Mit der neuen Wandelanleihe kann SGL Carbon erstmal wieder aufatmen.

SGL Carbon

09.09.15
Finanzierungen

SGL Carbon tauscht alte in neue Wandelanleihe

Der Kohlenstoffspezialist SGL Carbon hat eine neue Wandelanleihe begeben und will sich damit finanziell Luft bis ins nächste Jahrzehnt verschaffen. Die prominenten Großaktionäre ziehen mit.

SGL-Carbon-Finanzchef Michael Majerus treibt die Refinanzierung des Kohlenstoffspezialisten weiter voran: Wie das Unternehmen mit Sitz in Wiesbaden heute angekündigt hat, steht dabei erneut eine Wandelschuldverschreibung im Mittelpunkt.

Die neue bis September 2020 laufende Wandelanleihe wurde binnen weniger Stunden platziert und hat ein Volumen von 167 Millionen Euro, wovon 17 Millionen Euro im Rahmen einer Mehrzuteilungsoption gezogen wurden. Die Anleihe ist in bis zu rund 9 Millionen Aktien wandelbar. Dies entspricht knapp 10 Prozent des aktuell ausstehenden Volumens.

Der Kupon liegt mit 3,5 Prozent am unteren Ende der vorher festgelegten Spanne. Der Wandlungspreis von 18,65 Euro liegt 30 Prozent  über dem aktuellen Kursniveau und damit am oberen Ende der Preisspanne, ein weiterer Beleg für den ausgeprägten Hunger der Bondinvestoren nach Neuemissionen. Begleitet wurde die Emission von Commerzbank, Credit Suisse, Société Générale und der LBBW.

Die illustren Großaktionäre von SGL Carbon ziehen mit und haben sich zu Underwritern des neuen Papiers erklärt. Die Ankerinvestoren, zu denen die BMW-Erbin Susanne Klatten (27,5 Prozent), der BMW-Konzern (18,4 Prozent) und VW (9,9 Prozent) gehören, haben bis zu 55 Prozent der Wandelanleihe gezeichnet. Die Großaktionäre haben sich trotz der zuletzt schwierigen Situation bei SGL bisher geduldig gezeigt und dem neuen Management mit seinen Umbauplänen den Rücken gestärkt. Durch die Zeichnung der Wandelanleihe verhindern sie, im Jahr 2020 im Fall einer guten Aktienkursentwicklung verwässert zu werden.

SGL Carbon will alten Wandler zurückkaufen

Majerus braucht das frische Geld, um die bald auslaufende Wandelanleihe von 2009 zu refinanzieren, die auf ein derzeit noch ausstehendes Volumen von 135 Millionen Euro kommt und den Konzern einen Kupon von 3,5 Prozent im Jahr kostet. Eine Rückzahlung der Anleihe in Aktien ist angesichts der schwachen Kursentwicklung von SGL Carbon praktisch ausgeschlossen. SGL bietet den Bondholdern einen Rückkaufkurs von 102 Prozent plus aufgelaufene Zinsen.  

Durch den Anleihetausch kann Majerus  seine Bilanzstruktur verbessern und kurzfristige in langfristige Finanzverbindlichkeiten umschichten. Außerdem schont Majerus die Liquidität, denn mit zuletzt 239 Millionen Euro Cash hätte er theoretisch auch die Möglichkeit gehabt, den Wandler ohne adäquate Anschlussfinanzierung zu tilgen. Die liquiden Mittel haben sich zuletzt jedoch tendenziell rückläufig entwickelt.   

SGL finanziert sich weiterhin noch über einen Bond, der 2021 fällig wird, einen Kredit, der bis Ende 2017 läuft, sowie eine weitere Wandelanleihe, deren Laufzeit im Januar 2018 endet.

Bei SGL Carbon kriselte es zuletzt

Das Unternehmen schreibt seit 2013 rote Zahlen und wird von den Ratingagenturen Moody’s mit B2 sowie von Standard & Poors mit B+ bewertet, jeweils mit negativem Ausblick. CFO Michael Majerus hatte dem Unternehmen ein strenges Sparprogramm auferlegt und plant eine Aufspaltung: Der Bereich Performance Products (PP) soll verselbständigt werden, übrig bleiben die Bereiche Carbonfaser und Graphit-Spezialanwendungen. PP war die einstige Cashcow, leidet inzwischen jedoch stark unter der schlechten Stahlkonjunktur.  Der Umsatz ist schon lange rückläufig. Die beiden anderen Bereiche hingegen wachsen.

Julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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