Finanzierungen: Hapag-Lloyd schließt einen Konsortialkredit über 372 Millionen US-Dollar ab.

Hapag-Lloyd

05.10.15
Finanzierungen

Finanzierungen: Hapag-Lloyd, Rheinmetall, Deutsche Börse

Hapag-Lloyd erhält eine Schiffsfinanzierung über rund 370 Millionen US-Dollar, Rheinmetall hat einen Kredit über 500 Millionen Euro erneuert und die Deutsche Börse platziert einen Bond über 500 Millionen Euro. Diese und weitere Neuigkeiten aus der Welt der Unternehmensfinanzierung erwarten Sie im wöchentlichen FINANCE-Ticker.

Hapag-Lloyd schließt Schiffsfinanzierung ab

Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, die derzeit ihren IPO plant, hat einen Konsortialkredit über 372 Millionen US-Dollar (rund 329 Millionen Euro) erhalten. Mit dem Kredit will die Reederei fünf neue Schiffe finanzieren, deren Gesamtinvestitionsvolumen sich auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in US-Dollar beläuft. Die Kreditlaufzeit beträgt 12 Jahre. Das Konsortium führen Crédit Agricole, DNB, HSBC und Unicredit. Die koreanischen Exportkreditversicherer K-sure und Kexim sichern die Finanzierung mit Garantien ab, da die Schiffe in einer koreanischen Werft gebaut werden.

Neben dem neuen Kredit hat Hapag-Lloyd außerdem seine von dem Konsortium bereitgestellte revolvierende Kreditlinie von 95 Millionen auf 200 Millionen US-Dollar aufzustocken, um die Liquiditätsreserve zu stärken. Auch die Konditionen für bestehende Schiffsfinanzierungen konnten neu verhandelt werden, womit die Zinslast über die verbleibende Laufzeit nach Unternehmensangaben um rund 40 Millionen US-Dollar sinkt.

Rheinmetall erneuert Kredit über 500 Millionen Euro

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat einen bestehenden Konsortialkredit über 500 Millionen Euro abgelöst. Der neue syndizierte Kredit läuft über fünf Jahre und kann zwei Mal um je ein Jahr verlängert werden. Arrangiert wurde die Finanzierung von der Commerzbank, Crédit Agricole und der Norddeutschen Landesbank.

Zehn weitere Banken haben sich an dem Kredit beteiligt, die Finanzierung war nach Angaben von Rheinmetall überzeichnet. Weitere Details zu den Konditionen sind nicht bekannt. Der Konzern nutzt den Kredit zur allgemeinen Unternehmensfinanzierung, unter anderem als Back-up-Fazilität für das 500 Millionen Euro umfassenden Commercial-Paper-Programm.

Deutsche Börse platziert neuen Bond

Die Deutsche Börse hat eine Unternehmensanleihe mit einem Volumen von 500 Millionen Euro platziert. Die Senioranleihe mit einer Laufzeit bis 2025 wird jährlich mit 1,625 Prozent verzinst. Die Erlöse sollen zur Finanzierung des Erwerbs der 360T beitragen. Mit der Transaktion ist die langfristige Finanzierung des Deals abgeschlossen. Die Schuldverschreibungen werden im regulierten Markt der Luxemburger sowie der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet. Die Platzierung leiteten Goldman Sachs, J.P. Morgan und UBS als Joint Bookrunner.

HHLA begibt ersten Schuldschein

Das Logistikunternehmen Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) hat sein erstes Schuldscheindarlehen mit einem Volumen von 75 Millionen Euro platziert. Mit dem Erlös soll ein höher verzinstes Gesellschafterdarlehen des Immobilien-Teilkonzerns abgelöst und die weitere Immobilienentwicklung finanziert werden. Nach Angaben von HHLA war das Angebot mehr als dreifach überzeichnet. CFO Roland Lappin, der kürzlich seinen Vertrag bei HHLA verlängert hat, konnte daher das Schuldscheindarlehen von ursprünglich 50 Millionen Euro aufstocken. Die Laufzeit der Papiere liegt zwischen sieben und 15 Jahren.

SKW führt Kapitalerhöhung nicht durch

SKW Stahl-Metallurgie wird die im Juni beschlossene Kapitalerhöhung nicht durchführen. Die Rahmenbedingungen auf den Stahl- und Kapitalmärkten hätten sich deutlich verändert. Die Geschäftsgrundlagen, auf denen der Beschluss basiert, seien daher nicht mehr gegeben. Eigentlich wollte das Unternehmen rund 6,5 Millionen neue Aktien ausgeben.

Im August musste SKW Stahl Metallurgie einen Gewinnwarnung für dieses Jahr ausgeben. Zu dem Zeitpunkt wurde bereits diskutiert, ob die geplante Kapitalerhöhung überhaupt oder in der geplanten Höhe stattfinden könnte.

Bayer muss für Covestro-IPO Geld nachschießen

Beim Börsengang seiner Kunststoff-Tochter Covestro muss Bayer seine Erwartungen senken. Wegen geringer Nachfrage hat der Chemie- und Pharmakonzern die Preisspanne von 26,50 bis 35,50 Euro auf 21,50 bis 24,50 Euro je Aktie gesenkt. Auch das Emissionsvolumen setzt der Konzern jetzt deutlich niedriger an: Statt 2,5 Milliarden Euro rechnet Bayer nur noch mit 1,5 Milliarden Euro. Die fehlende Milliarde wird Bayer per Barkapitaleinlage ausgleichen, um für Covestro ein Investmentgrade-Rating zu erhalten. Der Börsengang wurde auf den 6. Oktober verschoben.

