Der Möbelkonzern Steinhoff kommt mit seiner Restrukturierung voran.

Steinhoff

20.11.18
Finanzierungen

Steinhoff legt Restrukturierungsplan vor

Steinhoff will die Gläubiger seines Europageschäfts von einem Schuldenschnitt überzeugen. Für die Wandelanleihen hat der Möbelkonzern jetzt einen konkreten Umschuldungsplan vorgelegt.

Der skandalgeplagte Möbelhersteller Steinhoff hat einen Restrukturierungsplan für sein Europageschäft und die in Österreich ansässige Finance Holding vorgelegt. Im Fokus steht dabei unter anderem ein Schuldenschnitt für drei Wandelanleihen im Gesamtvolumen von 2,7 Milliarden Euro. Die Papiere sollen in besicherte Kredite mit PIK (Payment-in-Kind)-Komponente umgewandelt werden, wie der deutsch-südafrikanische Konzern jetzt mitteilte.

Diese Konstruktion würde es Steinhoff erlauben, Zinsen erst am Ende der Laufzeit zu bezahlen – in diesem Fall in drei Jahren. Für den finanziell angeschlagenen Konzern wäre das eine große Entlastung. Allerdings müssen die Gläubiger diesem Sanierungsvorschlag zunächst zustimmen. Einen Zeitplan für die dafür nötigen Gläubigerversammlungen hat Steinhoff noch nicht veröffentlicht.

Steinhoff will sich mit CVA-Verfahren sanieren

Die grundsätzliche Bereitschaft, Steinhoff bei der Sanierung zu unterstützen, haben die Gläubiger im Juli signalisiert. Damals gewährten sie dem durch einen Bilanzskandal ins Wanken geratenen Konzern drei Jahre Zeit, um seinen Schuldenberg von 9,4 Milliarden Euro neu zu ordnen und zurückzuzahlen. Der nun von Steinhoff vorgeschlagene Schuldenschnitt nach dem englischen CVA-Verfahren setzt dieses Stillhaltekommen fort.

Konkret sieht der Restrukturierungsplan vor, die derzeit in Österreich angesiedelte Gesellschaft Steinhoff Europe AG (Seag) auf neu zu gründende Firmen in Luxemburg, auf der Kanalinsel Jersey und in Großbritannien zu verteilen. Das operative Möbelgeschäft in Österreich (Kika/Leiner) und Deutschland (Poco) hat Steinhoff im Zuge der Sanierung bereits verkauft.

Steinhoff will Gläubiger an neuer Gesellschaft beteiligen

Auf die Gesellschaften in Jersey und Großbritannien will Steinhoff „fast alle“ Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten der Seag übertragen. Die Firma in Luxemburg wiederum soll als Vehikel für die neu zu emittierenden Finanzinstrumente dienen, die die bestehenden Finanzverbindlichkeiten der Gesellschaft ablösen soll.

Seag ist nach älteren Angaben von Steinhoff mit rund 4,8 Milliarden Euro verschuldet. Dazu zählen neben syndizierten Krediten über 2,6 Milliarden Euro auch eine Unternehmensanleihe über 800 Millionen Euro sowie Schuldscheindarlehen im Wert von 770 Millionen Euro.

Diese Finanzinstrumente sollen nun offenbar durch neue Darlehen respektive Anleihen der Luxemburger Einheit ersetzt werden. Die bisherigen Gläubiger sollen dann an der neuen Gesellschaft teilhaben und so an den Assets und Sicherheiten partizipieren, die die neue Seag-Gruppe stellt.

Aus den drei Convertibles, die in der Finance-Holding angesiedelt sind, sollen künftig zwei private Kreditfazilitäten werden, teilte Steinhoff mit: Die Bonds, die bis 2021 (465 Millionen Euro) und 2022 (1,1 Milliarden Euro) laufen, sollen in einem gemeinsamen Instrument gebündelt werden. Der 2023 fällige Convertible (1,1 Milliarden Euro) wird in eine separate Fazilität überführt, allerdings gleichwertig behandelt (pari passu). Bei beiden Instrumente wird die Wandeloption entfernt, so Steinhoff.

Fortschritte beim Chapter-11-Verfahren

Auch in den USA macht der skandalgeplagte Konzern Fortschritte bei der finanziellen Sanierung: Der Sanierungsplan („Chapter 11“) des US-Matratzenherstellers Mattress Firm sei am Freitag vom US-Konkursgericht genehmigt worden, erklärte Steinhoff. Die Tochter könne bald aus dem Verfahren entlassen werden.

Steinhoff hatte Mattress Firm erst vor zwei Jahren für 3,8 Milliarden US-Dollar völlig überteuert gekauft. Anfang Oktober beantragte der Konzern das Chapter-11-Verfahren, mit dem Unternehmen nach amerikanischem Insolvenzrecht ihre Sanierung vorantreiben und dazu einen zeitlich befristeten Gläubigerschutz erhalten können. 

Steinhoff bekommt neuen CEO

Parallel zu den Sanierungsfortschritten ordnet Steinhoff auch seine Führung neu: Der bisherige Chefsanierer Louis du Preez steigt Anfang des Jahres zum Vorstandschef des Möbelkonzerns auf. Der 48-Jährige war Mitte 2017 als Chefjustiziar zu Steinhoff gekommen. Gemeinsam mit CFO Philip Dieperink übernahm er die Verhandlungen mit den Steinhoff-Gläubigern.

Du Preez übernimmt den Chefposten zum Jahreswechsel von Danie van der Merwe, der dem Möbelkonzern aber noch bis Ende 2019 als Berater zur Verfügung stehen soll. Van der Merwe war vor knapp einem Jahr zum Interimschef von Steinhoff ernannt worden. Der damalige CEO Markus Jooste mussten den Posten räumen, als der Bilanzskandal von Steinhoff offensichtlich wurde.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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