Von der Stahlkrise gebeutelt: Der Stahlzulieferer bekommt mit dem Münchener Turnaround-Investor MCGM einen neuen aktiven Großaktionär.

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18.12.15
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Turnaround-Investor MCGM steigt bei SKW Stahl ein

Der Turnaround-Investor MCGM ist mit 5 Prozent bei SKW Stahl-Metallurgie eingestiegen. Die Münchener fordern von der SKW-Führung eine deutliche Verschärfung des Sanierungskurses.

Der angeschlagene Stahlzulieferer SKW Stahl-Metallurgie bekommt einen neuen Anteilseigner. Einer Pflichtmitteilung zufolge hat der Münchener Turnaround-Spezialist Management & Capital Group (MCGM) bei SKW eine Aktienposition von 5 Prozent aufgebaut. Da SKW trotz eines Umsatz von über 250 Millionen Euro derzeit an der Börse nur 27,5 Millionen Euro wert ist, musste MCGM nur einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen, um seine Position aufzubauen.

SKW befindet sich in der Defensive: Ausgelöst von eigenen Fehlinvestitionen, aber auch von der rückläufigen Investitionsneigung der Stahlkonzerne, steckt SKW seit dem vergangenen Jahr in einer schweren Unternehmenskrise. Der damaligen Finanzchefin Sabine Kauper gelang es zu Jahresbeginn zwar, die Finanzierung neu aufzusetzen. Doch über das Frühjahr flammte die Krise erneut auf. Eine herbe Gewinnwarnung vereitelte eine geplante Kapitalerhöhung und brachte die Covenants der neuen Kreditlinie in Reichweite.

Seitdem sorgen sich die Investoren wieder um die Finanzierung des Unternehmens – zumal SKW heute Morgen bekanntgeben musste, dass eine Tochtergesellschaft im asiatischen Bhutan Insolvenz anmelden musste. Nennenswerte finanzielle Auswirkungen erwartet SKW dadurch allerdings nicht, da die Bilanzansätze des Bhutan-Geschäfts schon im vergangenen Jahr wertberichtigt worden waren. 

MCGM erhöht den Druck auf die SKW-Führung

MCGM verfolgt eigenen Angaben zufolge einen „value-orientierten Investmentansatz mit einer langfristigen und aktiven Investitionsphilosophie“. An kapitalmarktnotierten Unternehmen beteiligt sich MCGM minderheitlich, an privaten Unternehmen auch mehrheitlich. Die Münchener treten aber nicht nur als Investoren, sondern auch als Restrukturierungsberater in Erscheinung. Als Referenzkunden nennt MCGM unter anderem VW, Bosch und Schaeffler.

Das SKW-Management wird sich auf einen aktiven Dialog mit dem neuen Großaktionär einstellen müssen. „Die operative Effizienz bei SKW lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Das haben wir bereits bei der Hauptversammlung im Juni angesprochen. Wir fordern vom SKW-Management deutlich stärkere Restrukturierungsanstrengungen“, sagte MCGM-Geschäftsführer Olaf Marx gegenüber FINANCE. Eine weitere Anteilsaufstockung sei gegenwärtig nicht geplant, aber auch nicht ausgeschlossen. „Das hängt von der Reaktion des Managements ab“, so der Investor.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Alle Hintergründe zur Krise und zum Aktionärsstreit bei dem Stahlzulieferer liefert unsere FINANCE-Themenseite zu SKW Stahl.