Börsengang von Scout24 bringt 228 Millionen Euro ein

Das Internetportal Scout24 hat es an die Börse geschafft. Die Preis lag bei 30 Euro pro Aktie und damit in der Mitte der zuvor angestrebten Preisspanne. Der erste Börsenpreis lag am Donnerstagvormittag sogar bei 30,75 Euro. Der Bruttoerlös liegt bei 228 Millionen Euro. Die wichtigste Eigentümer sind die PE-Investoren Hellman & Friedman und Blackstone.

38,64 Millionen Aktien haben die bisherigen Eigentümer platziert. Davon kommen 7,6 Millionen aus einer Kapitalerhöhung, 26 Millionen Aktien stammen aus der Hand der bisherigen Eigentümer. Das Gesamtangebotsvolumen liegt bei vollständig ausgeübter Mehrzuteilung bei rund 1,16 Milliarden Euro. Scout24 kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 3,2 Milliarden Euro. Beraten wurde das Unternehmen beim Börsengang durch die Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller. Die Deutsche Telekom, die sich ebenfalls von Anteilen trennte, wurde von Hogan Lovells beraten.

Weitere Finanzierungen

Die Deutsche Forfait konnte nicht alle Anleger überzeugen: Nicht nur, dass Investorengespräche bis Ende September erfolglos blieben, es haben sich auch nicht genügend Anleihegläubiger bereit erklärt, ihre Papiere für die Hälfte des Nennwerts zu verkaufen. Es gingen nur Verkaufsangebote im Volumen von 2,5 Millionen Euro ein – erforderlich wäre aber das Doppelte. Nun will die Deutsche Forfait die Restrukturierung in einem Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung weiterführen, um zumindest für drei Monate vor Zwangsvollstreckungen sicher zu sein. Das Amtsgericht Köln hat Jörg Nerlich für diese Phase zum Sachwalter ernannt. Die Deutsche Forfait wird rechtlich BBL Bernsau Brockdorff beraten.

Der Agrarhandelskonzern Baywa will in diesem Herbst sein viertes Schuldscheindarlehen mit einem Volumen von rund 200 Millionen Euro begeben, sagte der Finanzchef des Unternehmens, Andreas Helber, gegenüber der Börsenzeitung. Damit will das Unternehmen seine Finanzierung langfristiger ausrichten und günstige Zinskonditionen nutzen. Das Geld soll unter anderem für Projekte im Bereich erneuerbare Energien genutzt werden. Im vergangenen Jahr hat der Konzern einen Schuldschein über 383 Millionen Euro begeben.

Das Fintech-Unternehmen Kreditech hat im Rahmen einer Serie-C-Finanzierungsrunde 82,5 Millionen Euro eingeworben. Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von J.C. Flowers. Es beteiligten sich die bestehenden Investoren Värde Partners, HPE Growth Capital und Blumberg Capital. Neu eingestiegen sind Peter Thiel und der PE-Investor Amadeus Capital Partners. Amadeus wurde bei der Transaktion durch die Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing beraten.

Die auf Fenster- und Türbeschläge spezialisierte VBH Holding plant eine Barkapitalerhöhung mit Bezugsrecht über bis zu 26,5 Millionen Euro. Die neuen Aktien werden zu je 1,30 Euro ausgegeben, das Bezugsverhältnis beträgt 3:4. Nicht bezogene Aktien will das Unternehmen nach Ende der Bezugsfrist an die Ascalon Holding sowie zum Teil an die Allerthal-Werke verkaufen.

Volkswagen Leasing hat zwei Verbriefungstransaktionen verlängert. Das erste Programm hat ein Volumen von insgesamt rund 7 Milliarden Euro für Leasing-Forderungen. Die zweite Tranche umfasst Leasingfahrzeug-Restwerte in Höhe von rund 3 Milliarden Euro. Für alle Serien wurden außerdem Zinsswaps abgeschlossen. Bei Verbriefungen mit einem Volumen von rund 3 Milliarden Euro beriet die Kanzlei Hogan Lovells den Konzern, das Team leitete Sven Brandt.

German Pellets, ein Hersteller von Holzpellets, begibt einen Genussschein. Die Verzinsung liegt in den ersten sechs Jahren bei 8 Prozent, danach wird der Zins bis 2039 auf Basis des 6-Jahres-Zinsswaps zuzüglich 10 Prozent erhöht. Inhaber der Anleihe 2011/16 sowie der 2010 emittierten Genussrechte der German Pellets Genussrechte steht außerdem der Umtausch frei. Mit den Erlösen sollen die Mittelstandsanleihe refinanziert sowie die Direktvermarktung und das Marketing des Unternehmens ausgebaut werden.

Weitere Finanzierungsnachrichten

Der gewerbliche Immobilienfinanzierer BF.Direkt plant künftig als Co-Investor bei Mezzanine-Club-Deals aufzutreten. Das Angebot soll sich unter anderem an Family Offices und semi-institutionelle Investoren richten. Bislang war das Unternehmen schon als Berater bei Mezzanine-Transaktionen tätig. Die neuen Engagements sollen über das Tochterunternehmen BF.Services getätigt werden.

Ratingmeldungen

Die Ratingagentur Scope hat den Status der Deutschen Forfait im Zusammenhang mit dem angekündigten Schutzschirmverfahren von SD auf D geändert. Die weiteren Ereignisse stehen unter Beobachtung.


antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Einen Überblick über die Finanzierungen der vergangenen Wochen und Monate finden Sie auf unserer Themenseite Unternehmensfinanzierung.