Der Modehändler Mytheresa treibt seinen US-Börsengang voran.

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04.01.21
Finanzierungen

Finanzierungen: Mytheresa, Ceramtec, Benteler

Mytheresa macht mit seinen Börsenplänen ernst, Ceramtec stockt seine Kreditlinie auf, und der kriselnde Autozulieferer Benteler sichert seine Finanzierung: der wöchentliche FINANCE-Finanzierungsticker.

Mytheresa treibt IPO-Pläne voran

Der Online-Damenmodehändler Mytheresa hat seine Ende November publik gemachten Börsenpläne konkretisiert: Der Mutterkonzern MYT Netherlands hat offiziell die Dokumente für einen US-Börsengang bei der SEC eingereicht. Wie viele Aktien in welcher Preisspanne angeboten werden sollen, steht bislang noch nicht fest. Morgan Stanley und JP Morgan begleiten den Börsengang als Lead Book-Running Managers. Credit Suisse und UBS sind als Book-Running Managers an Bord. Jefferies begleitet die Transaktion als Co-Manager, Cowen als Passive Bookrunner.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte die Unternehmensbewertung von Mytheresa kürzlich auf 1 bis 1,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Ceramtec stockt Kreditlinie auf

Ceramtec, ein Anbieter von technischer Keramik mit 3.500 Mitarbeitern, hat seine seit 2017 bestehende Kreditfazilität um 175 Millionen Euro aufgestockt. Damit steigt das Gesamtvolumen des Kredits auf 1,37 Milliarden Euro. Die US-Banken Bank of America, Morgan Stanley und JP Morgan haben die Kreditlinie arrangiert, beraten wurde das Unternehmen bei der Finanzierung von der Kanzlei Freshfields (federführender Partner: Mario Hüther).

Ceramtec ist seit 2018 im Besitz des Private-Equity-Investors BC Partners, der Ceramtec damals für 2,6 Milliarden Euro vom Branchennachbarn Cinven übernahm. Cinven hatte mit dem Investment in Ceramtec seinen Kapitaleinsatz mehr als verdreifacht.  

Benteler sichert sich milliardenschwere Refinanzierung

Gute Neuigkeiten für den angeschlagenen Autozulieferer Benteler: Das Unternehmen hat seine Refinanzierung unter Dach und Fach bekommen. Medienberichten zufolge waren rund 30 Gläubigerbanken an den langwierigen Refinanzierungsverhandlungen beteiligt, betroffen sei eine Schuldenlast von insgesamt rund 1,8 Milliarden Euro. Das Unternehmen selbst äußerte sich weder zum Volumen der neuen Finanzierung, noch zu weiteren Details der Transaktion.

Der neue Finanzierungsvertrag hat eine Laufzeit bis Ende 2024. Laut „Handelsblatt“ erhält Benteler von seinen Banken zudem eine zusätzliche Kreditlinie in Höhe von 225 Millionen Euro. KfW-Kredite nutzt das Unternehmen eigener Aussage zufolge nicht. Der angeschlagene Zulieferer Benteler durchläuft schon seit 2018 eine umfassende Restrukturierung, die unter anderem eine verbesserte Kosteneffizienz sowie eine schlankere Organisation des Unternehmens mit sich bringen soll. Die Umsetzung der Sanierung überwacht seit einigen Monaten mit Arno Haselhorst ein CRO.

Nano Repro schließt Kapitalerhöhung ab

Das auf medizinische Schnelltests spezialisierte Unternehmen Nano Repro hat seine Ende November angekündigte Barkapitalerhöhung vollständig platziert. Die Kapitalerhöhung war dem Unternehmen zufolge „deutlich überzeichnet“. Bestehende Aktionäre konnten für 3,53 alte Aktien jeweils eine neue Aktie zeichnen. Innerhalb der Bezugsfrist konnten die Aktionäre die neuen Aktien zu 3,03 Euro je Aktie beziehen. Knapp die Hälfte der Aktien ging an Altaktionäre, der Rest wurde im Rahmen einer Privatplatzierung bei ausgewählten Investoren platziert. Der Nettoemissionserlös liegt bei rund 7,96 Millionen Euro und soll vorrangig für die Warenvor- und -zwischenfinanzierung von Corona-Schnelltests verwendet werden.

