG bei ihrem ersten großen US-Projekt „Tekton Energy“ wegen des bewussten Verzichts auf Absicherungsgeschäfte noch sowohl vom Ölpreisboom als auch von der späteren Rallye des US-Dollars, setzt Gutschlag diesmal auf aktives Hedging: „Teile unserer Ölproduktion werden wir hedgen, um die Downside zu begrenzen“, sagte er und bezifferte den Hedging-Anteil auf 50 bis 60 Prozent. Dies soll seiner Aussage zufolge reichen, um die Bondinvestoren zu schützen, da die Wirtschaftlichkeit der Bohrprojekte selbst bei einem Preisrückgang auf 30 Dollar pro Barrel noch gegeben sei.

Auch den Euro-Dollar-Kurs will Gutschlag diesmal absichern und nicht mehr – wie nach dem Verkauf von Tekton sehr erfolgreich durchexerziert – auf eine weitere Aufwertung des Greenbacks zu spekulieren. Insgesamt erzielte die Deutsche Rohstoff nach dem Tekton-Verkauf laut Gutschlag Währungsgewinne von rund 20 Millionen Euro.

Anleihe-Call der Deutschen Rohstoff AG noch nicht sicher

Die Investoren der ersten Anleihe dürften genau verfolgen, ob sich die Deutsche Rohstoff AG tatsächlich erfolgreich gegen den Brexit-Blues stemmen kann. Denn Priorität genießen laut Gutschlag die Investitionen in den USA. Sollte die Bondemission fehlschlagen, müsste er daher wahrscheinlich auf den geplanten Call der Altanleihe verzichten.

Der Markt scheint dieses Risiko als gering einzuschätzen. Die Anleihe notierte zuletzt bei 104 Prozent und damit sogar oberhalb des vorzeitigen Rückzahlungspreises. Die bestehenden Anleiheinvestoren bekämen sogar diese 104 Prozent, wenn sie die alte gegen die neue Anleihe eintauschen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wer ist der Mann hinter der Deutschen Rohstoff AG? Erfahren Sie mehr über Vita und Karriere von Thomas Gutschlag bei FINANCE-Köpfe.

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