Steinhoff kommt einen entscheidenden Schritt voran: Die Gläubiger haben dem Restrukturierungsplan zugestimmt.

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17.12.18
Finanzierungen

Steinhoff darf Milliardenschulden restrukturieren

Die Gläubiger des schwer angeschlagenen Möbelkonzerns Steinhoff haben sich zu einer Umschuldung bereit erklärt. Schulden im Wert von 7,7 Milliarden Euro werden nun erst Ende 2021 fällig. Feiern sollte das Management aber noch nicht.

Aufatmen bei Steinhoff: Der Konzern darf Schulden im Wert von 7,7 Milliarden Euro restrukturieren. Banken, Debt-Fonds und weitere Kreditgeber haben einem entsprechenden Sanierungsplan des in einen Bilanzskandal verwickelten Möbelherstellers zugestimmt, wie das Unternehmen am späten Freitagnachmittag mitteilte.

Von der Restrukurierung betroffen sind sämtliche Finanzschulden der früher in Österreich angesiedelten Gesellschaften Steinhoff Europe AG (Seag) und der Finance Holding (SFHG). Alle Finanzinstrumente werden nun so umgeschuldet, dass sie Ende 2021 fällig werden. Zinszahlungen werden durch sogenannte PIK (Payment-in-Kind)-Komponente ebenfalls bis zum Ende der Laufzeit aufgeschoben, was die Liquiditätslage von Steinhoff kurz- bis mittelfristig deutlich entlasten wird.

Die Gläubiger, die an der Abstimmung teilnahmen, gaben dem Management klare Rückendeckung: Die Zustimmungsquoten lagen Unternehmensangaben zufolge bei 94 Prozent im Fall von Seag sowie bei 99 Prozent im Fall von SFHG. Beide Gesellschaften, die im August nach Großbritannien verlagert wurden, sollen nun nach dem britischen Vergleichsverfahren (Company Voluntary Arrangements, CVA) restrukturiert werden.

Künftiger Steinhoff-Chef dankt den Gläubigern

Entsprechend erleichtert zeigte sich der designierte Steinhoff-Chef Louis du Preez, der die Leitung des Unternehmens im kommenden Jahr übernehmen soll: Die Zustimmung der Gläubiger der wichtigsten Finanzgesellschaften des Konzerns sei „der Schlüssel, um eine neue Zeit der Finanzstabilität für die Gruppe“ einzuläuten. Jurist Du Preez, der selbst als oberster Sanierer agierte, dankte allen Beteiligten für ihren „enormen Einsatz“.

In der Tat gelingt Steinhoff mit der Restrukturierung des Schuldenbergs von Seag und SFHG ein Durchbruch. Bis dato hatte der Konzern lediglich bei der Immobilientochter Hemisphere, für die CFO Philip Dieperink einen neuen Kredit bis Ende 2021 verhandelt hat, und für die US-Tochter Mattress Firm eine Umschuldung durchgesetzt. Den überwiegenden Teil der Finanzverschuldung des Konzerns tragen jedoch die in Österreich angesiedelten Gesellschaften.

Steinhoff schuldet Anleihen, Schuldscheine und mehr um

Den nun beschlossenen Restrukturierungsplan nach britischem Insolvenzrecht (CVA-Verfahren) hatte Steinhoff Mitte November vorgelegt, anschließend allerdings noch einmal angepasst und präzisiert. Konkret sieht der Plan nun folgendes vor: In einem ersten Schritt wird Steinhoff neue Gesellschaften in Luxemburg, auf der Kanalinsel Jersey und in Großbritannien gründen. Anschließend wird das Unternehmen in einem zweiten Schritt fast alle Assets und Verbindlichkeiten von Seag auf die neuen Gesellschaften übertragen.

In einem dritten Schritt folgt dann die eigentliche finanzielle Restrukturierung: Die Firma in Luxemburg wird einen neuen Term Loan ausgeben, der die gesamte existierende Finanzverschuldung von Seag in Höhe von 5 Milliarden Euro ablösen soll. Dazu zählen laut Angaben von Steinhoff aus dem September neben syndizierten Krediten über rund 2,9 Milliarden Euro auch eine Unternehmensanleihe über 800 Millionen Euro, Schuldscheindarlehen im Wert von 770 Millionen Euro sowie bilaterale Kredite.

Den neuen Kredit wird Steinhoff mit einem Sicherheitenpaket der neuen Seag-Gruppe hinterlegen. Der Term Loan läuft bis Ende 2021, Zinszahlungen fallen halbjährlich an, werden durch die PIK-Komponente aber an das Ende der Laufzeit verschoben.

Wandelanleihen werden durch PIK-Kredit ersetzt

SFHG ist dagegen über drei Wandelanleihen im Gesamtvolumen von 2,7 Milliarden Euro verschuldet. Die Papiere sollen ebenfalls in besicherte Kredite mit PIK (Payment-in-Kind)-Komponente umgewandelt werden.

Die Bonds, die bis 2021 (465 Millionen Euro) und 2022 (1,1 Milliarden Euro) laufen, sollen in einem gemeinsamen Instrument gebündelt werden. Der 2023 fällige Convertible (1,1 Milliarden Euro) wird in eine separate Fazilität überführt, allerdings gleichwertig behandelt (pari passu). Bei beiden Instrumente wird die Wandeloption entfernt.

Steinhoff betonte allerdings auch, dass noch eine Reihe von Schritten gemacht werden müssten, bevor die finanzielle Restrukturierung in die Tat umgesetzt werden könne. Dabei geht es offenbar vor allem um formale Fristen: Bis Mitte Januar können Gläubiger die Einigung noch anfechten, Ende Januar soll die Restrukturierung dann umgesetzt werden.

Aufarbeitung des Bilanzskandals dauert an

Doch selbst wenn die finanzielle Restrukturierung umgesetzt ist, wird das Steinhoff-Management weiter gefordert sein. Zum einen muss es endlich auch in Sachen Aufarbeitung des Bilanzskandals vorankommen. Das Unternehmen hat die Vorlage der testierten Bilanzen für 2017 und 2018 vor Kurzem erneut verschoben. Die Berichte sollen nun voraussichtlich erst im April 2019 vorgelegt werden. Die forensische Untersuchung durch die Bilanzierungsspezialisten von PwC dauere noch an, heißt es dazu aus Stellenbosch.

Zum anderen müssen CEO du Preez und CFO Philip Dieperink die finanzielle Atempause bis Ende 2021 nutzen, um das operative Geschäft auf Vordermann zu bringen. Wie die einzelnen Geschäfte tatsächlich dastehen, kann man ohne testierte Zahlen nicht genau sagen.

Hinzu kommt, dass Steinhoff das operative Möbelgeschäft in Österreich (Kika/Leiner) und Deutschland (Poco) im Zuge der Sanierung verkauft hat. Ob und wie sehr diese Verkäufe, mit denen sich Steinhoff binnen kurzer Zeit frische Mittel besorgt hat, das operative Geschäft schwächen werden, muss sich erst noch zeigen. Spätestens Ende 2021 werden die Milliarden-Schulden Steinhoff einholen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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