Weitere Meldungen

Der Touristikkonzern FTI hat erneut Hilfe des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) erhalten: Laut F.A.Z. stellt der WSF eine stille Einlage über bis zu 250 Millionen Euro bereit, erst vor zwei Monaten hatte FTI schon einmal staatliche Mittel über 235 Millionen Euro erhalten, damals in Form eines Nachrangdarlehens. Dem Unternehmen zufolge handelt es sich bei der jüngsten Finanzierung um eine „Vorsichtsmaßnahme“.

Die Schweizer Swiss Steel (vormals Schmolz + Bickenbach) muss aufgrund eines Aktionärsstreits Verzögerungen bei einer geplanten Kapitalerhöhung fürchten. Die Liwet Holding hat kurz vor Weihnachten eine Sperre für die Eintragung der Kapitalerhöhung erwirkt. Dieser hatten die Aktionäre zuvor bei einer Generalversammlung mit knapp 67 Prozent der vertretenen Stimmen zugestimmt. Das Aktienkapital soll von derzeit rund 304 Millionen Schweizer Franken auf knapp 459 Millionen Franken steigen. Die Kapitalerhöhung soll in der zweiten Januarhälfte 2021 vollzogen werden. Liwet muss bis Jahresanfang beim zuständigen Gericht eine sogenannte „begründete vorsorgliche Maßnahme“ beantragen, die Sperre wird aber auch ohne begründeten Antrag verhängt. Swiss Steel hält an der Kapitalerhöhung fest und bezeichnete das Vorgehen Liwets als „verantwortungslos“.

Die deutsche Identitätsprüfungsplattform IDnow hat eine Finanzierung über 15 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank (EIB) erhalten. Das Geld soll in Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie die internationale Expansion fließen. Norton Rose Fulbright (Federführung Marco Niehaus und Timo Noftz) hat die Europäische Investitionsbank beraten.

Der skandinavische Private-Equity-Investor FSN Capital hat sein Investment in die auf Anhängerkupplungen spezialisierte Rameder-Gruppe rekapitalisiert. Dafür stellt der Debt-Fonds Pemberton, der bereits die Übernahme Anfang 2019 finanziert hat, erneut eine Kreditfazilität bereit. Hengeler Mueller (Federführung Daniela Böning) hat FSN bei der Transaktion beraten. Finanzielle Details wurden nicht bekannt.

Das Legal-Tech-Unternehmen Right Now hat eine Finanzierung über 10,5 Millionen US-Dollar erhalten. Lead-Investoren sind der Risikokapitalgeber VR Ventures und das Family Office des Schwarzwälder Boten, das durch den VC-Investor Redstone beraten wurde. Right Now wurde von Goodwin (Federführung Gregor Klenk) beraten.

Das auf den Verleih von E-Rollern spezialisierte Start-up Emmy hat eine Finanzierungsrunde im niedrigen zweistelligen Millionenbereich abgeschlossen. Mit den neuen Mitteln, deren genaue Höhe nicht beziffert wurde, sollen 1.500 neue Roller angeschafft werden. Osborne Clarke (Federführung Till-Manuel Saur) hat das Unternehmen beraten.

Ratingmeldungen

Standard & Poor's hat das langfristige Rating des Energieversorgers Verbund bei A mit stabilem Ausblick belassen. Das Unternehmen hatte kürzlich 51 Prozent an Gas Connect Austria übernommen. Positiv beurteilt wurden einer Mitteilung zufolge die gute strategische Positionierung und die langfristig konservative Finanzpolitik des österreichischen Stromerzeugers.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Einen Überblick über die Finanzierungen der vergangenen Wochen und Monate finden Sie auf unserer Themenseite Finanzierungsticker.