Die Covenant-Vereinbarung von MT-Energie könnte Vorbild für andere Mittelstandsanleihen werden.

MT-Energie

05.05.14
Finanzierungen

MT-Energie: Erstmals Waiver-Fee bei Mittelstandsanleihe

Das norddeutsche Biogasunternehmen MT-Energie hat als erster Emittent mit den Gläubigern einer Mittelstandsanleihe eine Waiver-Fee vereinbart. Die Gebühr wird fällig, wenn das Unternehmen den Eigenkapital-Covenant reißt. Die Vereinbarung könnte zum Vorbild für Covenant-Verhandlungen bei anderen Mittelstandsanleihen werden.

Nachdem die Gläubiger der Mittelstandsanleihe von MT-Energie in der vergangenen Woche Anpassungen bei den Covenants zugestimmt haben, sind nun Details zu den Bedingungen durchgesickert: Bei einem Bruch des Eigenkapital-Covenants erhalten die Gläubiger der Mittelstandsanleihe künftig eine Kompensation. Diese erfolgt über eine Erhöhung von 1 Prozent des Zinskupons beim nächsten Kupontermin. Bei Banken ist eine solche Waiver-Fee schon üblich, im Mittelstandssegment dagegen noch neu. „Die Waiver-Fee für Anleihegläubiger ist ein neuer Marktstandard“, sagt Frank Günther von One Square Advisors, der die Verhandlungen mit dem Unternehmen als gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger geführt hat.

Die zunächst erhoffte Covenant-Anpassung zum Nulltarif hat es damit für das Unternehmen nicht gegeben. Dennoch zeigt man sich bei MT-Energie mit der Vereinbarung über die Waiver-Fee zufrieden: „Die Gebühr ist adäquat“, sagt Sören Schleider, seit Herbst CFO bei MT-Energie, im Gespräch mit FINANCE. Für ihn war der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen mit den Gläubigern ein wichtiger Schritt. „Wir sind zunächst einmal erleichtert, dass wir nach vielen Gesprächen mit Banken und Anleihegläubigern nun bis Ende 2015 durchfinanziert sind“, betont Schleider. Zwar sei MT-Energie bemüht, zusätzliche Belastungen zu vermeiden, die Belastung durch die Waiver-Fee ist Schleider zufolge allerdings moderat.

Mittelstandsanleihe von MT-Energie legt zu

Der Markt reagierte auf die Änderungen positiv. Der Kurs der Mittelstandsanleihe von MT-Energie stieg in der vergangenen Woche und notiert inzwischen wieder bei rund 54 Prozent. In den kommenden Wochen will MT-Energie den Jahresabschluss für 2013 vorlegen. Auf dessen Basis entscheidet sich, ob eine Waiver-Fee gezahlt werden muss. Die Gebühr könnte erstmals mit dem Zinstermin 2015 fällig werden, sollte der Eigenkapital-Covenant für den Abschluss 2013 gerissen werden. Beim Geschäftsabschluss 2014 käme dieselbe Regelung zum Einsatz. „Bei Banken ist eine Waiver-Fee üblich. Es ist aus unserer Sicht adäquat, wenn wir die Anleihegläubiger nun ähnlich behandeln“, findet CFO Schleider.

MT-Energie ist mit der Waiver-Fee ein Vorreiter im Marktsegment. Das Instrument könnte nach Einschätzung von Gläubigervertreter Frank Günther allerdings künftig eine breitere Anwendung finden. „Grundsätzlich lässt sich das Instrument auf Emittenten anderer Mittelstandsanleihen übertragen, die Probleme mit den Covenants haben“, sagt er.

Ein möglicher nächster Fall könnte Mifa sein. Der Fahrradhersteller hatte im März angekündigt, es sei nicht auszuschließen, dass mehrere Finanical Covenants nicht eingehalten werden könnten. Gegebenenfalls will auch die Mifa auf einer Gläubigerversammlung eine Änderung der Covenants erreichen. Zuletzt hatte sich das Unternehmen über eine Sale-and-Leaseback-Transaktion etwas Luft verschafft.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de