Sanha muss seine Mittelstandsanleihe strecken.

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07.04.20
Finanzierungen

Sanha muss Anleihe neu strukturieren

Der Hersteller von Sanitärprodukten Sanha will seine Mittelstandsanleihe wegen der Folgen der Coronakrise neu strukturieren. Der Zinssatz soll reduziert werden – dafür nimmt Sanha eine höhere Rückzahlung in Kauf.

Nächster Einschlag wegen der durch das Coronavirus ausgelösten Krise: Die Geschäftsführung von Sanha hat sich mit den gemeinsamen Vertretern der Anleihegläubiger, dem Beratungshaus One Square Advisory,  auf ein „Konzept zur Anpassung der Anleihebedingungen“ geeinigt. Betroffen ist die Mittelstandsanleihe aus dem Jahr 2013, die bereits im Jahr 2017 restrukturiert werden musste. Damals einigte sich das Unternehmen mit den Großgläubigern auf eine Verlängerung der Laufzeit von fünf Jahren bis zum Jahr 2023.

Wie der Hersteller von Sanitärprodukten am heutigen Dienstag bekanntgab, soll das Konzept der Gesellschaft „die nötigen Handlungsspielräume zur Liquiditätssicherung und zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegenüber den Inhabern der Teilschuldverschreibungen“ sichern. Die Investoren sollen  zwischen dem 23. und dem 25. April über den Vorschlag abstimmen.

Sanha reduziert Staffelzins

Konkret sollen die Anleihebedingungen in vier Punkten angepasst werden: Zunächst wird die Laufzeit der Mittelstandsanleihe um drei Jahre bis 2026 verlängert. Zudem will Sanha einen reduzierten Staffelzins einführen. Dieser sieht für den Zeitraum vom 4. Dezember 2019 bis 4. Juni 2022 einen jährlichen Zinssatz von 2 Prozent vor, für das folgende Jahr werden 3 Prozent fällig. Ab Juni 2023 bis zum Ende der Laufzeit am 4. Juni 2026 beträgt der jährliche Zinssatz 4 Prozent.

Damit sinkt die Verzinsung deutlich: Der jährliche Kupon der Anleihe, der halbjährig gezahlt wird, betrug bis zum 3. Juni 2018 noch 7,75 Prozent. Bis 2023 sollte er schrittweise von 8,5 Prozent auf 6,25 Prozent absinken.

Sanha muss Anleihe zu 105 Prozent zurückzahlen

Um den Gläubigern die Zustimmung zu den niedrigeren Zinssätzen abzuringen, hat Sanha sich bereit erklärt, den Rückzahlungsbeitrag der Anleihe auf 105 Prozent des Ursprungsvolumens zu erhöhen. Das Emissionsvolumen der Anleihe beziffert Sanha auf 37,5 Millionen Euro, das aktuelle Anleihevolumen liegt bei 37,1 Millionen Euro. Zusätzlich wollen die Essener die Covenants sowie die Negativverpflichtungen anpassen.

„Wir haben einen Leverage-Covenant, bei dem wir den Headroom etwas ausweiten werden. Damit geben wir Sanha die notwendige Flexibilität, die es in der Coronakrise braucht“, erläutert One Square-Geschäftsführer Frank Günther, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen. Sollte der Covenant gerissen werden, erhöhe sich die Rückzahlung, die Sanha zu leisten hat. Weitere Vereinbarungen, etwa zu Sicherheiten, blieben „in unveränderter Form und Höhe bestehen“, versichert Sanha.

Coronavirus trifft auch Sanha

Auch Sanha ist von der Coronakrise schwer getroffen. Insbesondere seit Anfang April verzeichnete das Unternehmen nach eigener Aussage „deutliche Einbußen vor allem in unserem Exportgeschäft durch die Einschränkungen beim internationalen Warenverkehr“. Die Lieferketten seien aber nicht betroffen, betont Sanha.

Insgesamt traut sich das Unternehmen derzeit keine Prognose für das Geschäftsjahr 2020 zu, geht aber von einem Umsatzrückgang im Vergleich zur bisherigen Planung aus.

Diese Entwicklungen machen sich auch im Rating des Sanitärunternehmens bemerkbar: Bereits Ende März hatte die Ratingagentur Creditreform den Ausblick für Sanha von „stabil“ auf „negativ“ gesetzt. Die Essener haben aktuell ein Rating von B-.

Das Geschäft von Sanha hatte sich zuletzt stabil entwickelt. Der Umsatz der ersten neun Monate des vergangenen Geschäftsjahres belief sich auf 75,3 Millionen Euro, das liegt dem Unternehmen zufolge auf Vorjahresniveau. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg von 8 auf 9 Millionen Euro.

Der Kurs der Mittelstandsanleihe rangiert aktuell bei 54 Prozent des Nennwerts. Damit hat sich der Anleihekurs bereits etwas erholt: Mitte März stand die Anleihe bei gerade einmal 45 Prozent. Noch bevor das Coronavirus in Deutschland ausgebrochen war, lag der Nennwert der Anleihe bei rund 95 Prozent.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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