Finanzchef Johann Schmid-Davis erklärt im Interview, wieso er sich zum dritten Mal für das Instrument Anleihe entschieden hat.

Hörmann Finance

23.05.19
Finanzierungen

„Ich hatte eine andere Wunschvorstellung vom Kupon“

Hörmann Industries begibt zum dritten Mal eine Mittelstandsanleihe. Warum CFO Johann Schmid-Davis weiterhin auf das in Verruf gerate Mini-Bond-Segment setzt, verrät er im Interview mit FINANCE.

Herr Schmid-Davis, Sie befinden sich derzeit auf Roadshow für Ihre dritte Mittelstandsanleihe, die am 6. Juni ausgegeben werden soll. Wofür benötigen Sie neues Fremdkapital?

Das Zielvolumen der neuen Anleihe 2019/2024 liegt bei 50 Millionen Euro und beinhaltet ein Umtauschangebot für die laufende Anleihe im Volumen von 30 Millionen Euro. Die eingeworbenen Mittel dienen der Refinanzierung eben dieser Anleihe 2016/2021, insofern das Umtauschangebot nicht von allen derzeitigen Inhabern angenommen wird. Außerdem wollen wir mit dem Kapital die Produktionsinfrastruktur im Geschäftsbereich Automotive optimieren und Akquisitionen in den Geschäftsbereichen Engineering und Services finanzieren.

Haben Sie einen Plan B, falls sie weniger als 50 Millionen Euro zusammenbekommen?

Es gibt schon Alternativen, aber in einen konkreten Plan B haben wir nicht viel Energie gesteckt. Wir haben noch unseren Puffer – unsere Nettofinanzmittel liegen bei über 77 Millionen Euro und wir haben einen Konsortialkreditrahmen von bis zu 30 Millionen Euro, den wir noch einlösen können.

Aber dennoch setzen Sie auf die in Verruf geratene Mittelstandsanleihe.

Aus meiner Sicht erlebt der Markt derzeit so etwas wie eine Renaissance und verlässliche Kapitalmarktteilnehmer werden bestätigt. Wegen des niedrigen Zinsumfelds ist jetzt einfach der richtige Zeitpunkt dafür. Außerdem ist für mich die Mittelstandsanleihe ein langfristiges Instrument, das mich bisher nicht enttäuscht hat. Da weiß ich, dass meine Grundfinanzierung für die nächsten fünf Jahre gesichert ist und kann damit planen. In Kombination mit Eigenkapital und Bankkrediten ist das für mich ein gutes Fundament der Finanzierungsstruktur. Die Working Capital-Linie zum Beispiel benötigen wir insbesondere während der Sommer- und Herbstmonate, wenn unsere Automotive-Werke ferienbedingt geschlossen sind und in unseren Engineering und Communication Bereichen die Projekthochlaufphasen bestehen.

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Johann Schmid-Davis, Hörmann Industries GmbH

Seit 2001 ist Johann Schmid-Davis in kaufmännischen Funktionen in der Hörmann-Gruppe tätig. Von 2003 an übernimmt er zunächst verschiedene kaufmännische Leitungsfunktionen bei der Beteiligung Funkwerk. Unter anderem verantwortet er als Geschäftsführer die Restrukturierung des Geschäftsfelds Enterprise Communication und dessen späteren erfolgreichen Verkauf. Im September 2009 wird er Finanzvorstand von Funkwerk und übernimmt die Ressortverantwortung für Finanzen, Controlling, Recht, Personal und Investor Relations.

2013 kehrt Schmid-Davis zurück in die Holding der Hörmann-Gruppe, wo er die gruppenweite Leitung des Bereichs Corporate Finance übernimmt. Anfang 2015 wird Schmid-Davis in die  Geschäftsführung der Hörmann Finance und zum CFO der Gruppe berufen.

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Der Mini-Bond-Markt musste ja einige Ausfälle verkraften. Hat Sie das nicht verunsichert?

Verunsichert würde ich nicht sagen, aber ich habe mir schon ein paar Gedanken gemacht, zum Beispiel im Jahr 2016 bei der Refinanzierung unserer ersten Anleihe. Da ist mir negativ aufgefallen, dass beim Begeben unserer zweiten Anleihe schon 15 bis 20 Prozent der bisherigen institutionellen Investoren nicht mehr in diesem Markt aktiv waren. Die sind auch leider nicht mehr wiedergekommen.

Wie wollen Sie das kompensieren?

Wir wollen das Börsensegment erweitern und die Anleihe auch in Skandinavien begeben, im Segment Nordic ABM der Börse Oslo. Den Nordic Bond finden wir attraktiv, weil es dort weitere institutionelle Investoren gibt. Im Gegensatz zu Deutschland lief der Mini-Bond-Markt in Skandinavien ja deutlich besser. Dort war das Segment von Anfang an eher auf institutionelle Investoren ausgelegt. Vom Nordic Bond können wir uns noch einiges abschauen.

Und warum dann trotzdem noch die Frankfurter Wertpapierbörse?

Für uns ist es das erste Mal, dass wir so eine Art Mischform nutzen und an mehrere – auch internationale Börsen – gehen. Aber wir wollen unsere alten Investoren nicht vor den Kopf stoßen und deshalb sind wir an der Frankfurter Börse geblieben.

Ihre neuen Investoren erhalten mit 4,5 Prozent den gleichen Kupon wie bei der Anleihe, die Sie ablösen wollen. Dabei war das Geschäftsjahr 2018 mit einem Umsatz von 624 Millionen Euro laut Ihrer Aussage nach das Beste seit 2008. Warum haben Sie keine günstigeren Bedingungen erzielt?

Natürlich hatte ich eine andere Wunschvorstellung von der Höhe des Kupons. Aber ich habe mich beraten lassen und das gesamte Umfeld betrachtet. Gerade weil die Möglichkeit des Umtauschs bestand und wir unsere bestehenden Investoren nicht verlieren möchten, wollten wir keine Veränderung.

Was wäre denn ihre Wunschvorstellung gewesen?

Wir hätten uns 4,25 Prozent gewünscht.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Wie sich das Mini-Bond-Segment zuletzt entwickelt hat und wie es einzelnen Emittenten ergangen ist, lesen Sie auf unserer Themenseite Mittelstandsanleihen.

Mehr zu CFO Johann Schmid-Davis lesen Sie in seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.

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