Der Stahlzulieferer SKW will sich finanziell neu aufstellen.

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16.12.16
Finanzierungen

SKW Stahl kann auf Schuldenerlass hoffen

Durchbruch bei SKW Stahl: Die Kreditgeber des kriselnden Stahlzulieferers sind bereit, auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten. Um frisches Geld aufzutreiben, bekommt SKW noch ein Jahr mehr Zeit. Dann könnte das Unternehmen einen neuen Eigentümer bekommen.

Der angeschlagene Stahlzulieferer SKW Stahl-Metallurgie ist bei den schon seit mehr als einem Jahr andauernden Verhandlungen mit den Banken einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Der Konzern hat ein Konzept zur finanziellen Restrukturierung vorgelegt, das die Banken zu Zugeständnissen bewegt hat. Kernpunkt ist die Restrukturierung eines im Januar 2015 aufgelegten Konsortialkredits in Höhe von 86 Millionen Euro mit Laufzeit bis Anfang 2018, bei dem es im dritten Quartal 2015 zu einem Covenant-Bruch kam. Seitdem verhandelt SKW mit den Banken über eine Lösung.

Im Ergebnis machen die Banken nun den Weg für tiefgreifende Veränderungen bei SKW frei: Sie erklären sich grundsätzlich dazu bereit, auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten, sofern eine Ablösung des Kredits durch einen Dritten gewährleistet ist. Dieser Dritte könnte ein strategischer Partner werden, der über eine Kapitalerhöhung bei SKW einsteigt. Gespräche mit ersten Interessenten laufen schon, wie SKW bekanntgab.

SKW strebt im neuen Jahr eine Barkapitalerhöhung an, die mindestens 100 Prozent des Grundkapitals erreicht. Die Marktkapitalisierung des Stahlzulieferers liegt momentan bei rund 19 Millionen Euro, der Cashzufluss dürfte dann in ähnlicher Höhe liegen. Der Forderungsverzicht der Banken dürfte aber kaum so hoch ausfallen, dass dies schon ausreicht, um den Kredit abzulösen. Die Lösung könnte ein Komplettverkauf des Unternehmens oder die Überführung von SKW in ein Joint Venture sein. 

SKW will „Randaktivitäten“ verkaufen

Es scheint aber noch Alternativen zu einem Unternehmensverkauf zu geben. SKW erklärt, dass ein Teil der Schulden auch durch den Verkauf von nicht näher genannten „Randaktivitäten“ getilgt werden könnte.  Welche Bereiche konkret infrage kämen, wollte ein SKW-Sprecher auch auf Anfrage hin nicht kommentieren.

Denkbar ist, dass SKW erneut versucht, die Gesellschaft SKW Quab Chemicals zu verkaufen. Der Konzern wollte die Tochter bereits im Jahr 2015 verkaufen, was allerdings nicht gelang. Quab stellt in den USA Spezialchemikalien her, die bei der Papierherstellung, der Kosmetikproduktion und dem Fracking wichtig sind. SKW Quab Chemicals weist für 2015 einen Umsatz von knapp 22 Millionen Euro aus und erwirtschaftete einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1 Million Euro. Es erscheint unwahrscheinlich, dass SKW mit einem Verkauf von Quab die Bilanz um mehr als einen einstelligen Millionenbetrag entlasten könnte.

Zusammen mit den Zuflüssen aus der Kapitalerhöhung könnten Randverkäufe aber auch eine Refinanzierungslösung in den Bereich des Möglichen bringen. SKW spricht von der Vision, wieder eine Investment-Grade-Bonität zu erreichen und so einen Neustart zu versuchen. Der Vorteil: Der Konsortialkredit ist die größte und wichtigste Verbindlichkeit des Konzerns. Sollte dessen Refinanzierung gelingen, wäre die Basis für einen Neustart geschaffen.

Die Banken haben ihr Stillhalteabkommen bis zum 31. Dezember 2017 verlängert, um dem Konzern Zeit zu geben, eine der verschiedenen Lösungsmöglichkeiten zu verwirklichen. Vorher müssen aber noch ihre Gremien zustimmen, was in den kommenden Wochen passieren soll.

Investor MCGM wollte 20 Millionen Euro in SKW pumpen

Dass CEO Kay Michel die Bedeutung eines strategischen Partners so stark betont, dürfte bei dem Hedgefonds MCGM für Verstimmung sorgen, der im Dezember 2015 mit einem größeren Aktienpaket bei SKW eingestiegen ist. Der Münchener-Turnaround-Investor hatte erst vor einem Monat selbst eine Kapitalerhöhung ins Spiel gebracht und angeboten, bis zu 20 Millionen Euro in SKW zu pumpen. Stehen die Münchener zu ihrer Zusage, wäre die geplante Kapitalerhöhung schon so gut wie gesichert.

Doch SKW-Chef Michel hatte auf den Vorschlag sehr kühl reagiert: Das Unternehmen wird „sich bei der Restrukturierung und Lösung der Finanzierungssituation nicht von Kampagnen der MCGM unter Druck setzen lassen, sondern arbeitet weiterhin an einer professionellen Lösung im Sinne der Gesellschaft und aller involvierten Interessensgruppen“, schrieb SKW.

Im gleichen Zuge warf der Konzern MCGM-Chef Olaf Marx, der im SKW-Aufsichtsrat sitzt, einen Bruch von Vertraulichkeitszusagen vor. Da MCGM inzwischen nur noch 5 Prozent an SKW hält, wird der Investor die Hereinnahme eines neuen Großaktionärs aber wohl nicht blockieren können.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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