Grammer könnte finanzielle Hilfe von der KfW erhalten.

Grammer

08.06.20
Finanzierungen

Finanzierungen: Grammer, Hertha BSC, Enercon

Grammer verhandelt über eine neue Kredittranche, dem Bundesligaklub Hertha BSC Berlin winken möglicherweise neue Millionen und Enercon schließt eine milliardenschwere Finanzierung ab – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

Grammer verhandelt über KfW-Kredit

Der Autozulieferer Grammer ist dabei, mit seinen Konsortialbanken über eine dritte Tranche des bestehenden syndizierten Kredits zu verhandeln. Die Gespräche seien „fortgeschritten“. Die zusätzliche Linie soll den Kreditrahmen um 235 Millionen Euro erhöhen. Damit will Grammer in der aktuell durch die Corona-Pandemie außergewöhnlichen Lage die eigene finanzielle Stabilität sichern. Auch die KfW wird sich neben den Kernbanken als direkter Kreditgeber beteiligen.

Grammer plant zudem, im zweiten Halbjahr eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht durchzuführen, um das Eigenkapital um mindestens 40 Millionen Euro zu stärken.

Erneute Finanzspritze für Hertha BSC?

Der Fußball-Bundesligist Hertha BSC Berlin könnte Medienberichten zufolge im Herbst ein weiteres Finanzpaket von Investor Lars Windhorst erhalten. Dem Magazin „Sport Bild“ und der „Bild“-Zeitung zufolge haben sich die Verantwortlichen des Hertha BSC mit dem Unternehmer auf eine Zahlung von 150 Millionen Euro geeinigt.  In trockenen Tüchern ist der Deal aber offenbar noch nicht, über Details werde noch verhandelt, heißt es in Medienberichten.

Durch die Finanzspritze würden sich die Anteile von Windhorst an dem Bundesligaklub auf rund 60 Prozent erhöhen. Im Sommer 2019 war er über seine Beteiligungsgesellschaft Tenor für insgesamt 224 Millionen Euro mit 49,9 Prozent beim Hertha BSC eingestiegen

Enercon schließt Finanzierung ab

Der Windenergieanlagenbauer Enercon hat mit seinen finanzierenden Banken eine langfristige Finanzierung über 1,15 Milliarden Euro abgeschlossen. Diese umfasst neben einem bestehenden Kredit auch eine neue Garantielinie. Die Laufzeit der Vereinbarung gilt zunächst bis Ende 2023. Das finanzierende Bankenkonsortium wird geführt von Commerzbank, Deutsche Bank, ING sowie KfW IPEX. Rechtlich wurde Enercon bei der Transaktion von Allen & Overy (Federführung: Walter Uebelhoer) beraten.

Weitere Meldungen

Der Bremer Raumfahrt- und Technologiekonzern OHB hat einen neuen Kredit abgeschlossen, der das bereits bestehende Darlehen vorzeitig ablöst. Demnach wurde das Kreditvolumen im Zuge der Refinanzierung von 225 Millionen auf 300 Millionen Euro erhöht. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre und kann zwei Mal um jeweils ein Jahr verlängert werden. Zu dem begleitenden Bankenkonsortium zählten unter anderem BayernLB, Commerzbank, Deutsche Bank, LBBW, Unicredit und Helaba. Zudem wurde OHB bei der Transaktion von der Finanzberatung Herter & Co. sowie der Kanzlei Taylor Wessing beraten.
 
Das Biotechnologieunternehmen Brain hat rund 1,8 Millionen neue Aktien im Rahmen einer Barkapitalerhöhung ausgegeben und rund 15 Millionen frisches Wachstumskapital eingesammelt. Die neuen Aktien sind im Wege eines beschleunigten Platzierungsverfahrens zu einem Preis von 8,30 Euro bei institutionellen Investoren platziert worden. Auch der Hauptaktionär hat sich an der Kapitalerhöhung beteiligt, teilt Brain mit. Die frischen Mittel will das Unternehmen für die Weiterentwicklung einer Produktpipeline sowie für die Finanzierung von Akquisitionen und den Ausbau des Produktionsnetzwerks verwenden.

Das Pharmaunternehmen Medios hat eine Kapitalerhöhung abgeschlossen und einen Bruttoerlös von etwa 53 Millionen Euro eingesammelt. Knapp 1,5 Millionen neue Aktien wurden unter Ausschluss des Bezugsrechts zu einem Preis von 36,70 Euro platziert. Der Erlös soll dazu verwendet werden, das organische und anorganische Wachstum des Unternehmens zu finanzieren.

Leclanché, ein Schweizer Anbieter von Energiespeicherlösungen, hat die zweite Tranche der Wandelanleihe gezogen, die das Unternehmen im Februar mit der US-Investmentfirma Yorkville Advisors Global unterzeichnet hat. Der Erlös soll für den Betrieb und die Expansion von Leclanché verwendet werden.

Die Deutsche Bank hat erstmals den Markt für Green Bonds angezapft. Das Geldinstitut platzierte einen Bond über 500 Millionen Euro, der mit 1,375 Prozent verzinst wird. Mit dem Erlös will die Deutsche Bank nachhaltige Projekte, zum Beispiel den Ausbau Erneuerbarer Energien, refinanzieren.

Ratingmeldungen

Moody’s hat das Rating des Zahlungsdienstleisters Wirecard  unter Beobachtung für eine mögliche Herabstufung gesetzt. Bisher wurden die Münchener mit Baa3 bei stabilem Ausblick bewertet. Als Begründung führt Moody’s die anhaltenden Unsicherheiten „in Bezug auf die Vorwürfe über betrügerische Rechnungslegungspraktiken“ an. Wirecard hatte seine Bilanzvorlage Ende Mai erneut verschieben müssen.

Moody’s hat die Ratings der Autobauer Volkswagen bei A3, BMW bei A2 und Daimler bei A3 bestätigt. Gleichzeitig änderte die Agentur die Ausblicke auf negativ. Zuvor standen sie unter Beobachtung für eine mögliche Herabstufung. Die negativen Ausblicke spiegeln die potentiell schwerwiegenden Auswirkungen wider, die das Coronavirus auf die operative Perfomance und die Kreditkennzahlen der Unternehmen haben könnte, so Moody‘s.

Moody’s bestätigt das Rating der Demire Deutsche Mittelstand Real Estate bei Ba2 mit stabilem Ausblick. Die Agentur begründet diese Entscheidung mit einem verringerten Verschuldungsniveau, sich positiv entwickelnden Portfoliokennzahlen und größeren finanziellen Sicherheiten des Unternehmens.

Moody’s hat das Rating des Werkstoffherstellers Covestro von Baa1 auf Baa2 herabgestuft. Den Ausblick änderte die Agentur zudem von „unter Beobachtung“ auf negativ. In der Begründung verweist Moody’s auf die Verschlechterung des Finanzprofils von Covestro.

Euler Hermes hat das Investmentgrade-Rating des Nutzfahrzeugzulieferers SAF-Holland bei BBB bestätigt. Positiv bewertet die Agentur derzeit die nachhaltigen Wachstumsperspektiven sowie die führenden Marktpositionen von SAF-Holland in den Kernmärkten und -segmenten in Europa und Nordamerika. Für die kommenden zwölf Monate erwartet Euler Hermes jedoch eine negative Entwicklung des Ratings. Als Gründe dafür werden eine abschwächende Branchenkonjunktur, der Handelskonflikt zwischen China und den USA sowie die Folgen der Corona-Pandemie angeführt.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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