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02.01.18
Finanzierungen

Mittelstandsanleihe versinkt in der Bedeutungslosigkeit

Das Neuemissionsvolumen für Mini-Bonds ist 2017 geschrumpft, obwohl es mehr Emittenten als im Vorjahr gab. Das liegt auch daran, dass große Mittelständler das Segment meiden.

Mit einem aggregierten Neuemissionsvolumen von 791 Millionen Euro im Jahr 2017 scheint eine Genesung der Mittelstandsanleihe nicht in Sicht. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich das platzierte Volumen um 10 Prozent. Dies geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie des Beratungsunternehmens Kirchhoff hervor.

Das letzte Hoch erfuhr die Mittelstandsanleihe im Jahr 2013, in dem 46 Unternehmen Anleihen im Gesamtwert von über 2 Milliarden Euro begeben haben. In den vergangen drei Jahren blieb das Neuemissionsvolumen jedoch konstant unter der 1-Milliarden-Grenze.

Wieder mehr Emissionen, aber weniger Volumen

Die Kommunikationsagentur Kirchhoff, die vor allem Mittelständler zu ihren Kunden zählt, betont, dass der Grund für den Rückgang des Emissionsvolumens im Jahr 2017 nicht in der absoluten Zahl der Neuemissionen liege. So wurden im vergangenen Jahr 23 Mittelstandsanleihen platziert, im Vorjahr 2016 waren es nur 16. Doch die großen Emissionen blieben aus: Nur drei Mittelständlern gelang im vergangenen Jahr eine Platzierung mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro.

Und alle diese Großemissionen kamen aus dem Immobilien- und Bausektor: UBM und DIC Asset platzierten neue Bonds über 150 beziehungsweise 130 Millionen Euro. Platz Drei nimmt der österreichische Baukonzern Porr ein, dem eine Platzierung von 125 Millionen Euro gelang.

Zu Zeiten des Booms platzierten Emittenten deutlich größere Mittelstandsanleihen. So etwa die heute insolvente Reederei Rickmers, die sich 2013 ganze 225 Millionen Euro auf einen Schlag holte. Auch die Fluglinie Air Berlin, die vor kurzem pleite ging, platzierte 2014 noch eine Anleihe in Höhe von 170 Millionen Euro.

Aus der Kirchhoff-Studie geht zudem hervor, dass im letzten Jahr nur 13 der 23 neuen Mittelstandsanleihen voll platziert werden konnten. Damit liegt die Erfolgsquote mit 57 Prozent zwar leicht über der Vorjahresquote (47 Prozent), von Vertrauen in das Segment zeugt der Wert aber nicht. Zum Vergleich: 2014 konnten mit einer Erfolgsquote von 80 Prozent 24 von 30 Mittelstandsanleihen voll platziert werden. Und im boomenden Schuldscheinmarkt sind im abgelaufenen Jahr so gut wie alle neuen Papiere deutlich überzeichnet gewesen.

Transparente Kapitalmarktkommunikation fehlt

Nach den zahlreichen Pleiten – neben Air Berlin und Rickmers gingen beispielsweise auch Beate Uhse und Alno insolvent – halten viele Beobachter eine bessere Investorenkommunikation für nötig, damit sich das Segment rehabilitiert. Klaus Rainer Kirchhoff, Vorstandsvorsitzender von Kirchhoff Consult und Herausgeber der Studie, erklärt: „Eines der größten Probleme im Mittelstandsanleihen-Markt ist die intransparente Kapitalmarktkommunikation.“ Er bemängelt, dass einige Unternehmen aktuell beispielsweise nicht einmal das platzierte Volumen ihrer Anleihe über ihre Website kommunizieren.

„Eines der größten Probleme im Mittelstandsanleihen-Markt ist die intransparente Kapitalmarktkommunikation.“

Klaus Rainer Kirchhoff, Kirchhoff Consult

Doch diese Vorgehensweise trifft nicht auf alle neuen Mini-Bond-Emittenten zu. So nahm etwa der Immobilienentwickler Euroboden eine Verpflichtung zur transparenten Kapitalmarktkommunikation sogar in seine Anleihebedingungen auf. Euroboden blickt auf eine erfolgreiche Emission in Höhe von 25 Millionen Euro zurück. Die Münchner versprechen nicht nur, sowohl zum ganzen Jahr als auch zum Halbjahr Konzernabschlüsse vorzulegen und mindestens einmal im Jahr eine Investorenkonferenz auszurichten. Sie holen sich auch einen Wirtschaftsprüfer an Bord, der über die Einhaltung der Zusagen wacht. Beobachtet dieser ein Nichteinhalten, erhöht sich der Zinskupon um 0,5 Prozent.

kerstin.hammann[at]finance-magazin.de

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